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Der Israelit · 1885-05-04 · Heft 35 (4.5.1885) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 35 (4.5.1885)
Date
1885-05-04
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Frau Ribinska: Behrendt habe ihr einmal ein amerikanisches Messer gezeigt und dabei mit den Worten auf den Tisch gescblagen: „Mit diesem Messer wäre ich im Stande, einen Menschen von oben nach unten anszuschkitzen und das Blut wie Wasser zu trinken; eine solche Natur habe ich».- — Ter jAn geklagte bestreitet entschieden diesen Vorgang; er habe mir der Familie Ribinskas viele Prozesse geführt, die sämnulich zu seinen (»lunsten aussielen. Ans diesem Grunde haben ihn die Ribinska's Rache geschworen. — Aus weiteres Befragen des Präsidenten erzählt die Zeugin: Als ich eines Tages vom Termin ans Pr. Siargard kam, ging ich zu Iosephsohn. Ich sagte: wie lange mag sich wohl der arme Evbulla gequält haben? Bier Stunden bat lüchuUa noch gelebt, sagte Friederike Iosephsohn, er hat einen Knäuel Wolle im Munde gehabt. Tie Iosephsohn sagte noch: die Sache wird schon noch herauskommeu; letzteres hat auch eine Kartenlegerin behauptet. — Iran Knopf: die Ribinska habe ihr zur Zeit die bekundete Redensart des Behrendt erzählt. — Iran Papke: Im Jahre 1883 hat Behrendt bei mir einmal drei Schweine geschlachtet. Ich äußerte meine Bewunderung, daß er eine solch' große Fertigkeit im Abschlachten der Schweine habe, ich könnte überhaupt kein Thier schlachten, bemerkte ich. Behrendt ertviedertc: Sie sind ein Weib, tvenn Sie mir befehlen, Ihre Kinder zu schlachten, dann thue sich es mit derselben Geschwindigkeit. Tb diese Aeußerung im Scher; gewesen ist. weiß ich' nicht. — Angeklagter: die bekundete Aeußerung habe ich jedenfaUs nicht gelhan; möglich ist es schon, daß ein ähnliches Gespräch geführt wurde und die Iran gefragt hat: Könnten Sie auch Menschen schlachten? — Präsident: Daß eine solche Aeußerung eine Iran rhun wird, bezweifle ich. - - Handlungsgehnlse tzlblnm: Ich habe im Thiessenschen Gastlocale londitionin. Behrendt war im nüchtere» Zustande ein sehr nihiger Mensch, we»»n er jedoch betrunken gewesen, war er eilt Krakehler. Ta er itl uttserm Vokale einmal großen värm machte, wies ich ihn zur Ruhe: in Folge dessen versetz» er unreinen heftigen Schlag iil's Auge. Behrendt hat einntal in unserem vokale Spielkarten an die Üinsitzenden venheitl und gesagt: Run wollen wir ein inal „dawnen" (jüdisch beten.) -- Amtsdiener Glierschke: Ter Gasnvirth Gappa habe ihm einmal erzählt: Behrendt habe ihn eines Tages niedergeschlagen und den Bersuch gemacht, ihn zu berallben; letzteres sei ihm jedoch nicht gelungen. Schon lauge vor der» Morde seien in Skurc; antisemitische Schristett Verbreiter ivorden, wer dieselben besessen, wisse er (Zeuge) jedoch nicht. Ter Präsident fordert nun den Angeklagten auf. noch einmal genau zu sagen, wo er sich am 2k. Januar 1884 ausgehalten. Ter Angeklagte erzählt dies, wie am ersten Berhandlnngstage. Am Abende sei er zuletzt in dem Gastlokal von Lientzel in Skurcz gewesen: schon als er dort hinkam, hatte er so viel ge lrurlten, daß er gar nicht wisse, tvie er nach Hanse gekoinnren sei. Am 22. Januar des Morgens, etwa gegen 6*/» Uhr, es war schvtl Tag, sei er zu dem jüdischen Schächter Blnmenheim gegangen, um diesen zu ersucht», ihm ein am Tage vorher gekauftes Rind „koscher" zu schlachten; Blumenheim sei jedoch verreist gewesen. — Ter Präsident konstatirt, daß 'Blnmenheim anl äußersten dmbe des Torfes und zwar ans dem Wege nach Pr. Stargardt, entgegengesetzt von dem Fundort des Ermordeten gewohnt habe. Präs.: Sie wissen, daß eine Zeugin hier bekundet sie habe am 22. Januar des Morgens einen Alaun, der Ihnen au Figur gleicht, in der Rahe des Fundorts gesehen; ein anderer Zeuge will bekunden, daß er Sie mit einem Sack ans dem Rücken aus jenem Wege getrossen habe? - Angeklagter: Tao ist Alles Vüge. - Fleischermeister Taniel (Mirottc): Am 21. Januar 1884 Nachmittags war ich mit dem Angeklagten in Mirotke znsammen, um mit ihm gemeinschaftlich ein Rind zu kaufen. Wir haben viel, wohl zwölf Viter Braunbier mit Rum getrunken. Als