Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 36 (7.5.1885)
- Date
- 1885-05-07
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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600 wesen und gejagt Kat: ich jolle nur zu Hause bleiben. er wolle in den nächsten Tagen ein Rind „koscher" schlachten lassen. Am Morgen des 22. Januar ist Behrendt in meiner Abwesenheit wiederum bei mir gewesen und hat auch zu sich bestellt, bei ihm ein Rind zu schlachten, er hat das Rind schließlich nicht bei mir schlachte» lassen. — Sanitäts-Rath Tr. Meiner lPr. Stargardr) giebl noch einmal eine genaue Tchitdenrng von der Art, wie der l^rrnordete zugcrichtet gewesen. — Tepartements- 'hicrarzt Dr. Hertel t Danzig): Wenn der Angeklagte schon seit 16 Iadren in der Fleischerei lhatig und seit 10 Jahren sctüftständig ist. dann kann er sehr wohl die geschilderte Operation ausgeführt haben. - Flkischcrmeister Annacker iDanzig»: Möglich ist wohl, daß ein Fleischer die geschilderte Operation ansgeiubrt hat, aber das kann ein Zufall sein; im Allgemeinen kann rin Fleischer eine solche Geschicklichkeit nicht envvÄeln. — Aus Befragen des Präsidenten bemerkt Sanitatsrath Tr. Merner: Tie Operation konnte nicht in der Dunkelheit aasgeführt werden. Departements-Thicrarzt Tr. Hertel hält es für nwglich, die Operation auch im Dunkeln auszufnhren. — Hrnnann ^Ephsohn: Er habe vor etwa 15 Jahren, also bis zu flauem 14. Lebellsjahre bei seinem Großvater, der Fleischer gewesen, in der Fleischerei geholfen, seit dieser Zeit sei er niemals in irgend einer Weise als Fleischer tbätig gewesen. — Thievarzt Tr. Hertel: Die Möglichkeit, daß dieser Zeuge die Operation vollsührt haben kann, erachte ich auch nicht für cmsgeschlosieu. — Bauersmann Zilinski: Ich feune den Behrendt feit etwa 6 Jahren, so viel ich weiß, habe ich denselben höchstens rin einziges Mal gesprochen. Die Familie Mankowski kenne ich wohl, ich komme mit derselben aber gar nicht zusammen. Ich habe den Mankowski nicht beeinflussen wollen. Ich habe daS erste Mal mit Johann Mankowski aus den, AnuSgerühi zu Kulmfee gesprochen, aber nur zu ihm gesagt: wenn Tu meinst. Tn hast Iojephsohn getrosten, dann mußt Dn es sagen. Mumenheim st'l einmal bei mir gewesen und hat mich anshorchen wollen, da wollte ich sehen, ob ich aus v>:m Juden etwas hcrausbclomme. Es ist unwahr, daß ich gesagt: ich könne bcivirken, daß Hermann Iosepbsoh» schon nrorgcn aus der Haft entlasten werde, oder im Gesängmß vcrstUtlkn niussc. Ich habe allerdings dem Kriminal- Komnnssar Höst gesagt: Mankowski hat gelogen, weil ick nicht wußte, daß dieser Polizei Eommisiar ist. Letzterer sordenc mich auf, uiit ihm nach Kulmsee;u fahren, er werde mir die Reise bezahle». Ich sagte zu dein Eommifsar: Sic wollen doch nicht, daß ich ein falsches Zeugnis; abgebe. l Mark gab mir Höst und 2 Mark gaben mir die Juden zur Reise. Unterwegs sagte mir Höft: „Sagen Sie nicht fortwährend ans die Inden, di sind cs nicht gewesen, sondern tagen Sic am Behrendt." — <iriramal Eommistar Höst (in großer Erregung): Ich versichere ans meinen geleisteten Eid, daß die legieren Angaben des' Zeugen vollständig erdichtet sind. Ich habe zunächst dem Zeugen gesagt: Ich bin der Erimirial-Eommistar Höst aus Berlin und bi« von dem Herrn Minister nach Skurc; geschickt worden, um den Mörder herausznbckommen: zweitens ist die Reise des Zilinski nach Knlmsec selbstverständlich ans Staatsmitteln bezahlt worden und drittens habe ich mit dem Zeugen aus der Reise nach Kulm see über die vorliegende Sache überhaupt nickt gesprochen. — Präsident: Ich bin von der Richtigkeit dieser Ihrer Bekundung überzeugt; es steht im klebrigen aktenmäßig fest, daß die erwähnte Reise nach Kulmsrr ans Ctaatsmittetn bezahlt wurde. Zilinski, Ihre Angaben erscheinen »vemg glaublich, es ist nicht anzunehmru, daß ein Beamter so pflichtvergessen handeln wird? — Zeuge: Ich bleibe Lei «reiner Behauptung. - - Im Weiteren erzählt der Zcrrgc: Mankowski habe einmal seiner (des Zeugen) Frau gesagt: ifr sei an jenem Morgen dem Hermann Iosephsohn begegnet. Außerdem habe einmal seiner Arau geträumt: