Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 35 (4.5.1885)
- Date
- 1885-05-04
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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578 Erklärung. (Siehe na □v* roscnn zur Stelle.) Das Kriterimn für eine strenge Mizwah, schreibt er, ist die Mühe und Sorgfalt, sind die Geldopfer oder die Opfer au Zeit und Anstrengung, die man dafür verwendet. Fügt doch die Mischnah in Chulin gleich hinzu, Latz sie die EÄMdnüg der Vogelmutter detzhalb eine leichte Mizwah nennt, weil die Beobachtung derselben das Aufgcben eines nur geringen Gewinnes erheischt. Gin Beweis für die Nichtigkeit dieser Erklärung kann avch ans Traktat Abodah Sarah (zu Anfang) erbracht werden, wo die Gemara als ein leichtes Gebot dasjenige bezeichnet, mit welchem Geldopser nicht verbunden sind. □'2 m ytxff tOd mse raop nc’?1!. Cs gibt heilige Pflichten, deren Erfüllung nur mit den größten Opfern an Zeit, Mühe oder Geld ermöglicht werden kann, wie z. B. pio, die Befreiung der Kriegsgefangenen. Als Abraham hörte, datz fein Brudeifohn gefangen fei, da wagte er fein Leben und das Leben der Seinen, da unternahm er einen schweren Krieg gegen vier mächtige, siegreiche Könige, um seinen Brndersshu zu befteien. Viel leichter wurde es dem Abraham, es bedurfte eines viel geringeren Aufgebotes von Zeit, Anstrengung und Kosten, die Wanderer einziüaden und zu bewirthen. Wir sehen jedoch, datz Abraham in dem zuletzt angefi'chrtcn Falle die größtmögliche Sorgfalt anwendete. Wiewohl krank, eilt er den Fremden entgegen, und da sie bei ihm eiukchren, setzt er sein ganzes Haus, seine Gattin, scüwn Sohn Jischmael, feine Diener in Bewegung, nur den ihm unbekannten Wanderern ein angem^encs Mahl zu bereiten, während er selbst bei ihmm steht, um sie zu bedienen. Und wer weiß, was Gott dem Abraham höher ungerechnet hat: die schwere große That der Befreiung Lots, die nur durch dnta Kttegszug möglich war oder die gastfreundliche Bewirthlmg der fremdem Wanderer, die. Nrie sich spättr herausstellte, Gesandte des höchsten Königs gewessr. ' Je mehr Mühe und Sorgfatt der Mensch auf die Erfüllung eines Gottesgebotcs werdet, desto größer ist die Belohnung, die ihm Gott dafür zu Theil werden läßt, und daher I die Folgerung der Mischnah in Ehuttn eine woWercchtigtt. Wenn Gott für die Entsendung der Vogelmuittr, die doch nur einen geringen Geldwerth hat, Wohlergehen und langes Leben in Aussicht stellt, um wie viel mehr wird Er Denjenigen belohnen, der z. B. auf hm Erwerb großer Summen verachtet, um am Äabbat, wie es vorgeschrieben, zu rnhen! - Allein, dieser Gedanke darf »ns nicht bestimmen, irgend einem göttlntzen Gebote, das mit geringen Opfern und germger Mühe zu erfüllen ist^ weniger Sorgfalt zuzuwenden. Ein König läßt einen großen, schönen Garten anlegeu; er läßt darin die edelsten, kostbarsten Fruchtbänme Pflanzen, aber auch Laubholz und Nadelholz, Eichen, Buchen, Tannen, die keine oder doch nur geringe Früchte tragen, die aber bestiunnt sind, dem in dem Garten Lustwandelnden Schutz vor den scngciiden Strahlen der Sonne zu gewähren. Uns erscheint eine Tanne nicht so werthvoll wie eine Dattelpalme, ein Hollnnderstrauch nicht so wichtig wie ein Feigenbaum. Für die Anlage des Gartens aber ist eines so wichtig wie das andere; wenn die Anlage eine vollkommene sein soll, so darf auch das Geringerscheinende nicht darin fehlen, und wenn nach Vollendung der Arbeit die Arbeiter vor dem Könige erscheinen, um ihren Lohn zu empfangen, so wird er anerkennen, daß Alle zur Vollendung des Werkes beigetragen, und Er wird den am meisten belohnen, der in seiner Arbeit am fleißigsten und sorgfältigsten gewesen, gleichviel ob er Pfirsichbäume gezogen oder junge Birken gesetzt hat. — Der König ist der allmächtige Gott, der Garten die Welt, und die Arbeiter sind die Menschen. Gott hat seine Freude an den treuen Arbeitern, die mit Liebe und Sorgfalt jeder Pflicht nachzukommen suchen. Welche dieser Pflichten Gott genehmer ist, das wissen wir nicht. Manchmal kann ein leichtzucrsüllendes Gebot in seinen Folgen wichtiger und bedeutender sein als ein anders, das unter großen Mühen und schwere» Opfern vollbracht wurde. Achte daher das Leichte nicht gering; vielleicht wiegt cs schwer in der Hand des Königs des Weltalls, der Seine treuen Diener so reich zu lohnen vermag. (Fortsetzung folgt.) Briefe nöer die Erziehung der Mädchen im Indenlhum und zum Iudenthum M. Berger. I. - Lieber Freund! Es ist erfteulich für mich, Deine lieben Zeilen für Dich nicht allein, sondern für sämmtliche „gute Jehudim" beantworten zu können, und deshalb wähle ich diesen Weg der Oeffentlichkeit, Dir Deine Fragen zu beanttvortcu. Es wird viel über Erziehung gesprochen, noch mehr vielleicht darüber geschrieben, nur ist es Schade, daß man heute von denen, welche Erziehungsschristen lesen (Lehrer), keine Erziehung, sondern nur Unterricht verlangt. Jeder fade Ronian hat eher Aussicht, vom Publikum