Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 33 (27.4.1885)
- Date
- 1885-04-27
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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547 fordert „Luther-Bibeln" altes und neues Testament enthaltend, zu kaufen, welcher Aufforderung mehrere israel. Familienväter bereits entsprochen haben, während sie die Anschaffung nothwendigcr jüdischer Bücher für ihre eigene Schule abgelehnt. Nach dem Urtheile Sachverständiger gehört aber Bibellesen zum Religionsunterrichte, welchen jede Confessio« separat erthcilt; es dürften daher die isr. Schüler vom Bibellesen dispensirt, keineswegs gezwungen werden: lnth. Bibeln zu kaufen, die für dieselben zweck- und nutzlos sind. 8. Z. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien. In Bezug auf die Correspondenz aus Oedcnburg in No. 31 wird von unterrichteter Seite mitgetheilt, daß ein „Nabbinats-Asscssor" Namens Hirsch, von welchem in diesem Berichte wiederholt die Rede ist, in der Wiener Eultusgemeinde nicht existirt und auch nie exiftirt hat. Wien, 21. April. In der heutigen Sitzung des Gcmcindcraths thcilte der Vorsitzende mit: Die Söhne des verstorbenen Frciherrn Max v. Springer haben an den Bürgermeister folgendes Schreiben gerichtet: „Hochgeehrter Herr Bürgermeister! Zum Andenken an unseren verstorbenen Vater, und um die Liebe zum Ausdrucke zu bringen, mit welcher er stets an seiner zweiten Heimath Wien hing, widmen wir einen Betrag von 50,000 fl. unter folgenden Modalitäten: Dieser Betrag soll pnpillarsicher angelegt und als „Max Springcr'-'he Stiftung" in der städtischen Kasse verwahrt werden. Der Ertrag dieser Stiftung soll jährlich am Todestage unseres Vaters — 13. April — an 25 Angehörige der arbeitenden und dienenden Elasse ohne Unterschied der Confession, welche in Wien oder dessen Vororten geboren und dorthin zuständig sind und welche durch Alter, Krankheit oder Unglücksfälle arbeitsunfähig wurden, gleichmäßig vertheilt werden. TaS Vertheilungsrecht soll dem jeweiligen Bürgermeister der Stadt Wien zuktehe». Wir bitten Sie, hochgeehrter Herr Bürgermeister, die fornictle Durchführung dieser Stiftung zu veranlassen, und zeichnen mit dem Ausdrucke ausgezeichneter Hochachtung Wien, 21. April 1885. Gustav, Alfred, Hermann und Dr. Otto Freiherr v. Springer m. p." Außer dieser Stiftung wird aus dem Nachlasse noch ein Betrag von 120,000 fl. für wohlthätige Zwecke verwendet werden. Bon dieser Summe hat nämlich Baron Max Springer in seinem Testamente 20,000 fl. für verschiedene humane Zwecke und 100,000 fl. speciell für die Errichtung eines Waisenhauses bestimmt. Die letztere Stiftung wird, der früher zu erfüllenden Formalitäten halber, erst in einigen Monaten activirt werden können. In seinem letzten Willen ermahnt der Testator seine Söhne, der Armen und Hilflosen stets eingedenk zu sein. Pefth. Den Nachrichten über die in Budapest am 2. Mai zu eröffnende allgemeine Ausstellung ist folgende Notiz zu entnehmen: „Der Primar-Ärzt im Nothschild'schen Hospital in Jerusalem, Dr. Josef Schwarz (ein Kaschauer) sendet vier Kisten mit verschiedenen Gegenständen zur Landesausstellung nach Budapest. Ein großer Theil der Sendung besteht aus Holzschnitzereien und Steinmetzarbeiten, die von den Bewohnern mit viel Geschick verfertigt und an die frommen Pilger verkauft werden. Eine Kiste enthält Kleidungsstücke, Geräthe und sonstige Erzeugnisse der Industrie im heiligen Lande. Bon besonderem Interesse dürfte eine Sammlung . von mehreren hundert Ansichts-Illustrationen sein, die alle in der heiligen Schrift genannten Gegenstände veranschaulichen. Es sind dies photographische Aufnahmen, die Dr. Schwarz durch einen derzeit in Palästina weilenden italienischen Photographen anfcrtigen ließ." Czernowitz, 18. April, lieber einen großen Brand, der das Städtchen Wiznitz am Ezercmosz heute Nacht vernichtete, berichtet man der „W. A. Z.": „Nahezu l 60 Häuser sind ein Raub der Flammen geworden, sechshundert Familien find laut amtlichen Berichten obdachlos, was darin seine Erklärung findet, daß in je einem Hanse, drei, selbst vier Familien wohnten. Als das Feuer gestern Abends 8 Uhr in einem in der Stadt gelegenen Hanse ansbrach und sich, vom Winde und durch das trockene Holzwcrk genährt, mit rasender Eile fortbewegte, da war an eine Rettung von Hab und Gut nicht zu denken, die ans ihren Häusern Verjagten mußten nur darauf achten, ihr Leben 3» schützen. Zwei Menschen — nur so viel konnte m der schrecklichen Verwirrung bis zum Augenblicke ernirt werden — kamen im F ammenmeere um; der Schaden und Verlust an Viehstücken, Mobilien, Geld und Effekten konnte noch nicht ermittelt werden, beläuft sich indes; sicherlich auf viele Hunderttausende von Gulden, den Schaden an Häusern nicht in Anschlag gebracht. Das Elend und die Verzweiflung der armen Bevölkerung vermag Niemand zu schildern. Die hiesige Landesregierung gibt bekannt, daß sofort eine Sammlung für die Unglücklichen eingeleitet wird. Wiznitz ist beiläufig