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Der Israelit · 1885-05-14 · Heft 38 (14.5.1885) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 38 (14.5.1885)
Date
1885-05-14
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XXVI. Z-Hrgan«. j\'ö M. E i li KenLrak - Zrgan für das orthodoxe Zudentfium. Heransgegeben von Dr. Lehmann in Mainz. Donnerstag, den 14. Mai 5S45 (1885). Leitende Artikel. Die Sprüche der Jäter. XI. Mainz, 11. Mai. Selbst der frömmste und edelste Mensch, dessen Herz erfüllt ist von der reinsten Liebe zu Gott, darf die Furcht vor Gott nicht einen Augenblick lang außer Acht lassen. Deßhalb fügt Rabbi als vierte Mahnung hinzu: ,mT:y ’T7 82 rin« '8i dh2T .i7L'2 Vrrom nyvm' 1N81 n«n fy ,-)QO N7yv7 HD yi .;'2nri i'L'yv „Und betrachte drei Dinge, so wirst Du nicht zu den Händen der Uebertretung gelangen. Erkenne, was über Dir ist: ein sehendes Auge, ein hörendes Ohr, und alle Deine Thaten werden in das Buch eingeschrieben." Wir haben bereits im Eingänge dieser Abhandlung zwei Fragen des Rabbi Samuel de Oseda erwähnt, warum nämlich Rabbi das überflüssig scheinende Wörtchen hinzufügt, und warum er gerade die ermähnten drei Dinge zur Betrachtung empfiehlt; aber noch Anderes erschwert das Lerständniß dieses Ausspruches. Rabbi beginnt mit dem Worte 72ncm, das wir mit „betrachte" übersetzt haben, und fährt fort mit jn, „erkenne," wozu der Ausdruck D'Tn nicht zu passen scheint; ferner müssen wir verstehen, was das Wort 't7, „zu den Händen," hier bedeuten soll; Rabbi hätte ja sagen können: rn'2y7 82 nn8 8i; das Wort 'T7 scheint überflüssig zu fein. Die Beantwortung aller dieser Fragen wird sich in der nachfolgenden Auseinandersetzung ergeben. Wir haben bereits oben erwähnt, daß selbst die edelsten und besten Menschen, die Gott über Alles lieben und aus reiner Liebe Seine heiligen Gebote zu beobachten streben, der Gottesfurcht nicht einen Augenblick lang entbehren können und dürfen. So sagt auch der fromme König: Y18T TEOtrEDl nett -pr.QD 1DD. „Aus Furcht vor Dir erfaßt Angst meinen Leib, und vor Deinen Nrtheilssprüchen fürchte ich mich (Psalm 119, V. 120). Es sind im menschlichen Leben nicht alle Zeiten gleich; es gibt der Aengste, Sorgen, Kämpfe, Schmerzen und Kümmernisse gar viele, da wird manchmal das Gemüth des Menschen umdüstert; es wird verfinstert das Licht seiner Seele. Wie schwarze Wolken den Mond verhüllen, so verdunkelt die Leidenschaft das Licht des Verstandes; es wird dunkle Nacht, und der Mensch kömmt zum Falle. Daher mahnt Salomo in seiner Weisheit: „Halte fest an Zucht, lasse niemals ab, nimm sie wohl in Acht, sie ist Dein Leben. (Mischte C. 4, V. 18). Wie oft geschieht cs doch, daß gute und edle Menschen trotz besserer Erkeuntniß straucheln und fallen! Zu stark, zu gewaltig ist die Leidenschaft, als daß die Erkeuntniß sie zu bewältigen vermöchte. Aber es gibt ein Mittel, die Kraft des sündigen Triebes zu brechen und noch im letzten Augenblick errettet zu werden; die stete Gelvöhnung nämlich, immerwährend der Allgegenwart Gottes sich bewußt zu sein. Rach der Ansicht eines Weisen im Talmud, war Joseph schon im Begriff den Lockungen seiner schönen Herrin nachzugcben; da im letzten Augenblicke, erschien ihm die Gestalt seines ehrwürdigen alten Vaters, und Joseph ließ sein Gewand in der Hand der Verführerin und entfloh. War schon der Gedanke an den Vater im Stande, von der Sünde zu retten, um wie viel mehr gereicht das Bewußtsein von der Allgegcnwart Gottes zur Rettung von der Sünde, zum Siege im Kampfe! Aber nicht nur im Augenblicke der Gefahr, sondern immer, immer

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