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Der Israelit · 1885-04-30 · Heft 34 (30.4.1885) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 34 (30.4.1885)
Date
1885-04-30
Page
– (sequence 3)
Language
German
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559 fein Sohn mit den Boß oder Hermann Josephs»» verlehrt, wisse er nichts Am 2t. Hannar 1S81 f Nachmittags gegen 1 Ubr sei sein Sohn von Hause iveggegangen und nicht mehr lebend znrnckgekehrt. ('r habe nicht gewußt, wohin sich sein Sohn begeben. Am Aorten des 21. Januar habe er von der Auffindung der Reiche gehön und in derselben seinen Sohn erkannt. Wer der Mörder sein tonne, wisse er nicht, trr habe gehört: sein Sohn soll bis gegen 8 Ubr Abends bei dem East- Hofbesitzer k^appa Flaschen gespült haben. Am 22. Januar 1884 habe ihm ei» Mann, .Samens Sprada erzählt: Er habe am 21. Haimar Abends einen Knaben von Gappa hcranskominen und bei Boß Vornbergehen sehen. Ans dem Boß'schen Hause bade er (Sprada) den Ruf gehört; „^nophri! Duophri! Db sein Sohn am 21. Januar Eeld bei sich gehabt, wisse er nicht. Tie Kleidungsstücke des Knaben waren von geringem Werlhe. — (^asthosbesitzer ltzappa und Knecht Kasperszki bekunden übereinstimmend. der Ermordete habe am 21. Januar von 5 Uhr Nachmittags bis Slj.2 Uhr Abends Flaschen gesvüli und sei ganz vergnügt sortgegangen. Der ermordete Knabe habe wohl;wci ElaS Bier gelrunten gehabt, im klebrigen sei er vollständig nüchtern gewesen.?Irbeiicr Lprada:' (*r Habe am Abend des 21. Haimar einen Knaben bei den: Boß'schen Hauie vor übergehen sehen und dabei den .Aus: Dnophri! Dnophri! gehört : ob diese Worte in polnisch-jüdischen Hargon gesprochen wurden, wisse a nicht mehr. — Der Präsident bedeutet ihm, daß er früher mit voller Bestimmtheit behauptet: die Worte seien in jüdisch-polnischem Hargon gesprochen worden. — Ter Zeuge erklärt: er habe von dieser seiner Wahrnehmung am 22. Han. Abends Mittheilung gemacht, Evbnlla erwiedert jedoch, daß dies mehrere Tage ivater gewesen sei. — erscheint alsdann als .Zeuge der zunächst verhaftet gewesene Kausm. Heim. 'Boß jun. Der Knabe Enbulla habe ihm häufig Semmel gebracht: das letzte Mal sei er am 21. Januar 1884 deS Morgens bei ihm gewesen. Daß er am Abende des 21. Hannar den Knaben cm geruien, sei unwahr: daß in der Nacht vorn 21. bis 22. Han. in seinem Hause große Unruhe geherrschl, bestreite er ebenfalls. Eieich nach Auffindung der Leiche habe Behrendt laut gerufen: Das haben die Huden gethan! Am 28. Hannar sei er (Zeuge) vernommen worden. Die bei ihm Vorgefundener: Blnsilccken. Blutklumpen re. erklären sich aus dem Umstände, daß er bisweilen in seiner Behausung Bich geschlachtet habe. Hn seinem Ziegennalle sei in der Nachl vom 21. zum 22. Hannar aller dings der Ständer nmgewonen gewesen; diesen bereits etwas morschen Ständer haben jedenfalls die Ziegen umgeworsen. Mit Hosephsohn sei er nicht befreundet gewesen. — Staatsanwalt: C*s ist die Behauptung ausgestellt worden, Herr Zeuge, daß am 21. Hannar 1884 'Abends viele Huden bei Ihnen gewesen sind. — Zeuge: Das ist nicht wahr; nur mein Schwager Mendeliobn ans Neukirch ist an jenem Abende bei mir gewesen. — Hier wird gegen 1 Uhr Mittags eine kurze Panse gemacht. Aach Wiedercrössnung der Sitzung wurde der Handlungsgebülse Eoh», der zur Zeit bei Boß eonditionirte, vernommen. T erselbe bestätigt vollständig die Bekundung des Zeugen Boß. Als bei Boß Haussuchung gehalten wurde, war in her Bevölkerung von Skurcz gegen die Huden große Erregung. Einer der vorlautesten, der die Huden als die Mörder bezichtigte, war der Angeklagte Behrendt, der sich auch bei der bei Boß vorgenom menen Hanssuchnng bctheiligte. Sattler bestätigt im Wesentlichen die Angaben der beiden Borzeugen, er behauptet nur im Widerspruch mit den erstercn, daß die am Abende des 21. Han. 1884 bei Boß vorgenommcne Waaren-Anspackung bis etwa gegen 8 Uhr gedauert habe, während die Borzeugen bekunden, daß diese Waaren-AuSpacknng bis nach 9 Uhr gedauert habe. — Hrau Boß bekundet ebenfalls, daß die Waaren-Anspackung bis itach 9 Uhr gedauert