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Der Israelit · 1885-04-30 · Heft 34 (30.4.1885) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 34 (30.4.1885)
Date
1885-04-30
Page
– (sequence 4)
Language
German
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560 nt« ft der Zeuge: « sei am 21. Januar 1 SS t gegen Abend bei dem Bilderhändler Prznbilski gewesen und etwa gegen 7'/, Uhr. es rönne auch schon später gewesen sein, nach Hause gegangen. 1«r habe sich in jener Nacht nicht ausgetteidet, da bis spät Nachts eine Schneiderin in der Stube arbeitete. Als diese schon son war. babe er so fest geschlafen, das: er das Ausziehen vergessen habe. Jedenfalls sei er in jener Nacht zu Hause gewesen. Am 18. Januar sei er vom Wagen gefallen und habe sich arg den Tnjimm verletzt. — Präs.: Wir werden Morgen eine» Arzt hören, der bekunden wird, daß die Wunde am Daumen auch möglicherweise von einem Biß hcrnihrt. — Zeuge Boß bc üätigt daß Iosephson am 18 Januar jedenfalls in etwas an grlntnkenem Zustande vom. Wagen gefallen sei. — Aus Befragen des Staatsanwalts bekundet der Zeuge: Der Finger babe sehr geblutet, daher sein Pelz mit Blut befleckt worden. — Simon Iosephsobn, Friederike und Johanna Iojephsohn, Gcichwistcr des Borzcugen bestätigen vollständig des letzteren Deposit«. Frau Reimann: Sie haben im vergangenen Iabre vielfach in der Familie Iosephsohn verkehrt. Am 21. Januar 1884 sei sie Nachmittags gegen 5 Uhr zu Iosephsobn gekommen, liegen 7 Uhr Abends seien Hermann nitd Simon Iosephsobn sortgegangen. Gegen 9 Uhr Abends sei Simon, nicht aber Hermann wiedergekommen. Hermann babe weder bei dem Abendbrot ihr gegenüber gesessen, noch sei er überhaupt, nachdem er gegen 7 Uhr Abends sortgegangen, an jenem Abende wieder gekommen. Auf weiteres Befragen des Präsidenten bemerkt die Zeugin: Sie sei bis 11 Uhr Abends bei Iosephsobn gewesen und könne mit Bestimmtheit behaupten, daß Hermann nicht dagewesen sei. Hermann sei sehr lebhaften Temperaments, sie hätte ihn in Folge dessen sehen müssen. Die Mina Koschiella sei ebenfalls an jenem Abende bei Iojephsohn gewesen. — Präs.: Das wird aber doch auch von mehreren anderen Zeugen bestritten? — Zeugin: Gs ist auch «täglich, daß die Äoschiclla an einem anderen Abende bei Iojephsohn gewesen ist. — Prä».: Soeben haben Sie aber mit voller Bestimmtheit behauptet: Die .üolchiella sei am 21. Iaunar Abends bei Iosephsobn gewesen? — Zeugin: Ich habe nicht gewußt, daß es sich um den 21. Januar gehandelt hat. — Präs.: trin anderer Tag kommt doch aber gar nicht in Frage. Irren Sie sich vielleicht auch bezüglich des Hermann Iosephsohn? — Zeugin: Nein, ich weiß mit voller Bestimmtheit, daß Hernrann, nachdcnr er gegen 7 Uhr- Abends sortgegangen, bis 1l Uhr,;n welcher Zeit ich sortging. nicht wiedergekommen ist. — Die vernommenen Geschwister des Hermann Ioicphiohn bleibe» bei ihren Behauptungen: eine Grgcnüberstellitng derselben mit der Reimann führt zu keinem Erfolge. (Siehe Forts, in der ersten Beilage.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, 26. April. „Au5 Nom!" Ucber dieses Thema hielt Herr Tr. A. Berliner am vergangenen Sonnabend Abend einen zweiten Vortrag, in welchem der Redner besonders die cnltncllen Verhältnisse des römischen Ritus besprach. Der „Ritus Rom", so setzte der Redner auseinander, hat ganz bedeutende Anklänge an den ersten Anfang des synagogaleu Ritus überhaupt und unterscheidet sich von dem spanischen nur wenig, während er von dem deutschen in einer großen Anzahl von Punkten abwcicht. Schon die Stellung des Vorbcters weist ans ihre früheste Ursprünglichkeit hin, da er noch „Scheliachzibur" oder- „Apostel" hieß und man den Namen „Ehasan" in unserem heutigen Sinne noch nicht kannte. Dieser trägt das Gebet laut vor, und während des ganzen Gottesdienstes, mit Ausnahme der leisen Schemono Esre, vernimmt man nur seine Stimme. Tie Gemeinde fällt nur beim Schlüsse eines Segensspruchcs mit einem lauten „Amen" ein; ebenso rufen vor dem Beginne der eigenen Pesuke disimrah alle Versammelten zweimal hintereinander hebräisch die Worte: „Der Ewige regiert, er hat regiert und wird regieren in Ewigkeit," wozu in den zehn Bußtagen zweimal der Ausruf tritt: ..aävnrrj Im lioelohim/* Der elegische Ton, welcher hierbei das vielhnndertstimiuigc Getöse dnrchzittert, übt, zumal ans den Fremden, einen tiefergreifenden Eindruck aus und mahnt uns seltsam an das erschütternde Gebet arn Lager eines Sterbenden. Ueberhaupt liegt in dem ganzen Bortrage des Gebetes, wie in der Eantillation bei der Thoravorlesung, etwas ungemein Rührendes: cs ist die Stimme aus den Zeiten bitteren Schmerzes, es ist das heiße Flehen, das aus gebeugtem Herzen sich elllporringt zu dem Lenker der Geschicke. Schon am ersten Tage nach meiner Ankunft im Jahre 187:; erfuhr ich an mir selbst diesen mächtigen Eindruck. Ich hatte — cs war an einem Freitag 'Nachmittag — den Titusbogen ausgesucht, .jenen stummen Zeugen von Judäas Fall und Demüthigung; ich sah meine Väter, wie sie dahmtrngcn die heiligen Tempelgeräthe, mit Paluizweigen im Haare, gleichsam, um zn prangen ob des Sieges ihrer Unterdrücker — ich wandte mich ab und mußte weinen. Inzwischen war es dunkel geworden; ich schritt zurück nach dem Eapitol über das Forum, welches die letzten Strahlen der untergehenden Sonne zu vergolden schienen, und eilte in das Gotteshaus. Ta tönten mir gerade wieder jene wchumthsvollen und doch so erhebende» Mclodieen entgegen, jene traute« Heimathsklänge: „O, raff* Dich auf in frischem Muth, Es naht Dein Licht, leucht hell' in Gluth'. Die Dich beraubt, sie find zur Beute, Es schwindet Deiner Dränger Meute. Dein Gott in froher Lust Dich schaut. Wie sich der Bräut'gam freut der Braut!" — Im Gebete selbst sind verschiedene Abweichungen vom deutschen Ritus zu bermerken. Das Jigdal, welches in Rom entstand nnd einem Daniel b. Jehuda imgehört, beschließt nur den Gottesdienst am Freitag Merck. Die Psalmen werden täglich laut \

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