Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 37 (11.5.1885)
- Date
- 1885-05-11
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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618 wclt und das allgemeine Nechtsbewußtsein ernstlich gefährdet werden. Diese Thatsachen, die keinem Eommentars bedürfen, wurden dem Kultusminister unterbreitet und zugleich angefragt, ob ein solches Verfahren eines preußischen Beamten würdig sei: hierauf wurde die Untersuchung cingeleiter, welche nunmehr von der „Norddeutschen Allgem. Ztg." dcmentirt wird. Es ist uns herzlich gleichgiltig, ob Dr. Ecker gcmaßrcgelt wird oder nicht: denn einmal ist der Herr viel zu unbedeutend, als daß seine „Schrift"' oder „Abschrift", wie die Hetzansprache an die christlichen grauen, die er derselben vorausschickt und die einen wahrhaft fanatischen Judenhaß athmet, irgendwie Schaden anrichten könnte, darin dürfte dem Herrn zn weiteren Musterproben die Lust vergehen. Wir wollten nur dem officiösen Dementi die Wahrheit der Thatsachen gegenüberstellen und der „Germania" zeigen, daß die Nachricht doch nicht „ans der Luft gegriffen" ist und der „Staatsbürger-Zeitung" beweisen, daß sic wieder einmal verleumdet, wenn sie unsere Notiz eine „Jüdische Tendenzlüge" nennt. Hamburg, ao. April. Heym. Mathias-Stistung. Das am 2. Jyebr. c. erfolgte Hinscheiden des Herrn Heym. Mathias hat Veranlassung gegeben, daß eine Anzahl Freunde und Verehrer 'zusammengetreten ist, um das Andenken an das hingehende selbstlose Streben des edlen Mannes für gemeinnützige und wohlthätige Zwecke eine Stiftung zu gründen, welche seinen Namen trägt mib in seinem Sinne wirkt, dabei kam man zn dem Entschluß, daß matt wohl nicht besser im Geiste dieses Freundes der Jugend wirken könne, als durch die Förderung des Unterrichts von Kindern weniger bemittelter Eltern und gleichzeitig desjenigen Instituts, dem der Verstorbene ai Jahre hindurch ununterbrochen seine rege Thätigkcit und Fürsorge angedechen ließ. Demgemäß ist der Zweck dieser Stiftung dahin gerichtet, Freistellen an der hies. Talnmd-Thora-Schule zu erdichten — und zwar sind diejenigen Knaben in erster Linie dabei zn berücksichtigen, welche keinen Anspruch ans freien Schulunterricht haben —, sodann diejenigen Eltern, denen die Entrichtung des Schulgeldes eine schwere ist, diese zn erleichtern. O e st e r r. - U n g a r. M 0 n a r ch i e. lieber einen Brand in der Bezirksstadt Bohorodczany in Ostgalizien wird von dort geschrieben: Schon am Sonntag, 2«. April, Vormittags, brannten hier drei Häuser nieder, und dieferBrand bildete gleichsam die Einleitung zn der Katastrophe, welche am 28. April über diese Stadt hereinbrach, an welchem Tage hier ein Jahrmarkt abgehalten wurde. An diesem Tage bramitcn um 2 Uhr Nachmittags auf dein Viehmarktplatzc zwei Häuser ab, und gegen 7 Uhr Abends kam in der inneren Stadt ein zweites Feuer zum Ansbruche, das eine solche Ausdehnung gewann, daß um 11 Uhr Nachts 4 jüdische Synagogen und 105 Häuser in lichter Lohe standen, deren Besitzer heute auf den Trümmern ihrer Habe stehen und mit ihren Familien ohne Obdach sind. Die meisten Abgebrannten sind arme Juden. Fast alle Häuser bestanden aus Holz und. brannten bis in den Boden hinein, so daß es schien, als brenne selbst die Erde. Schwei z. Bern, 2^. April. Die Folgen der Berurtheiluug der angcklagt gewesenen Metzger und Schächter in Langenthal machen sich in nicht erfreulicher Weise geltend, indem bei der Sonntag den 26. dies, stattgehabten Delegirtcn - Versammlung der Bernischen Thicrschntzvcrcinc folgender Beschluß gefaßt wurde: „Da die bernischen Gerichte das Schächten als Thicrgnälerei betrachten und demgemäß auch Bcrurtheilungen stattgesunden habe n, sollen bei den gesetzgebenden Behörden Schritte gcthan werden, um dasselbe zn verbieten." Es steht soniit in nächster Zeit die „Schächtfragc" wieder auf der Tagesordnung und kann die unlängst erschienene Broschüre über das Schächten, von Herrn Dr. Ehr mann, unter Umständen sehr gute Dienste leisten. H 0 l l a n d. Amsterdam. Vor Kurzem starb im Alter von 72 Jahren der ehrwürdige Dajan der portugiesischen Gemeinde, Rabbi Aaron Baz Dias. In ihm hat die Gemeinde nicht allein einen großen Talmudisten verloren, sondern auch einen wahren Förderer echter Wohlthätigkeit. Das Studium in der h. Thora war seine Hauptbeschäftigung, und zahlreiche Spüler beklagen seinen Hingang. Wie sehr er in seiner Gemeinde beliebt war, erhellt daraus, daß, als er schwer erkrankt war, die Gemeinde einen Fasttag veranstaltet hatte. Seinem Leichenbegängnisse wohnte eine imposante Menge von Personen beiderlei Geschlechts und der verschiedenen Glaubensbekenntuiffe an. Zwölf Waisenkinder gingen dem Zuge voran. Verschiedene Redner gaben der Trauer um den großen Verlust Ausdruck. n"n"2"i"n.