Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 35 (4.5.1885)
- Date
- 1885-05-04
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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580 Die erste Grimifliutg scheint uns gegenüber dieser absonderlichen Stelle nahezulcgcn, daß wir hier einen Abschreiberfehler vor uns haben. In Wirklichkeit findet sich kt Nabbinowicz, Dikdnke Soserim eine andere Lcseart miD, welche einen guten Sinn geben würde, aber diese Lesart ist durch folgende Gründe kritisch sehr verdächtig. Es ist erstens gar nicht cinznsehen, wie ans dem ganz verständlichen und zur Sache passenden Nrsa eine unverständliche und unpassende Lesart, wie --p^' hätte entstehen können, die sich nicht einmal durch Versehen der Abschreiber erklären ließe. Wenn irgendwo, ist hier der erste Grundsatz der Kritik anwendbar, daß die leichtere Lesart die kritisch verdächtigere ist. Dann haben auch alle alten Ausgaben und Mannscripte, Aschen und Alfaßi ebenfalls Npir. Man wende mir aber nicht ein, daß die letzteren Dezisorcu nach der Lesart des Talmuds rektisizirt wurden, denn dies kann schon ans dem Grunde nicht geschehen sein, weil bereits der Tnr und nach ihm Schulchan Arnch Orach Chaim 8 618. 0 diese Lesart vor sich gehabt haben müssen, da sic aus **pir frischweg prn gemacht haben, wobei freilich der Ausdruck klarer geworden, für das Verständnis; aber nichts gewonnen ist. Folgende Erklärung löst meines Erachtens alle Schwierigkeiten. Nach Rasch! Sncca gegen Ende und an noch verschiedenen Stellen, ist wsra ein junger Kürbis; im Gegensatz zu «op ausgewachsener Knrbiß, in der Red nsart: jnpc ae **iso „Lieber einen jungen Kürbis; gleich, als einen ausgewachsenen später." Aehnlich dem deutschen Sprichwort: „Besser einen Spatzen in der Hand, als eine Taube auf dem Dache." Die jungen Triebe einer Pflanze heißen im hebräischen rpir Schößling (Iesaias 53, 2.) Es ist daher klar, daß aramäisch ebenfalls wpir der junge Kürbis; heißen kann, im Gegensatz zu?op dem ausgewachsenen, umsomehr, wenn man bedenkt, daß das vorhergehende *np sich auch auf das folgende Npu’ beziehen kann, also — Npu* nip ein junger Kürbiß. Damit sind alle Schwierigkeiten gelöst. Die Lesart des Msk. München bei Rabbinowitsch, ist nur eine erklärende Randglosse für das schwer zu verstehende Np'.r, die durch Abschreiber in den Text geratheu ist. Als Erklärung ist sie aber richtig, indem Npu* dasselbe, was ntso ist. Indirekt wäre dadurch der Beweis geführt, daß die Lesart unserer Ausgaben die richtige ist, was nach dem Obigen nicht zu bezweifeln war. Diese Erklärung stimmt aber nur mit der Ansicht Raschis in Sncc a. a. O., nach welcher *np und wsna eine und dieselbe Pflanze ist, erstere ausgewachsen, letztere in noch jungem Zustande. Toßaphoth das. und Kethuboth 85 weisen aber nach, daß Kr»a eine andere Gattung als *np sei, denn Targum übersetzt D’wrp mit wsra während tnp hebräisch D’jnbn heißt. Demnach ist rrr-^a die Gurke und?op der Kürbiß. In diesem Falle wäre die obige Erklärung nicht haltbar. Ich glaube daher, nach Ansicht Toßaphot's hier einen kleinen Schreibfehler annehmen zu dürfen, cs soll Nprv statt t*pu* gelesen werden, welches Wort in Oholoth 8, 1 eine Gnrkcnart bedeutet, womit auch wieder die erklärende Glosse in Msk. München übrreiustimmt. In Wirklichkeit ist auch diese kleine Aenderung des Textes nicht nöthig, wenn wir uns vergegenwärtigen, daß der Wechsel vom Ncsch und Nun beim Uebergang vom Hebräischen ins Aramäische sehr häufig ist. So z. B. hebr. mt, aram. mi; hebr. q*:i& aram. r>n; Vergl. Fleischer bei Lcvy, Ncuhebräisches Wörterbuch 1, 2(>7,6. Da nun das Wort npr>' in der angeführten Mischnah hebräisch, in der Gemara aber aramäisch ist, wofür hier das Aleph, dort das He am Ende als Beweis dient, so hängt wahrscheinlich auch der Wechsel von i zu 2 damit zusammen, so daß spir im Talmud ganz dasselbe ist, was npvv in der angeführten Mischna in Oholoth. Offenbar hat auch Maimonides unser Wort als Pflanze anfgefaßt und das ist der Grund, daß er es nicht speciel! anführt, weil er ja -nwy nrvaB’o bereits allgemein entscheidet nvra pcsnb imo. Hätte er aber unser Wort, wie Tnr und Schulchan Arnch, als „Kind" anfgefaßt, so hätte er dies, nach seiner üblichen Weise jede Halacha aus dem Talmud zu excerpiren, gewiß auch hier nicht unterlassen anzuführen. 'Nachträglich bemerke ich noch, daß der Kommentator R. Eljakim bar Josef, Msc. der Münchener königl. Bibliothek, von welchem der verehrte Redacteur dieser Blätter eine Abschrift besitzt, das im gewöhnlichen Sinne verstanden hat. Er gibt darauf die Erklärung : pwnn "\V22. Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen. Deutschland. Mainz, 29. April. Herr Hofpredigcr Stöcker in Berlin hat das alte Mährchen wieder aufzuwärmen versucht, daß durch das Kol-Nidre-Gebet die Inden die Verbindlichkeit der Eide aufheben. Herr Dr. Strack, Professor der Theologie an der Berliner Universität, tritt Herrn Stöcker auf das Entschiedenste entgegen, indem er aus den Quellen nachweist, daß es sich beim „Kol-Nidre" nur um solche Gelübde und Eide handelt, die man sich selbst