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Der Israelit · 1885-04-30 · Heft 34 (30.4.1885) · page 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 34 (30.4.1885)
Date
1885-04-30
Page
– (sequence 5)
Language
German
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öoigetragen; ebenso das „Siegeslied am roHjcu Meere," wie das „Gebet der frommen Hannah" täglich gesungen. Im Kaddischgebet werden noch einige Worte hinzugefugt. In der Scheraono esre wird im Sommer noch „raw lehoschia“, auch ,maurid liatal* eingeschaltet. Die Keduschah beginnt an allen Tagen des Jahres „nakdischdha wenaarizclia“. nur im Muffaf lautet der Anfang: >k«8r;er z'itnu lol-Ii.- Das Minchagebet, das in Rom täglich nach 12 Uhr Mittags verrichtet wird, wird mit Psalm 84 vom Borbeter eröffnet, der dann mit lanter Stimme die Abschnitte der Opfer und die Talmndische Abhandlung über das Räncherwerk vorträgt, die Gemeinde fällt bei den Schlußsätzen mit ein. Am Freitag Abend wird vor Beginn des Gottesdienstes eine Anzahl Kaddeschim für das Seelenheil der Dahingeschiedenen vorgetragen. Kiddusch findet in der Synagoge nicht statt, wohl aber Habdala, am Ausgange des Sabbats, wobei vom Diener jedem Anwesenden ein grüner Mnrthenstranß gereicht wird. Die Fasttage, mit Ausnahme des Versöhnnngstages und des nennten Aw, werden am Sabbat vorher verkündet und dabei mit den hoffnungsvollen Verheißungen in Sccharja s. io. geschloffen. Beim Priestersegen gehen alle Kinder zu ihren Vätern und Großvätern, so daß die ganze Familie beisammen ist. Der Großvater breitet seinen Tallis über alle Familienmitglieder aus und segnet dann Kinder und Gnkel besonders, worauf diese ihm zum Danke mit den Talliszipfeln Handküsse zuwerfen. Beim Sabbatausgang werden vor dem Abendgebete der ganze 11 n. Psalm und alle Stnfenlieder recitirt, die dann mit dem 144. Psalm abschließen. Auch beim Gingange eines jeden Festes wird ein dem Feste entsprechender Psalm oder Pint abgesnngen, während unsere Piutim am Festabende dem italienischen Juden fremd sind. Man trennt lid) an diesem Abende mit dem Wunsche: „inoadim iessimcha“. woraus man zur Antwort erhalt: ^s'lmxim usmam'm lessosaun“. Die größte Feierlichkeit im Gottesdienste gibt sich beim Ausheben der Thora an Sabbat- und Festtagen knnd. Die Bänke stehen im Norden und Süden der Synagoge, während in der Mitte sich ein Schiff befindet, in dessen östlichem Theile die heilige Lade, in dessen westlichem das erhöhte Vorbeterpnlt angebrachl ist. Die heilige Lade hat an der Außenseite keinen Vorhang, doch finden wir ihn innen. Die Lade ist sehr luxuriös anSgestattet, meist besteht sie aus karrarischem Marmor. Die goldgestickten, kostbaren Vorhänge sind wahre Meisterstücke der Kunst. Jede Thorarolle hat ihre besondere Abtheitnng, so sehen wir in der Synagoge zu Modena und Reggio 48 Rollen in 48 Fachern, über der Lade eine herrliche Glaskuppel, an der die Strahlen der Sonne in magischem Glanze sich brechen. Der Vorbeter tritt vor die heilige Lade und übergibt dem mit dem Oeffnen derselben Betrauten einen silbernen Schlüssel: ein zweiter nimmt die Rolle heraus, ein dritter setzt die silbernen Kronen auf, und nun beginnt unter dem Sang der Gemeinde die Prozession durch die ganze Synagvge. Voran die Synagogendiener, dann der Vorbeter, der Träger der Rolle, das ans drei Mitgliedern bestehende Rabbinat, die Vorsteher und schließlich Gelehrte. Man bringt die Rolle auf die Emporbühne, wo der eine den Silberschmnck, der andere die äußere Nmtleidung abnimmt und ein dritter eine Decke um die Rolle legt; andere drei Personen heben sie vom Tische ans und zeigen sie dann ausgerollt dem versammelten Volke, welches unter Handküssen in den stürmischen Ruf ausbricht: „Dies tst die Thora u. s. w." Auf meine Frage, warum denn gerade diese Worte so feierlich verkündet werden, sagte man mir: um anzudenten, daß diese Thora unverkürzt und unverändert dasselbe Gesetz sei, das Gott am Sinai durch Moses dem Volke gegeben. Die Thora wird hoch über dem Haupte gehalten und nach allen Seiten hin gezeigt: wer dieses schwierige Amt versieht, muß vorher eine förmliche Prüfung bestanden haben. „O möchtet ihr doch", sagte ich oft zu meinen Freuden, „die Thora nicht nur äußerlich, .sondern auch in anderem Sinne Hochhalten!" Beim Anfrus zur Thora, der sodann erfolgt, wird dem hebräischen Vornamen noch der Familienname hinzngesügt. Dem zur Thora Gerufenen wird auf dem Gange zur Tribüne von Freunden und Verwandten „Kowand" und bei der Rückkehr: „chasak" zngerufen; man antwortet mit einer stummen Verbeugung. Bevor der zur Thora Gerufene den Segenssprnch beginnt, grüßt er die die Rolle llmstehenden mit den Worten: „haschem imachem (Gott mit euch), worauf ihm: „jewrechocho haschem" (Gott segne Dich) erwiedert wird. Dem Vorleser steht nach altem Branche ein „segau" zur Seite, der jedes Wort sonfflirt. Die Sitte des Spendens für Beamte nnd Institute ist auch hier anzutreffen. Der bedachte Beamte dankt mit dem unvermeidlichen Handkuß. Hat Jemand in Livorno die Summe von 25 Lire zum Besten des Jngendunterrichts gespendet, so stimmen die hinter der Gmporbnhne stehenden Religionsschüler nnd Ghorknaben wie auf ein gegebenes Zeichen den Freudengesang an: „Ki bi jirbn jomecho wejaussivu lach schenans Ghajim". (Durch mich sollen Deiner

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