Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 36 (7.5.1885)
- Date
- 1885-05-07
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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606 Construction, Kreislehre und Proportionen; in der Geographie: Europa und Asien, und endlich im Arabischen. . Die Tagesordnung ist so cingetheilt, daß auch die uöthige Körperbewegung zu ihrem Rechte kommt. Wenn diesem Institute auch Ansehnliche Gaben znflicßen, so wäre doch noch eine regere Betbciligung zu wünschen, da dort noch Vieles zu leisten ist. Namentlich ist es ein Herzenswunsch der Verwaltung, den Tagesschülern die Kost in der Anstalt verabreichen zu können, einmal um auch auf solche Weise den: furchtbaren Elende und der physischen Noth, die dort herrscht, cntgegenzuarbektcn, dann aber auch, um den Kindern den weiten Weg in der Glühhitze des Mittags nach ihren: Heim zu ersparen. Da für diesen Zweck jedoch Geld aus Vercinsmitteln statutengemäß nicht hergcgeben werden darf, so wird diese Angelegenheit ganz besonders dem Wohlthätigkeitssinn unserer Mitbrüder empfohlen. Wenn man erwägt, wie sehr die dortigen Missionäre nach den Seelen der Armen dort angeln, wie Viele durch Noth der Mission in die Arme getrieben werden, so wird man erkennen, daß die Errichtung jener Anstalt eine rettende That war und daß jeder Beisteuernde (der Beitrag beträgt 6 M. per Jahr) in Wahrheit ein gutes Werk fordert. Mögen diese Zeilen recht Viele veranlassen, ihren Beitritt diesem Vereine anzumelden. Oesterr.-Ungar. Monarchie. - Prag, 1. Mai. Herr S. Lektmcrktz, 1803 geboren und daselbst zuständig, erhielt im Jahr 1843 in Anerkennung seiner vorzüglichen militärischen Dienste, die er dem Vaterlande in der Dauer von zwanzig Jahren geleistet, die Bcfugniß sich eine Tabakstrafik einzurichten, wobei ihm die hiefür bestimmte Steuertaxe gänzlich erlassen wurde. Der wiederholten Aufforderung Seitens der Finanzdircction, er solle den Laden auch an Sabbattagcn offen halten, konnte Herr Leitmeritz als treuer Anhänger der jüdischen Religion nicht Folge leisten und suchte trotz der großen Schwierigkeiten, denen er begegnete, sich die Erlanbniß zu erwirken, die Trafik an den Sonnabenden sperren zu dürfen, was ihm auch, wenn auch nur provisorisch, so -och jedesmal gestattet wurde. Letzterer Tage sollte der nunmehr altgewordene bei der polnischen Revolution einst tapfer kämpfende Krieger, über strenger Ordre der Finanzdircction gezwungen werden den Sabbat, den er selbst als Soldat möglichst heilig gehalten, zu entweihen, und wurde er daher bei der Regierung bittstellig. Diese in Würdigung der angeführten Gründe seines Gesuches erledigte dasselbe in höchst liberaler Weise, wie eS unserem erleuchteten Finanz- und Kultusminister geziemt. Herr Leitmeritz hat sich auch im Jahre 1845 gelegentlich der großen Prager Ueberschwemmung rühmlkchft ausgezeichnet. Ein Kupferstich veranschaulicht jene gräßliche Scene, wobei der beherzte und muthige Mann das dritte Stockwerk mittelst Strickleiter erklimmt und Männer, Frauen und Kinder vor dem sicheren Tode rettet. Im Jahre 1862 hat er sich durchseinen regen Antheil an der Regulierung der hiesigen Arinen- Waisen-Unterstützung große Verdienste erworben. R. Weißlovits. Krakau, 4. Mai. Ans dem Vorleben des berüchtigten Apostaten Briemann-Justus kann ich Ihnen einige interessante Daten mittheilen, die den Eharacter desselben, oder vielmehr seine Characterlosigkeit in das richtige Licht stellen. Vor etwa 6 Jahren hielt sich der Genannte hier längere Zeit auf und wohnte in einem jüdischen Gasthofe, mit dessen Besitzer er noch einige Zeit nach seiner Abreise in Briefwechsel stand. In seinen Briefen Unterzeichnete er sich stets als wotid ur\ jNn p"pi „Vorsteher der Hochschule der heiligen Gemeinde zu Haag." Eines Tages erhielt der Gastwirts) ein sonderbares Schreiben. In demselben lag ein mit Adresse und Siegel versehener Brief, den in Krakau zur Post zu geben, Herr Briemann den Gastwirth ersuchte. Zugleich theilte er mit, daß er kn: Begriffe stehe, sich mit einer vornehmen Dame im Haag ehelich zu verbinden, und daß er dann die Mittel besitzen würde, dem Wirthe die schuldig gebliebene Rechnung zu begleichen; auch berichtete er, daß er im Haag einen reichen Mann kennen gelernt, den er veranlassen wolle, die Tochter des Krakauer Gastwirths zu heirathen. — Alle diese Dinge erregten den Verdacht des Gastwirths, so daß er sich entschloß, den Brief, den er in Krakau auf die Post legen sollte, zu öffnen, um nicht etwa als Werkzeug bei irgend einer Schwindelei unßbraucht zu werden. Ter Verdacht des Wirthes wurde durch den Inhalt des Briefes vollständig gerechtfertigt. Das in hebräischer Sprache abgefaßte Schreiben lautete ungefähr folgendermaßen : „An das Rabbinat in Haag. Vor dem Unterzeichneten Rabbinate erschien Aron Israel Briemann in der Absicht, seiner Frau wegen deren Untreue und sonstigen schlechten Betragens den Scheidebrief zu überreichen. Nachdem wir die Anklagen geprüft und als erwiesen befunden, haben wir die Scheidung vollzogen, welches wir durch unsere Unterschriften bestätigen."