der ermordete Eybulla sei weiß gekleidet;u ihr zekEnen «ad gejagt: Herrmaun Iosephsohu hat auch im Sacke §E&a$at. — Frau Zilinski bestätigt die letzten Deposit«. — Amtsrichter Petcrjen (Kulmiee): Mankowski hat anfänglich mit Bestimvnheit den Behrendt, als er nach einer Pause wieder vernommen wurde, aber den Hermann Iosephsohu als Träger des Sackes bezeichnet. Ich habe allerdings gesehen, daß Mankowski während der Pause mit Zilinski gesprochen, möglich, daß dieser ihn beeinflußt hat. Im Allgemeine» war Mankowski sehr unsicher bei seiner Zengnißabgabe. — Gerichts-Sekretär Kunst bestätigt die Deposua der Borzeugen. — Gendarmen Mrlstncr und Träger, die gleich nach Bekanntwerden des Mordes bei Boß Haussuchung hielten, bckttiidc»: Es sei iit Sknrc; allgemein behauptet worden, die Juden haben deir Mord begangen. Behrendt habe sich sehr hervorragend bei der Haussuchung berbeiligt und mehrfach die Aeußrrungen gethan: Die Juden müssen den Mord begangen haben. Meißner bekundet auf Befragen des Präsidenten: Er habe wohl gehört, wie Jemand bei der bei Boß vorgenommenen Haussuchung gerufen: „Das ist Menschenblut, das muß ich als Fleischer wissen," ob dieser Rufer aber Behrendt gewesen, wisse er nicht. — Träger hat einen solchen Ruf überhaupt nicht gehört. — Schankwirth Schoblewski, bei dem Behrendt «m Nachmittage vor dem Morde in Gemeinschaft mit Ezarnicki das viele Bier getrunken haben will, bekundet: Die Beiden haben etwa 1V Liter Braunbicr mit Rum vermischt, bei ihm getrunken, es könne aber weniger oder mehr gewesen sein. Behrendt fei, als er von ihm weggcgangen, wohl etwas angetrunken, aber keineswegs betrunken gewesen. Behrendt habe an jenem Tage lange Stiesel getragen. — Hier wird eine kurze Pause gemacht. Rach Wiederaufnahme der Verhandlungen bekundet zunächst Handlungsgehiilfe Eohn. der zur Zeit bei Boß konditionirre: Behrendt habe sich ganz Hervorragend an der Haussuchung bei Boß belheiligt und mehrfach ausgerusen: „Ein solches Verbrechen können blos Juden gethan haben." — Gastwirth Thicsten und sein Eommis Ellblnm bekunden übereistimmend: Behrendt habe vielfach bei ihnen verkehrt und gleich nach dem Morde ein ausfallend stilles Wesen an den Tag gelegt. — Besitzer Hofsmann, von dem der Angeklagte zunächst behauptet, daß dieser mit ihm verfeindet sei, bekundet: Behrendt ist der Erste gewesen, der die Behauptung atlsstellte, nur dir Juden können den Mord volljnhrt haben. Gleich nach geschehener Obduktion der Leiche kamen wir bei dein Gastwirth Gappa zusammen. Da erzählte ich: mein Sohn habe mir heute, als er aus der Schule gekommen, rnitgetheilt. Tie Augen des Ermordeten werden photographirt werden und alsdann werde es gelingen. a»rS der Pubille die Person des Mörders festzustellen; in Berlin sei ein derartiger Apparat erfunden. Behrendt fuhr in Folge dieser Erzählung an allen Gliedern zitsammen und ries ans: Ack wo! Als er gefragt wurde: ob er sich ebcitfalls die Leiche angesehen habe, antwortet er: Nein, ich kann so etwas nicht sehen. — Als ihm bedeutet wurde: Sie als Fleischer müssen doch zuallererst so etwas sehen können, antwortete er: Nein, ich kann so etwas sehen, ich könnte nicht einmal meine Kinder als Leiche» sehen. — Lehrer Weichler: Da Hossmann mich aui Behrendt ausmerksam machte, so beobachtete ich denselben sehr genau. Er kam mir in seinem Wesen ganz aujsällig verändert war. Am rage, an dem die Leiche obduzirt wurde, saß ich in Gesellschaft mit Behrendt »nd uoch mehreren anderen Leuten in dem Stenzet' jchen Gasthos. Behrendt blickte unaufhörlich nnstät an die An4gangsthür und erschrak jedesmal, sobald die Thür geösinet wurde. Als ich ihn aufsorderte. sich mit mir gemeinschaftlich die Lcicke anzusrhen. antwortete er: Nein, so etwas kann ich nicht sehen. Ganz besonders erschrak auch Behrendt als gesagt wurde, die Aerzre hätten behauptet: der Mord sei ein derartiger, daß »mr ein Arzt oder ein Fleischer denselben begangen haben kann. — Amtsdiener Glitsch: Auch auf ihn habe es den Eindruck gemacht, als hätte Behrendt nach dem Morde ein ganz verändertes Wesen zur Schau getragen. A»»ch habe er wahrge-