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Der Israelit · 1885-05-04 · Heft 35 (4.5.1885) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 35 (4.5.1885)
Date
1885-05-04
Page
– (sequence 11)
Language
German
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587 lungen ihres Mannes. - «Trau Bicndcl bcjaln ans Befragen des Präsidenten, daß sie mit Behrendt verfeindet sei, sie rverde aber die Wahrbrit sagen. Sie habe eines Abends gehört, wie die Tochter des Angeklagte» zu ihrer Mntter sagte: Mutter, rveshalb wein» Du, taffen bekommst Tu ja vom Cnfel. Jran Behrendt erwiderte: Was habe ich vomGstcn? Als eine Weile daraus das Kmd wieder sagte: Mntter, weine doch nicht: wenn Th Geld brauchst, dann bast?ii ja nur nöihig;um Priester zu gehen, dann bekommst Du ja wieder O'clb*, erwiderte ,vr<ut Behrendt: „Ja das t^etd har mich und den Barer ins Unglück gebracht. Dein Dntel weih ebenso gilt Alles wie der Barer, aber jevt sixr er zu Hause und lacht uns ans.- Zie habe zu nächst nicht gewußt, was diese Aeußerulig für eine Bedemung bade. — Präsident: Sie hielten es aber fiir wichtig genug, nn, das Gespräch'zur Anzeige zu bringend — Zeugin: Jch habe nichts angezcigl: ich habe das Gespräch der Jrau Knopf erzählt, diese wird es wohl angezeigr haben. - Bertheidiger: Weih die Zeugin, dah in Sture; das Gerücht bereitet gewesen: der katholische (Reinliche Kiepert zu Lkurcz und dessen Bruder, ein Rentier, haben dem Brbrcndt Geld gegeben, um den (Mjlmlla zu schlachten und das Bei brechen den Juden in die Schuhe zu schieben d Zeugin: Davon weih ich nichts. — Der Angeklagte erklärt: er habe gegen den Gatten der Zeugin einen Prozeh gewonnen, seit dieser Zerr habe lcptcrc einen grohcn Hah gegen ihn. Präsident: Ofmi der Angeklagte in am lO. Mai verhaftet war den und die Äruhernng will die Zeugin am 22. Dcrobcr gehör: haben; wenn dieselbe also einen Hah gegen den Angeklagten gehabt hat, dann hätte sie schon früher deuiselben Ausdruck ge den können. — Gs wird nun Arbeiter Mankowski aufgcrufcn. Dieser, ein 20 jähriger Mensch in cbrnsalls, wir die meisrci: anderen Zeugen, nur der polnischen Sprache mächtig, es muh deshalb auch mit diesem mittelst Dolmetscher verhandelt werden. Gr bekundet: Jch kenne den Behrendt schon seit langer Zeit vom Sehen, gesprochcil habe ich niemals mit ibm. Am 22? Januar 1 SSI halte ich in Pr. Stargardt Termin. Jch ging deshalb schon frühzeitig von meinem Heimathsdorse Gzerivinsk weg. J» Skurlz vor dem Thiesjrn schcn Gastbos, es war kur; nach sechs Uhr lrai ich einen ziemlich grohen starten Mann mit grauem Rock und starkem Schnurrbart. Der Man» trug einen Sack ans dem Rucken und ging den 3‘Jcg nach Gzerivinsk zu. Gs war noch etwas dunkel, ich konnte deshalb nicht genau er kennen, was der Sack enthielt: es schien mir jedoch, als Härte ein Kopf aus dem Sacke hervorgeschaul. Bl,lt habe ich an dem Sacke nicht wahrgenommen. Gs war mir so, als wäre der Träger des Sackes -Behrendt gewesen, genau kann ich es nicht sagen. — Präs.: Wieso kamen Sie daraus, zu glaubet», dah der Man» Bcbrcndt gewesen ist? — Zeuge: Jch glaubte ihn an seiner Jigur und an seinem Gange zu erkennert. - Präs.: Sind Sie iem auch noch der Meinung, dah es Behrendt gewesen in? — Zeuge: Jawohl. — Präsident: Bestimmt wissen Sie es aber nicht? — Zeuge: Rein. — Präsident: Sic wurden erst am 31. Januar 1884 in Skurcz vernommen, dort haben Sie gesagt: Sie haben mit Bestimmtheit in dem Träger des Sackes den Hermann Josephsohn erkannt? - Zeuge: Gin gewisser Zilinski ha: mir gesagt: ich solle nur sagen, dah cs Hermann Josepbiobn gewesen ist, denn das haben nur die Juden gcthan. — Präsident: Sie sind alsdann später in Pr. Stargardt verllommcil worden, don haben Sie wieder gesagt: cs ist Hermann Joscphsohn gewesen, dann sind Sic zum dritten Male von dem Berliner Grimiiial-Gommissar Hoest in Kulmscc vernommen worden und diesem haben Sie gesagt: Sir haben den Behrendt mit voller Bestimmtheit als den Träger des Sackes nckannt? — Zeuge: Heute sage ich die 'Wahrheit, ich glaube, es ist Behrendt