Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1885-05-07 · Heft 36 (7.5.1885) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 36 (7.5.1885)
Date
1885-05-07
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/2446951-2449503-2449538--22132-2511792
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

601 nommen. daß Kehrend» sehr erlchrak, als erzählt wurde: die Aerzte hätten gejagt, den Vkord könne nur ein Arzt oder ein Fleischer begangen haben. Bei Ltenzcl habe man sich linkerhalten, wo wohl die Oberschenkel geblieben sein könne. Dabei wurde gesagt: Die Oberschenkel brauchen die Juden, um ihre Sünden abzubüßen. — Krall Gutsbesitzer Kegel: Als ich den Behrendt einige Tage nach dem Morde getraut. ob er das »nir gekaufte Rind koscher schlachten lassen werde, fuhr derselbe in solcher Wuth auf. daß ich erschrak und ries laut: „Nein, ich lasse niemals mehr koscher schlachten, ich will mit Inden nichts mehr;u thu» haben.- — Brennereibesitzer Bennerwitz: Behrendt kaufte bei mir einige Zeit nach dem Morde ein Schwein. Als Dehrendr sagte: Das Schwein wird sich gut schlachten lassen, sagte ich ihm: „Schlachten Sie nur imnler Schweine, aber nicht Menschen.- Ich wußte, daß Behrendt damals bereits unter dem Verdacht des Mordes staltd. Behrendt erschrak und wurde leichenblaß, ohne irgend etwas zu antworten. — Oelgasbrenner Wohlgemuch, welcher bekundet hat: ein nicht zu ermittelnder Arbeiter Namens Salewski habe ihm erzählt: er (Salewski) babe am fraglichen Morgen den Behrendt mit einem Sack auf dem Rucken getroffen. aus dem ein Menschenkopf hervorgcfchaut, bemerkt heute: Es sei möglich daß er eine derartige Aussage gemacht, er leide jedoch au Gcdächtnißschwäche und wisse sich heute am nichts mehr zu erinnern. — Der Präsident konuatirt, daß der Zeuge slüher die vorgefuhrte Deknndnng vollständig in Abrede gestellt habe, wahrend er beute die Möglichkeit zugcbe, die Bekundung gethan zu haben. — Frau Iacoby (Skurcz): Vohlgemuth bat mir zur Zeit seine hier erwähnten Bekundn» gen erzählt. Im weiteren erzählt Frau Jacob»: Ganz besonders nach dem Morde ist in Sknrcz gegen die Juden eine große Erregung gewesen. Eine Frau v. Grabowska sagte eines Tages zu mir : Frau Iakobn, was würden Sic wohl zum Besten geben, weun die Sache klar wäre? Ich antwortete: ich weiß, daß Sie gerne Ebocolade trinken, Frau v. Grabowskaz wenn die Sache herauSkommt, dann gebe ich eine Tasse Ehocoladc zum Beste». Als nun Behrendt verkästet wurde, da sagte Frau v. Grabowska: Frau Iacoby, nun müssen Sie die Ehokölade geben. Ich antwortete: Es muß dem Behrendt doch erst bewiesen werden. — Präs.: Also so vorsichtig sind Sie doch gewesen. (Heiterkeit.) — Böttchermeistcr Fahle: Dem Behrendt wurde es bekannt, daß ich ihn des Mordes bezichtigt hatte. Behrendt kam deshalb aufgeregt zu mir und sagte: Wenn ich es gewesen bin. dann bin ich cs gewesen, erst werde ich aber Sie und dann mich lvdtftechen. - Fleischermeister Soletzli, der diese Acußernng des Behrendt niitatlgehört haben soll, weiß sich auf einen solchen Vorgang nicht zu erinnern. — Auf Befragen des Staatsanwalt bekundet (sriminal-lsommissar Höst: Das Motiv, das den Behrendt bei der ihr» zu, Last gelegten Ihat veranlaßt haben könnte, habe ich nicht feststellen können. Ich babe blos zu konsiatiren vermocht, daß Behrendt einer der größten Indenfcindc gewesen, daß er antisemitische Schriften verbreitete »nd geäußert hat: Wenn die Juden nicht von selbst von Sknrcz sortgeben, dann werde er alle jüdischen Wohnungen in Sture; micthcn, damit die Inden daselbst