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Der Israelit · 1885-05-07 · Heft 36 (7.5.1885) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 36 (7.5.1885)
Date
1885-05-07
Page
– (sequence 11)
Language
German
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607 Unterzeichnet waren drei singirte Namen. Es ist selbstverständlich, daß der Wirth den Brief nicht zur Post gab, und so mißglückte der von Herrn Briemann beabsichtigte Betrug. Wir hatten in Ärakau dieses Vorkommniß längst vergessen, bis Herr Briemann unter dem Namen Dr. Justus als Vcrlänmdcr des Jndcnthums von sich reden machte, und bis bei seiner jüngst stattgehabten Verhaftung seine wirklichen Vor- und Zunamen bekannt wurden. A. I. Jnfeld. England. London. Tie hohe Pforte, welche von ihrem Gesandten in London, Musnras Papha benachrichtigt wurde, daß Herr Rabbiner Dr. H. Adler dahier das heilige Land besuchen werde, hat den Gouverneur von Jerusalem, Raouf Pascha beordert, Dr. Adler jedmögliche Aufmerksamkeit und Ehre, wie sie seine ausgezeichnete Stellung erfordert, zu Thcil werden zu lassen. Herr Dr. Adler ist bereits in der h. Stadt angelangt und wird sich daselbst zehn Tage aufhaltcn und daun nach Damaskus weiter reisen. London. Die Wurde eines Aldcrman in der City von London wurde dem Oberst-Lieutenant Phincas Eowan zum zweitenmal übertragen. P a l ä st i n a. Jerusalem, 18. April. Es wäre ein verfehltes Unternehmen, den überschwänglichen Jubel beschreiben zu wollen, der seit einigen Tagen in unserer Stadt herrscht. Als Europäer werden Sic cs auch gar nicht begreifen, wie ein ausgiebiger Regen eine Stadt aus der tiefsten Niedergeschlagenheit in schrankenlose Freude zu versetzen im Stande ist. Ich bitte aber zu bedeuten, daß, wenn bei uns der Regen ausbleibt, wir nicht nur einer Hungernoth ausgesetzt sind, sondern auch den noch viel schrecklicheren Qualen des Durstes — und der Regen war diescsmal garlange ausgcblicben. Die Eisternen in der Stadt waren längst ausgetrocknet und auch außerhalb Jerusalems gab cs nur wenige Brunnen, die noch Wasser enthielten. Es war herzzerreißend zu sehen, wie die Händler, welche von der großen Ajub-Cisterne Wasser in die Stadt lieferten, die Aermcren, welche nicht hohe Preise bezahlen konnten, mit leeren Krügen nach Hause schickten. — Wasser war der kostbarste Artikel geworden, und wahrlich der Broderwerb verursachte den Armen nicht so viel Sorge als der Wasser-Erwerb. Herzlose Wucherer kauften den noch vorhandenen Inhalt einiger Eisternen anßerhalb der Stadt zusammen und verkauften ihn für thenres Geld, die Armen gaben Kleider und sonstige Werthgegenstände für Wasser hin. Dazu kam die glühende. Alles versengende Sonnenhitze, wie man sich einer solchen aus dieser Zeit gar nicht erinnern konnte. Niedergedrückt, lechzend vor Durst, das Herz voll Sorge und Befürchtungen, wandelten wir wie Schatten einher. Es war eine schreckliche unbeschreibliche Pein, die jüdischen Gemeinden veranstalteten wiederholt Bußtage, wir fasteten und beteten. Christen und Mohamedancr hielten ebenfalls öffentliche Prozessionen ab, der Regen aber wollte nicht kommen und mit Entsetzen und Verzweiflung dachten wir an die Hungersnoth, die unbedingt eingetrcten wäre, wenn sich Gott unserer nicht erbarmt hätte. Vor 14 Tagen erschienen dichte schwarze Wolken am Firmament. Unter mächtgem Donner und Blitz, die unser Herz erbeben machten, öffnete der Himmel seine Schleusen, die fast ein halbes Jahr verschlossen waren, und ein erquickender und beglückender Regen ergoß sich über unsere Stadt, der alle Eisternen füllte, die Saaten zu neuem Leben brachte und überall Freude und Hoffnung erweckte. — Der Regen dauerte volle 10 Tage ununterbrochen fort, es sind förmliche Teiche entstanden und jeder fühlende Mensch — die Wucherer freilich ausgenommen, — blickte dankerfüllten Herzens zum Allgütigen hinauf, denn nunmehr sind wir vor der Qual des Durstes geschützt und die ueubelcbtcn Saaten berechtigen uns auch bezüglich der Ernte zu den schönsten Hoffnungen. Seit der Regen aufgchört, wandert Jung und Alt aus der Stadt zu der großen Ajnb-Cisterue, die lucit außerhalb der Stadt liegt, und die gegenwärtig besonders einem Hicrgeborne» einen seltsamen und höchst merkwürdigen Anblick bietet. Diese Cistcrne, welche die Araber „Bir Ajnb" (Quelle Joab's) nennen und welche nach der Ueberlieferuug von dem tapferen Feldherr» „Joab den Zernjah" angelegt worden sein soll, nährt sich nämlich auch von einer unterirdischen Quelle, welche nach einen! ausgiebigen Regen ebenfalls anschwillt. Nach zwei Tagen Regen» Wetter, übcrslicßt die riesige Cisterne und es entsteht ein Vach, der über Felsen und Thäler bis zum tobten Meer sich hinzieht. Dies dauert so mehrere Wochen an und das ist ein seltener Anhlick — ein wirklich fließender Bach! — ebenso daß an dessen Ufern bis auf eine weite Strecke hin vom frühen Morgen bis zum späten Abend, Mohamedancr, Christen und Juden, besonders aber Kinder sich freudig herumtummetn, Lieder singend und an dem schönen Anblick sich ergötzend. (Pesth. j. Zeit.)

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