Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 36 (7.5.1885)
- Date
- 1885-05-07
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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599 im pbotographiren imb bubmdi die Pnjon des Mörders er kennen könne. Behrendt sei in Folge dessen snrchtbar erschrocken, sei leichenblaß geworden und habe laut gestöhnt, einige Zeit daraus habe Behrendt in HzerwinSk rin Schwein gekauft und gesagt: Das Schwein wird sich hosscntlich gut schlachten. Daraus habe der betreffende Schwcinevcrkäuser gesagt: Behrendt, ich möchte Ihnen rächen, schlachten Sie nur immer Schweine, aber nicht Menschen. Behrendt sei in Folge dessen leichenblaß geworden. -Am Abende vor dem Morde soll Behrendt ein Rind gekauft, aber erst einige rage später abgchvlt haben. Ursprünglich habe Behrendt gesagt: Hr wolle das Rind „koscher" schlachten, als ibn jedoch die Frau des Gutsbesitzer Kegler, von dem er das Rind gekauft, bei der Abholung desselben fragte: Nun, werden Sie das Rind „koscher" schlachten, habe Behrendt in großer t^rregung geantwortet: Nein, ich schlachte nicht mehr koscher, ick will mir den Juden absolut nichts \n lhnn haben. Behrendt sei außerdem so sehr niedergeschlagen gewesen, daß Frau Kegler zu ihrem Manne gesagt: -Niemand anders als Behrendt in der Mörder. Ich ließ mir den Zilinski kommen: dieier sagte mir: Mankowsti habe gelogen. Ich fuhr alsdann nach Kulms» und ließ mir Mankowski kommen. Dieser sagte mir zunächst: tfr habe am fraglichen Morgen den Hermann Iosephsohn genossen. Als ich ihn hieraus fragte, ob er schon zur Ostcrbeichtc gewesen, ries er ans: C\ mein Gott, o, »nein («ott, ick habe gelogen' Ich fordene nun den Mankowsti au», doch die Wahrbeit zu sagen. MankowSki sagte: Ich habe nicht den Hermann Iosephsohn, sondern den Behrendt an jenem Morgen mit einem Sacke aus dem Rucken gesehen. Behrendt hatte einen grauen, kurzen Pelz an. In dem Sacke schien Behrendt ein Kalb;u tragen, am nincrn Hndc glaubte er einen Kopf gesehen zu haben. Als ich ihn nun fragte, weshalb er den Iosephsohn bezichtigt, da antwortete er mir: Zilinski habe ihm gesagt: er solle nur sagen, Hermann Iosephsohn ist eS gewesen, denn daS könn- »cn nur die Juden thun. Als er nach Sknrc; zum Termin geladen wurde, bade ihn Zilinski und Brhreitdt am Hingange des Dorfes erwartet: Zilinski habe ihm gesagt: Hr solle nur bekunden, daß er den Iosephsohn getroffen. Als er erwiderte, das kann ich doch nickt sagen, habe Zilinski ihm bedeutet: Sage n,ir stramm, daß Du Iosephsohn getroisen. Wenn Du so sagst, dann werden die Inden vertrieben und Dt. bekommst viel Heid. Hs wird schon sür Dick gesammelt: die reichen Herren haben alle gegeben, Schivar; und Kiepert sogar je zwanzig iUarf. Als er vom Termin kam, habe Zilinski und Behrendt ihn wieder enoanet imd ihn gefragt, wie er ausgcsagt. Hr habe geantwortet: er habe den Iosephsohn als den ihm Begegneten traklirt. Im Weiteren sagte mir Mankowski: Hiiien Tag nach dem Morde fei Behrendt bei feiner Mutter gewesen und habe ihn sprechen wollen. AIS die Bernehmuttg mit Mankowski beendet war, rief derselbe aus: Hott sei Dank, jetzt ist mein o'ciuiüen rein. — Präsident: Haben Sie dem Mankowski irgend lvie gedroht oder ihn angeschrieen? - Zeuge: Keineswegs, ich habe ihn, wie mir das stets eigen ist, in aller Ruhe verttommcti. Alts dem Bericht zu Kulms» hat Mankowski feine mir gemachte Aussage wiederholt und als ihm Behrendt vorgek'ührt wurde, sofort gesagt: Ja wohl. daS ist der Manu, den ich an jenem Morgen getrosten habe. Als Behrendt der Mutter des Mankowski vorgeführt wurde, sagte diese: Ich erkenne den Blau» mit voller Bestimmtheit wieder, das ist der Mann, der bei mir gewesen und nach meinem Lohne gefragt hat. Ich erfuhr außerdem, daß Frau Hossntann und eine Frau Katlsinallit Iacobi östentlich die Behauptung ausstrltten: Behrendt hat den Mord beganzen. Behrendt wollte deshalb die Frauen verklagen, rr Hai es jedoch nicht getha». Die An der küttstlichcn Operation der Veidjc war mir außerdem ein Berdachismomem