Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 34 (30.4.1885)
- Date
- 1885-04-30
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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.Hunger zu stillen. — Da sagte Raw zu Rabba: Zahle ihnen den Tagelohn aus. — Ist das so Rechtens? fragte Rabba. — Ja. für Dich, entgegnete Raw, wie es heißt: Und die Pfade der Gerechten sollst Dn beobachten. (Schluß des obenangesnhrten Verses). — So wird auch im Schulchan Aruch (5 Höschen RUschpat (5. 27,9 5» empfohlen. Gefundenes selbst dmul znrückzugeben, wenn aus Mangel an genügenden Beweisen kein rechtlicher Anspruch auf die Wiedergabe gemacht werden kann, sobald nur die Wahrscheinlichkeit da ist, daß der Beanspruchende der Eigenthümer sei. Für diese Stufe der hohen Vollendung empfiehlt Rabbi die Wahl des Weges, der wahrhaften Ruhm jbei Gott und Menschen findet. Die zweite, niedrigere Stufe ist diejenige, auf der sich die Menschen befinden, die sich nur verpflichtet fühlen, das za thnn, was geboten, und das zu meiden, was verboten ist. Ihnen befiehlt Rabbi, daß sie mit gleicher Sorgfalt die leichten wie die schweren Gottesgebote beobachten sollen. Die dritte, noch niedrigere Stufe ist diejenige, auf der sich die Schwankenden befinden, die zwar das Gute und Rechte wollen, aber nicht immer stark genug sind, schweren Versuchungen zu widerstehen. Wir wollen das an einigen Beispielen klar machen. Es beobachtet Jemand die gottgcbotene Sabbatruhe auf das Strengste. Da bietet sich ihm am Sabbat ein Geschäft dar, das ihm großen Gewinn verspricht, wenn er die Sabbatruhe verletzt. Er wankt und schwankt. Zu ihm spricht Rabbi: Berechne doch den unendlichen Lohn, welchen der allgütige Gott den Beobachtern der Sabbatruhe verheißen hat kann wohl irdischer Erwerb, und sek er noch so grog, dem gleich kommen? — Oder es bietet sich der Tochter eines unbemittelten Mannes die Gelegenheit, sich glänzend zu verheirathen; der Bewerber ist aber ein Verächter des göttlichen Gesetzes. Der Vater wankt und schwankt, ob er seine Einwilligung geben oder versagen soll. Ihn mahnt Rabbi: Berechne doch, welch unendlicher Schaden für Deine Tochter, Deine künftigen Enkel bis zu den spätesten Geschlechtern in religiöser Beziehung erwächst, wenn Du dem irdischen Vortheile vor den religiösen Rachtheilen den Vorzug gibst! Auf der vierten und niedrigsten Stufe befinden sich Diejenigen, die Gott nur aus Furcht vor Strafe dienen. Sie warnt Rabbi davor, daß sie im Geheimen sich von ihren Leidenschaften hinreißen^lassen. Selbst in finsterer Nacht, selbst am einsamsten Orte sieht Dich ein allsehendcs Auge, hört Dich ein allhörendes Ohr, und all Deine Thaten werden ausgezeichnet und nimmer vergessen! So schön und zutreffend uns diese Erklärung erscheint, so meinen wir doch, daß sich Rabbi mit seinen Ermahnungen nicht an vier verschiedene Menschen wendet, sondern in allen vier Fällen an Jeden, der die Absicht hat, Gott zu dienen. Auch der edelste Mensch, der sich stets bemüht, pn rrmtrz mehr zu thnn als das strenge Recht erfordert, ist häufig geneigt, Gottes Gebote, die ihm leicht erscheinen, zu vernachlässigen; auch kömmt er manchmal in Gefahr, schweren Versuchungen nicht widerstehen zu können; auch kommen Fälle vor, daß die Gluth der Leidenschaft selbst die Edelsten und Besten übermannt, wie mtsere Weisen uns von dem frommen Rabbi Amram erzählen. Dieser war, von der Leidenschaft verblendet, im Begriffe, ein schweres Unrecht zu begehen. Niemand sah ihn; da, im letzten Momente, zog er durch den Ruf: Feuer, Feuer! die Nachbarn herbei und war gerettet. Das Leben des Frommen ist ein immerwährender Kampf, nicht allein gegen feindliche Menschen und U'.nstände, sondern schwerer noch gegen den innern Feind, der im Herzen des Menschen nistet, gegen den Trieb zum Bösen, und da gilt es, alle Mittel zum Kampfe stets in Bereitschaft zu halten. (Fortsetzung folgt.) Der Word des Knaben Gvönlka vor dem Schwur-Gericht. (Unbefugter Nachdruck verboten.) Danzig, 22. April 1885». Erster Tag der Verhandlung. (Fortsetzung.) Ter erste Zeuge, Bauerssohn Tubiella erzählt, wie bereits milge thrilt, in weicher Weise er am Morgen des 22. Januar 1884 die Reiche gefunden habe. — Amtsvorsteher l*rnjt t Sture;) bestätigt diese Belundnug und bemerkt aus Befragen des Präsidenten: das Tors Sture; zähle etwa 2000 Einwohner, darunter etwa i»0 jüdische Seele». Tie übrige Bevölkerung sei säst ausschließlich katholisch. Ter Verdacht der Ihäterschaft lenkte sich zunächst aus die Inden uub zwar sperren aus den Handelsman Hermann Iosephsoyn: er habe jedoch keinerlei Verdachtsmomente gegen Iosephsohn oder gegen irgend eine andere Person »vahrnehmen können. Behrendt habe sich seines Wissens noch immer gm geführt; nur wenn Behrendt angetrunken wäre gewesen, und das sei nicht selten vorgekommen, habe er im Torfe Skandal gemacht und alle ihm Begegnenden mit 0?ewaltlhätigteiten be droh«. Ter ziveite Zeuge ist der Vater des Ermordeten» Schneidermeister (fybulla aus Sture;. trr bekundet, wie die nreisten Zeuge»«, mittelst Tollmetscher: Sein erinordeter Sohn sti 14'/* Jahre alt und ein körperlich sehr entwickelter, im Uebrigc,» sehr guter Junge gewesen. Ter «nabe sei theils bei einem Bäcker, theils bei rinrin 0?astwirth, bei letzterem mir Ilaschenspülen brschäsiigl gewesen. Wenn er lZenge) eine Ziege geschlachtet, habe sein Sohn Onophrius das Zell verkauft. Sb