kein Unterkommen mehr haben. — Präs.: Das dürfte doch aber kaum möglich sein. — Höst: Es wohnten in Sknrcz im Ganzen 7 jüdische Famitien. -- Angekl.: Das kann ich schon deshalb »licht gesagt habe», da die meisten Juden in Skurcz eigene Häuser haben. — Amtsvorsteher Ernst: <*r könne nicht behaupten, daß Behrendt in hervorragender Weise Judenfeind gewesen sei. Ob antisemitische Schriften vor oder nach dem Morde in Skurcz verbreitet worden seien, wisse er nicht. — Staatsanwalt: Ist es »vahr, daß dir Kirchenbehörde von Sknrcz zu jener Zeit öffentlich aüfgefordert hat. dahin zu wirken, daß christliche Dienstmädchen nicht mehr bei Juden dienen sollten? — Zeuge: Jawohl. — Gasthofbesitzer Stenzel: Er habe niemals bemerkt. daß der Angeklagte hohe Stiesel getragen habe. Der Angeklagte sei am Abende vor den, Morde wohl etwas angetrunken, aber keineswegs sinnlos betrunken gewesem Danach ist die Beweisaufnahme beendet. - Der Staats anwalt beantragt: den Mankolvsti und Zilinski nicht zu vereidigen, der Vertheidiger hat gegen diesen Antrag nichts zu erinnern ».nd beanstande» seinerseits die Bertheidignng der g« iammten Familie Iosephson. — Der Gerichtshof beschließt nach längerer Bcrathnng: sännntliche Zeugen, mit Ausnah»ne der Gattin des Angeklagten, zu vereidigen. Der Präsident ermahnt ganz besonders noch einmal den Hermann Iosephsohn. Sie wissen, so bemcrkt er ihm, in welch' schrecklicher Weise der Ey bulla ermordet worden ist. Sie haben lange Zeit unter dem Verdacht des Mordes gestanden, sind Sic vielleicht der Mörder, oder wissen Sie etwas von dein Morde? Wenn Sie jetzt noch einen Meineid leisteten, dann würde» Sie rin zweites schweres Verbrechen begehen? — Herrn,ann Iosephsohn: Ich bin unschuldig. — Während dieser Worte des Präsidenten breche»» die übrigen Familien-Mitgliedcr Iosephsohn in lautes Weinen aus. — Nachdem alle Zeugen vereidigt, beantragt der Staatsanwalt, wegen Verdacht des Meineids die Zeugen Mankowski und Zilinski zu verhaften. Weitere Schritte gegen noch andere Zeugen behalte er (Staatsanwalt) sich vor. Der Staatsanwalt motivirl seine Anträge dabiu: Mankowsli habe bereits eine entgegengesetzte Aussage als die hier beeidigte, beschloorcn mtb Zilinski habe, im Gegensatz zu der Bekundung des Kriminalkommissar Höst beschworen: Letzterer habe ihn unter Geldvcr sprechnngen veranlassen wollen, für die Juden und gegen Behrendt Zeugniß abzulegen. Der Gerichtshof bcschließt: In Erwägung, daß die Zeugen Mankowski und Zilinski, in Be rücksichkignng ihres geringen Bildungsgrades sich des wissentlichen Meineides nicht schrildig grinacht haben, den Antrag auf Verhaftung derselben abzulehnen. (Schluß folgt.) Zeitungsuachzichterr und Corresponderrzeu. Rußland. Die flehte Stadt Ataki, Gouv. Mohilew, ist bis auf den Oinuib niedcrgebrannt. Dieselbe ist meistens von Juden bewohnt. Das Feuer verzehrte 40,000 Pud Getreide, welches ausschließlich Eigenthum von Juden war. Petersburg. Der Redactenr des „Hamelitz," Herr Zederbaum, wird in der Folge unter dem Titel ein illustrirtcs Monatsmagazin in hebräischer Sprache herausgeben. Dieses Nnteruchmen wird das erste dieser Art in der hebräischen periodischen Literatur sein. Feuilleton. Gerettet. Eine Erzählung von Friedrich Rot». Zwölftes.Kapitel. Der Tag verstrich, ohne daß es dem Vater gelullgen wäre, das Äind umznstimmen. Weinend ward'cs schließlich zu Bette gebracht, weinend schlief es endlich ein und noch im Schlafe hörte man es häufig schluchzen. Herr von6 jüngstem litt ernst-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.