wir uns gegen 4 Uhr Nachmittags trennten, war Behrendt keineswegs betrunken. Wie ich fpäter Höne, in Behrendt alsdann in das Gasthaus zu Nötzel gegangen und hat dort drei Glas Rum getrunken. — Gaftwinh Nötzel (Mirotke): Ain 21. Januar 1884 gegen Mittag sei der Angeklagte mit seinem Schwiegervater Ezacnicki angefahren gekommen. Nachdem er sich einige Zeit in meiner Gaststube ausgehalten, ist er sorrgegangen und etwa gegen 4 Uhr 'Nachmittags wiedergrkommen. Er hat längere Zeit mir Ezarnicki bei mir gegessen und ist etwa gegen 7 Uhr Nachmittags mit letzterem nach Skurcz gefahren. Betrunken ist Behrendt an jenem Abende nicht gewesen. — Angekl.: Ich bin doch betrunken gewesen. — Zeuge: Ter Angekl. har mit mir längere Zeit sehr vernünftig gesprochen, ich weiß ganz genau, daß er nicht betrunken war. — Aus Befragen des Präsidenten deponirt der Zeuge: Gleich nachdem Behrendt verhaftet worden, kam dessen Bruder zu mir und sagte: 'Na, Nötzel, Sie müssen doch auch wissen, daß mein Bruder au jenem Momag Abend total betninken gewesen ist? — Ich aut wonete: Ich weiß sehr genau, daß Ihr Bruder nicht betrunken war. — Angekl.: Ich bleibe dabei, daß ich an jenem Abende total betrunken war, andere Zeugen werden dies bestätigen. Altsitzer ('jrtnmfi (Stiefvater der Ehefrau des Angeklagten) bestätigt die Angaben des Taniel. Ter Angeklagte sei so betrunken gewesen, daß er, als sie nach Skurc; fuhren, ihm die Veine ad nahm, da er befürchtete, Behrend werde in Folge seiner großen Trunkenheit vom Wage» fallen. Gegen 8 Uhr Abends feien ne nach Skurc; gekommen; Behrendt fei in das Stenzel'sche Gast Haus gegangen» während er Pferd und Wagen nach Hanse gebracht habe. Sehr bald sei auch Behrendt nach Hause gekommen, woraus sie sich säntimlich schlafen legten. Am folgenden Morgen seien sie etwa gegen 7 Uhr ausgestanden; Behrendt sei sehr bald zu dem Schächter Blnmenheim gegangen. — Nötzel behauptet wiederholt, daß Behrendt nicht angetrunken gervesen; er habe sich sogar, als er sonftlhr, noch eine Vaterne von ihn» geliehen. Ter Zeuge Ezarnicki belnndet ferner ans Befragen des Präsidenten: 'Weit»! Behrendt in jener Nacht die 'Wohnung verlassen hätte, jo hätte (Zeuge) dies hören müssen, denn er habe einen sehr leisen Schlaf. — Gasnvirth Srenzel (Skurcz): Als Behrendt am 21. Iartuar 1884 Abends;u mir kam, war er betrunken, meiner Meinung nach aber nicht sinnlos, denn er erzählte ganz genau, wo er gewesen und wie viel er getrunken hatte. Er hielt sich an senem Abende Mtr etwa zehn Minuten bei mir aus, ohne etwas zu verzehre»!. — Hier tritt eine kitrze Pause ein. Nach Wiedererössnung der Sitzung bemerkt der Präsident: Es ist von einem der Herren (Geschworenen in Anregung gebracht worden, ob es sich irichl empfehlen würde, einen praktischen Fleischenneister zu fragen: ob ein Fleischer im Stande sei, eine Operation, wie sie an dem Ermordeten vorgenommeu worden, ansznsühren. - Staatsanwalt: Ich billige diese Anregung und beantrage, den Fleischermeister Annacker von hier, ferner noch mals den Sanitätsrakh Dr. Merner (Pr. Stargardt) und den Departements -Thierarzl Dr. Hertel von hier zu laden. — Ter Gerichtshof beschließt dem Anträge entsprechend. - - Gastwinb Thießen (Skurcz): Behrendt hat hänsig bei mir verkehrt, od er aber ain Abend vor dem Morde bei mir gewesen ist. weiß ich nicht. — Schneider Karau: Behrendt ist mit dem Onkel des Ernlvrdrten, dem Fleischer Eybulla, verfeindet gervesen. — Frau Knops: Ich bin einmal bei der Frau Behrendt geivesen, mn von ihr Fleisch;» kaufen. Ta sagte Frau Behrendt: Was meinen Sie, Frau Knops, jetzt wolle» sie den Eybulla'sche» Mord meinem Manne aushalscn. obwohl er schon um 9 Uhr Abends zu Haufe und total betrunken war. Einige Zeit darauf begegnete ich der Schwägerin des Angeklagten, der Frau Michael Behrendt. Tieie sagte: meine Schwägerin weiß ja selbst nicht, wann ihr Mau» nach Hanse gekommen ist. -- Tie Ehefrau des Angeklagten deponirt: Sie habe sehr geschimpft, als ihr Mann am Abende vor dem Morde erst gegen 9 Uhr Abends und total betrunken nach Hause kam. Im klebrigen bestätigt die Zeugin die Behaupt

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