gewesen, bestimmt kann ich cs aber »ticht sagen. — Präsident: Heu vielleicht Jemand versucht, aus hr Zeugnlh Ginsluß auszttüben? — Zeuge: Nein. — Präs.: Alsdann wurden Sic gerichtlich in Kulmjee vernommen. T a haben Sie zunächst gesagt: Der Träger des Sackes ist Bchreildt oder Hermann Josephsöhn gewescti, genau weih ich es nicht. Rach einer Pairse sind Sie wieder vernommen worden, inzwischen sind Sie mit Zilinski zusammengekommcn »»nd was hat dieser zu Jhnen gesagt? — Zeuge: Zilinski sagte zu mir, ich solle nnr sagen, dah ich Hermann Josephsohn begegnet dann würden die Juden vertrieben werden: nnr die Juden könnten de» Mord verübt haben. - Präsident: Und als Sie nach einer Pause nochmals vrrnonittten wurden, sagten Sie: Hermann Joscphsohn ist es gewesen. Zeuge: Jch wuhte in Kulmsee ans dem Gericht schon gar nicht, was ich spreche, ich wurde durch das Ailschrcien ganz verrückt gemacht. Gs wurde mir gesagt: ich komme ins T'och; außerdem sah ich teilte mit vielen Schlüsseln, deshalb bekam ich Angst; heute sag ich aber die Wahrheit, Aus rveiteres Befragen des Präsidenten bekuitdet der Zeuge: Am Rachmittage 22. Januar 1884 sei er mit seiner Mutter im Walde gewesen: bei diejer Gelegenheit habe ihm diese von dem Morde Mittheilnng gemacht-, darauf habe er bemerkt: er habe am Morgen einen Mann mit einem Sacke gehen sehen, das tonnte der Mörder gewesen sein. Präs.: Sagten Sie Jhrer Mutter, wem Sie begegnet sind? — Zeuge: Rein. Präs.: Jst Jemand bei Jhrer Mntter gewesen, der gesagt, Sie sollen gegen die Juden anssagcn? - - Zeuge: Ja, der Beschreib>»ng nach ist der Betreffende Behrendt gewesen. - Präs.: Sie haben gesagt, der Man» trug eine Mühe, etwas ins Gesicht gedrückt? — Zeuge: Jawohl. Der Präsident zeigt dem Zeugen zunächst die Müpc des Angeklagten. Diese ist es nicht gewesen, bemerlt der Zeuge, denn die Mühe, die der Mann getragen, hatte einen Schirm. -Als dem Zeugen mm die Mühe des Joscphsohn gezeigt wird, die einen Schirm hat, bemerkt er: So kann dir Müde ausgesehen haben. - Altsiper Grncha: Am Sonnabend nach dem Morde sei er mit Mankowski in Pr. Stargardt zusaminengelrossen. Dort habe er Mankowski ihm gesagt: der Mann mit dem Lacke, den er getrosten, sei Hermann Josephsohn gewesen. - Mankowski: Das habe ich allerdings gesagt, cs wurde im Allgemeinen gesagt, die Juden haben den Mord begangen, deshalb nahm ich damals an: Hermann Joscphsohn ist es gewesen; da Alle sagten: sie sagen die Wahrheit, da sagte ich es auch. — Präs.: Sagen Sic denn heute die Wahrheit? - .^enge: Ja, was ich heute sage, ist wahr. - Arbeiterfrau Mankowski (die Mutter des Borzciige»): Jch weiß nicht mehr genau, wann ich meinem Sohne von dem Morde Mittheilnng machte. Als ich ihm davon erzählte, sagte mein Sohn gleich: Jch bin an demselben Morgen cineln Maitnc begegnet, den ich mit Bestimmtheit als den Behrendt ertaimt habe. Dieser trug einen Sack aus dem Rücken, ans dem ein Kops heransgeschant hat, das wird wohl der Mörder sein. Ginige Tage später ist ein Mann zu mir gekommen, der mcinen Sohn sprechen wollte, ich erkenne in dein Mann mit Bestimmtheit deit Angeklagten ivieder. - Präsident: Ans dem Amtsgericht zu Kttlmsec wurde Jhnen Behrendt vorgesühn, da sagten Sie: Tie könnten den Mann nicht genau wieder erkeniikn. -- Zeugin: Heute erkenne ich aber den Angeklagten mir Bestimmtheit wieder. — Präsident: Jch muß allerdings bemerken, daß die Zeugin aus dem Gerichte zu Kulmsee ohnmächtig wurde und vom Stichle siel. Ihre Aussage wurde deshalb auch blos registrirt. — Der Ghemann Mankowski ha« wohl von de« Grzählungcn seii'er Frau etwas gehört, Genaues vermag er aber nicht zu bekunden. - Ans Br sragen des Berlheidigers bekundet Grnscha: Mankowski habe ihm erzählt: der Mann mit dem Sacke habe sich die Hand vor's Gesicht gehalten, anscheinend, um nicht erkanitt zu wcrdeir. — Aus weiteres Befragen bekilnden Mankowsti und Gzechelowska übereinstimmend: Der Mann habe den Sack so getragen, daß er zwei Grzdc desselben in den Händen hatte. (Joris, folgt.)

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