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Der Israelit · 1885-05-07 · Heft 36 (7.5.1885) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 36 (7.5.1885)
Date
1885-05-07
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXVI. Jahrgang. ‘ Snlllgr ju Jlr. Z6 des Israelit. Zeitungsnachrichten und Correspondeuzen. Deutschland. Mainz, 4. Mai. Von dem Geiste der wahrhaften Humanität und echten Toleranz, welcher die Bürger unserer Stadt beseelt, zeugen zahlreiche Vermächtnisse, welche von Juden und Nichtjudcn zu wohlthätigen Zwecken für Arme, ohne Unterschied des Glaubens, gestiftet wurden und werden. So hat auch der unlängst verstorbene Rentner, Herr Sebastian Eppelsheimer, nicht allein die hiesigen christlichen Stiftungen reichlich mit Legaten bedacht, er hat auch den drei hiesigen israelitischen Vereinen für Krankenpflege eine Summe von 2000 Mark testirt, welche heute durch Herrn Notar B a rth e l zur Auszahlung gelangte. Berlin, 5. Mai. In Sachen der Massenan sw eisungen russischer Untcrthanen polnischer Nationalität aus den Provinzen Posen und Westpreußen hatten am 1. d. M. das Herrenhausmitglied L. v. Slaski und Abgeordneter Jgn. v. Lyskowsky eine Audienz bei dem Minister des Innern v on Puttkam er. Auf ihre Vorstellungen erwiderte ihnen der Minister, daß er nichts dagegen habe, wenn denjenigen Auswanderern, welche ein Besitzthum erworben oder Kontrakte abgeschlossen haben n. s. w., Zeit gelassen werde, ihre Verhältnisse zu regeln; solche Ausländer sollten sich mit Eingaben an die entsprechenden Behörden, namentlich an die Landräthe wenden. Die Verfügung aufheben könne er nicht, da dieselbe auf einem Beschlüsse des Staatsministeriums beruhe. — Inzwischen haben die polnischen Abgeordneten im Abgeordnetenhause eine Interpellation wegen der Ausweisungen aus den Provinzen Posen und Weftpreußen eingcbracht. — Wir können unseren bedrängten Glaubensgenossen in diesen Provinzen, vornehmlich den Eantorcn, welche Eontrakte abgeschlossen haben, nur empfehlen, vorläufig von dem obigen Rathe des Ministers des Innern Gebrauch zu machen. Berlin, 5. Mai. Im hies. Alhambratheater, einer Schaubühne zehnten Ranges, sollte am vergangenen Sonnabend das Gaßmann'sche Sensationsschauspiel „Die Juden von Worms" gegeben werden, doch wurde die Aufführung als „wegen der gegenwärtigen Zeitverhältnisse nicht geeignet," vom Polizeipräsidium verboten. Posen. Die Posencr Zeitung vom vorigen Mittwoch bringt folgende Notiz: Herr Dr. Papilsky, Inhaber der Fleischextractfabrtk Hierselbst, der einzigen, welche überhaupt in Europa cxistirt, hatte dem Reichskanzler Fürsten Bismarck zu dessen 70jährigen Geburtstag eine Sendung Fleischextract übermittelt. Es ist hierauf folgendes Dankschreiben vom Reichskanzler an Herrn Dr. Papilsky übersandt worden: „Berlin, 20. April 1885. Die mir zu meinem Geburtstage übersandte Festgabe hat mich sehr erfreut, und bitte ich Sie, für diesen Beweis Ihres Wohlwollens meinen verbindlichsten Dank entgegen zu nehmen. v. Bismarck." 8. Frankfurt a. M. Soeben ist der „B er i cht d e s V e r e i n s zu r Er zieh u n g jü d is ch er Waisen in Palästina für das Jahr *884", der seinen Hauptsitz hier hat, erschienen. Dem Berichte des Vorstandes und Vcrwaltungsrathes entnehmen wir, daß dem Verein durch Kaiserliche Kabinctsordre vom 4. Oktober v. I. die Rechte einer juridischen Person verliehen worden. An Stelle des um diese Wohlthätigkeitsanstalt höchst verdienten Herrn H. A. Franklin, der nach 25jährigcm Verweilen in hiesiger Stadt in seine alte Heimath, nach London, übergesiedelt ist, wurde Herr Charles L. Hallgarten in den Vcrwaltungsrath gewählt; der Verein hat in diesem Herrn eine ebenso opfcrsähige wie auch opferwillige Kraft gefunden. Vierzehn Waisenknaben erfreuen sich jetzt der Erziehung und Bildung in diesem Institute, und 10 Tagesschüler nehmen am Unterricht Thcit. Diejenigen Zöglinge, die sich einem Handwerke widmen wollen, erhalten den diesbezüglichen Unterricht in der Abthcilung für die Ausbildung von Handwerkern, welche einen Theil der von Herrn Rissim Bcchar geleitete Schule bildet. Höchst interessant ist der Bericht des Leiters des Waiseninstituts, des Herrn Dr. L. Herzberg. Die Knaben wurden im vergangenen Jahre in dreiKlassen unterrichtet, und zwar im Hebräischen: rutpo j>"er im Deutschen bis zur Anfertigung von Aufsätzen; im Rechnen: 4 Spezies, Bruch- und Gesellschaftsrechnung und Regel de tri; in Geometrie:

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