habe. — Auch Kaufmann Boß sen. (78 Hahn alt), der ebensallS vom 22. März bis 12. April 1884 wegen Verdacht des Mordes verhaftet gewesen, bestätig» die Deposita der Borzeugen. Er habe in der Nacht vom 21. zum 22. Hannar 1884 keinerlei Unruhe in seinem Hause wadrgenominen. — Töpfermeister Keckermann, der zu jener Zeit bei Boß gewohnt, bekundet: er sei in der Nacht vom 21. zum 22. Januar 1884 angetrunken nach Hause gekonunen u>»d habe unter Poltern sein Schlafzimmer anfgesuchl. Dd sonst kann im Hanse gewesen, wisse er nicht; er habe jedenfalls keinen Lärm wahrgcnommen. Am 23. Hannar 1884 sei er mit dem jungen Boß nach Pr. Stargard gefahren und in einem Kruge, dessen Besitzer ein Hnde war, eingckchrl. 'Boß habe mit diesem Krug Inhaber längerere Zeit in so leiser Weise sich unlerhaltett, daß er von der Unterhaltung nichts verstehen konnte. 'Als bald daraus der Berdachl des Mordes aus die Juden lenkte, sei ihm das leise «Gespräch ausgefallen. - Dienstmädchen K'owalewska: Sic sei am Morgen des 22. Hannar 1884 gegen 4 Uhr von einer Hochzeit nach Hanse gekommen und da sie in ihre Schlafkammer nicht hineinkonnte, so habe sie bei der in demselben Hanse wohnenden Hran Reimann geschiasen. Kanin hatte sie sich zn 'Bett begeben, da hone sie heftig poltern und einen schweren Gegenstand tief hinnntcrsallen. Am Donnerstag habe sie den Tienst bei Boß verlassen. Sie habe sich gefürchtet, die Torsbewohner sämmtlich behaupteten: Tie Inden haben den Knaben Enbulla geschlachtet; sie wollte deshalb nicht mehr bei Inden dienen. Berdachtsmomenle habe sie nicht wahrgenommen. Nur im Ziegenttalle waren die Latten umgefallen, ans dem lnr; vorher von ihr gereinigten Boden waren viele kleine Papierstnckchen zerstreut und die Waschschüssel; die stets in ihrer Schlafkammer gestanden, befand sich am Morgen des 22. Januar in der Boß'schen 'Wohnung. Außerdem sei vor dem Ziegenstalle Blut gesunden worden. Allerdings sei bei Boß einige Zeit vorher ein Rind geschlachtet worden. — Wittwe Reimann: Sie habe viele Jahre bei 'Boß gewohnt und hatte gegen die Hamilie Boß bis zn dem Enbnllaschen Morde nichts auszusetzen: die 'Boß waren durchaus anständige Leute. In der Nacht vom 21. zum 22. Januar 1884 gegen 2 Uhr sei plötzlich die Thür ans gegangen und es habe eine Stimme: »Buh'" hinein gerufen. Sic habe sich nebst ihren beiden Töchtern sehr erschreckt und habe geglaubt, daß Diebe bei ihr eindringcn wollten. Etwa eine Stunde später sei daS Dienstnlädchen Kowalewska gekommen und gegen 4 Uhr habe sie ein ganz eigenthüinliches Eeränsch gehört. Die Latten im Ziegenstalle können unmöglich von den Ziegen eiiigeworsen worden sein. Als Herr Boß in den Ziegenstall trat, sei ihr sei,» Benehmen sehr ausgefallen. Letzterer habe gesagt: ES mfiffe ihm Jemand einen Schabernack gespielt haben. Amtsvorstcher Ernst: Aut ihn habe es auch den Eindruck gemacht, als wären die Ziegen nicht im Stande gewesen, die Latten nmzuwersen. — Hräulem Reimann, Tochter der Borzengin: Tie habe in der Redestehenden Nacht ebenfalls ein Ecräusch wahrgenommen. Daß das Ecräusch durch den in jener Nacht herrschenden Sturm verursacht lvordcn, glaube sie nicht. Präsident: Ich habe dabei den Steckerwann im Verdacht, der in jener Nacht angelrnnkcn nach Hause gekommen und dabei ein großes Eeräusch verursacht hat — 'Aus weiteres Befragen des Präsidenten bekundet die Zeugin: Einige Tage nach den« Morde habe die Schwester des Herinann Hosephsohn zu ihr gesagt: Möchte man mir lieber bei dem Rechten und nicht bei dem Unrechten nach der Spur deS Mörders suchen. — Alsdann erscheint als Zeuge der Handelsmann Hermann Hosephsohn, 30 Jahre alt. Dieser ist vom 3l. Januar dis 1>. Mai 1881 wegen Berdachl des Morves verhaftet gewesen. 'Auf Befragen des Präsidenten bemerkt der Zeuge: Er handle mit Produeten, Hellen :c., mit dem Knaben Enbulla sei er niemals znsammengelrojsen. Der 'Präsident läßt den Angeklagten neben den Zengen treten, um sestzustellen, daß dieser dem Zengen an Hignr gleicht. — Ans Befragen des Präsidenten de-

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