gegen Behrendt. Endlich sagte mir Behrendt, daß er den Zilinski gar nicht tenne und daß er nicht bei Mankowski, nbrrhanpi niemals in Lkarzewo gewesen sei. Als ich ihm nun vorhiell: Lkarzewo ist «nr wenige Stunden von Skurez entfernt. Sie. die Sic fast täglich über tzand fahren, müssen doch schon in Lkarzewo gewesen sein, gab er diese Mög lichteit zn. Ich beantragte nun seine Berhaftung, die am IV. Mai vorigen Jahres erfolgte. — Verth.: Hat der Herr Zeuge scstgcstellt. welche Beziehungen Zilinski mit dem Angeklagten hat? — Zeuge: Rein. - Polizei Sergeant Bartkc: Ich war zur Zeit Polizei-Sergeant in Kulinsce und diente bei der Bernehmnng des Mankowski dem Herrn Hriminal - Hommissarina Höst als Dolmetscher. Angeschricn oder gedroht habe ich de» Mattkowsli in keinerlei Weise. Als ich dem Mankowski sagte: er könne sich wohl irren, vielleicht sei cs doch Joseph sohn gewesen, den er am fraglichen Morgen getroffen. am wörlcte er: Nein, ich irre mich nicht. Hermann Iosephsohn ist fast bartlos, während Behrendt einen dicken Schnurrbart Hai. Mankowski bezrichnete mit voller Bestimmtheit den Behrendt als den Mann, den er getrosten. In dem Sacke habe oben ein Kopf, der wie eine Mcnschenkops aussah. hcrvorgeschant und am unteren Hude glaube er ein Paar Füße gesehen zu baden. Der Zeuge bestätigt im Uebrigen die Dcposita des Kriminal- HommissarHöft. — tzeptercr bemerkt »och: Ich sagte zu Mankowski: Könnten Sie denn das Besicht des Behrendt genau erkennen, im Monat Januar gegen 6 Uhr Morgens ist es doch noch sehr dunkel? Darauf antwortete er mir: Ich war schon mehrere Stunden gegangen, mein Auge hatte sich bereits an die Dunkelheit gewöhnt. -- Der nunmehr in den Saal gerufene Mankowski bekundet ans Befragen des Präsidenten: Angeschricen oder gedroht haben ihn die zwei Polizeibeamten nicht, er könne aber nicht gcnan sagen, ob es Behrendt gewesen. Der Zeuge giebt im Uebrigen die Dcposita der Polizeibeamten als richtig zu. allein genau wisse er dennoch nicht, ob er Behrendt gesehen. Präsiden: Sie haben doch aber, als Sie vor dem Herrn Hriminal -Hommissar vernommen wurden, ausgerufen: „C. Hott, o, Hort, ich habe gelogen:" wenn Sie Gort anruscn, sagen Sie dann die Wahrheit? — Zeuge: Ja. — Bcrtheidiger: Ha» der Zeuge den Brief, bezüglich dessen ich gestern die Ladung des Hrzona beantragte, vor seiner Vernehmung bei dem Hriminal- Hommissar Höst erhalten? - - Zeuge: Ja. -- Präsident: Sind Sie mit Iosephsohn bcfmiubcl? — Zeuge: Nein. — Nun, was dachten Sie sich, als Ihnen Ihre Mutter schrieb: Iosephjohn läßt grüßen"? — Zeuge: Ich habe gelacht, im Uebrigen das nicht geglaubt. — Präsident: Hatten Sic sich denn mit Ihrer Mutter gesprochen, was Sie anssagen wollen? — Zeuge: Nein. — Präsident: Sie sagten früher, der Mann halte im Rücken seines Pelzes eilten Schlip? — Zeuge: Ja, das habe ich damals ivolil gejagt, ich erinnere mich aber nicht mehr, ob ich dies in der Thal wabrgcnommen habe. -- Arbeiter Hrzona bestätigt die gestern milgccheittc Bchaliptung des Berthcidigrrs; in dem Briefe habe nicht gestanden: „Iosephsohn," sondern „Sohn läßt grüßen." — Hs wird festgestellt, daß cs inSkurcz üblich ist, anstatt „Iosephsohn" auch „Sohn" zu sagen. — Frau Mankowsti weiß über den Brief keine Auskunft zu gebe«. - Schächter Blnmeilheim: Als ich kurze Zeit »or dem Morde nach Sknrc; kam. bin ich einmal bei Behrendt vornbergcgangrn. als letzterer gerade vor der Thür stand. Da rief Behrendt: „Nun ist schon wieder ein neuer Jude in Sture;: anstatt daß die Juden weniger werden, werden sie immer mehr." Der Angeklagte hak außerdem antisemitische Schriften im Dorse^ verbreitet, auch im Wirthsbanse össentlich vorgclcsen. Zilinski har einmal gesagt: „Mankowski ist'ein sehr beredter Zeuge; wenn ich will, wird morgen Hermann Iosephsohn aus der Haft entlassen. Wen» ich aber nicht will, muß er im Hefangniß verfaulen." Ich bin am Montag Morgen vor dem Morde nach Pr. Liargardt gegangen nnd erst am Dietistag zunickgekehrt. Ick) hörte, daß Behrendt schon einige Tage vorher bei mir ge-