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Der Israelit · 1885-05-04 · Heft 35 (4.5.1885) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 35 (4.5.1885)
Date
1885-05-04
Page
– (sequence 5)
Language
German
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581 auflegt und durch die die Interesse» Anderer nicht berührt werden. — Als vor länger als dreihundert Jahren der große Reuchlin sich der talmudischen Literatur den Pfefferkorn'schen Anklagen gegenüber annahm, schrieb Rabbi Joselmann vonRosheim in sein Tagebuch: „Gelobt sei Gott, der unter den Weisen der Nationen Männer erstehen läßt, die den Verleumdern cntgegcntrctcn!" — Nicht besser als mit denselben Worten können wir Herrn Professor Dr. Strack den Dank des Iudcnthums aussprcchen. Kofchmin, 26. April. Die wohllöblichc Ncdaction des „Israelit" bitte ich ergebenst um gefällige Aufnahme folgender Zeilen: „In eigener Sache" In Folge des Ministerial-Erlasses sind durch Regierungs-Verfügung namentlich in den Provinzen Posen, Schlesien, Lst- und Wcftprenßen eine Reihe von nicht naturalisirten Knltusbcamten ihrer Stellen verlustig refp. aufgefordert worden, dieselben in kürzester Zeit zu verlassen. Diese Maßregel trifft zunächst die Gemeinden sehr hart, da die Zahl geeigneter Inländer ungenügend ist, um die vorhandenen Vednrfnisse zu decken; härter aber noch werden die Kultusbeamten namentlich Familienväter betroffen, die sich dadurch der größten Sorge um ihre Zukunft und ihre Existenz ausgesetzt sehen. Alle Versuche, die bisher von einzelnen Gemeinden zur Rücknahme der Regicrungsvcrfügnng angcstrebt worden sind, blieben ohne Erfolg. Wir sind der Ueberzeugung, daß nur eine gemeinsame Petition aller von dieser Maßregel betroffenen Gemeinden an den Herrn Minister zu einern befriedigenden Resultat führen kann, und wir richten daher an alle diejenigen Kollegen, die unter diesem Erlaß zu leiden haben, die dringende Bitte, schleunigst die Adresse ihrer Gemeinden an die Ncdaction des „Jüdischen Kantor" (welche zur Entgegennahme der Adressen zur Förderung unserer Interessen gerne bereit sein wird) einznsenden, damit auf Grund dieser Adressen ein gemeinsames Vorgehen der Gemeinden angebahnt werden kann. Nach Eingang der Adressen wolle dann die Redaction des „Jüdischen Kantor" die Gewogenheit haben, eine geeignete Petition zu entwerfen und zur Unterschrift bei den betreffenden Gemeinden circnlircn zu lassen. S. OdelSli, Kantor. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien, 26 April. Heute fand die (12.) ordentliche General-Versammlung der Israelitischen Allianz zu Wien statt. Dem vom Präsidenten Joseph R. v. Wertheimer vorgetragenen Berichte ist zu entnehmen, daß der Verein im abgelaufcnen Jahre eine culrnrclle Thätigkeit in Galizien einlcitete, welche die Hebung des Schulwesens und die Zuführung der jüdischen Jugend zum Handwerk und Ackerbau zum Ziele hat. In erstcrer Beziehung wurde mit der Reorganisation des sogenannten Cheders, in welchen bloß das Hebräische gelehrt wird und jeder Untericht in den profanen Gegenständen ausgeschlossen ist, begonnen. Es wurde im März vorigen Jahres in Lemberg eine neue Anstalt, in welcher der llnterricht in den Volksschulgegenständen crtheilt wird, eröffnet; dieselbe war von 38 l Zöglingen besucht. Eine ähnliche Anstalt wurde in Brody und in Sablocic gegründet. Andererseits hat der Verein der Anstellung von Rcligionslehrern an solchen öffentlichen Schulen, wo die jüdischen Schulkinder keinen Religions-Unterricht erhalten, seine Aufmerksamkeit zugcwcndet und ferner die Schaffung von Lchrcrbildnngs-Austaltcn in Galizien ins Auge gefaßt. Was die Förderung des Handwerks unter der jüdischen Jugend Galiziens anbelangt, so wurde dem Vereine der Bernstein-Stiftung in Lemberg, der in dieser Richtung thätig ist, aber mir 18 Zöglinge zu erhalten vermag, eine Subvention von 2500 fl. jährlich - vorläufig auf vier Jahre — also zusammen 10,000 fl. votirt, in Folge dessen der genannte Verein weitere 25 Zöglinge ausgenommen und bei Handwerkern untergebracht hat. Die Thätigkeit der Israelitischen Allianz war im abgelanfenen Jahre auch durch Hilfeleistung für die rumänischen Flüchtlinge sehr in Anspruch genommen, von welchen die zur Arbeit länglichen nach Amerika expedirt, die untauglichen mit entsprechenden Beträgen in ihre Heimath befördert wurden. Der Verein hat im Ganzen an Subventionen für Schnlzwccke an 22 Gemeinden und Vereine 3954 fl., an literarischen Subventionen nnd Stipendien 2555 fl. und für Unterstützungen an hilfsbedürftige Passanten und Emigranten, für Erziehung, Verpflegung, Bekleidung hilfsbedürftiger Kinder rc. 23,440 ff. verausgabt. Die Mitgliedcrzahl betrug 2730. Die Versammlung genehmigte den Bericht über die finanzielle Gcbahrnng im Jahre 1884 und wählte in den Vereiusvorstand die ausschcidenden Herren Emanuel Baum garten, Moritz Dub, Dr. Arthur Kuranda wieder, ferner au Stelle des erkrankten Dr. Leopold Kompcrt und des Herrn Max Theodor Schiff, welche eine Wiederwahl ablehnten, die Herren Julius Reitlinger und A. L. Löwy. Rußland. Petersburg. Außer Herrn Poliakow wurden die Herren Horace v. Guuzburg und Emanuel Bank in den hiesigen Stadtrath gewählt.

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