Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 33 (27.4.1885)
- Date
- 1885-04-27
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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548 acht Meilen von Czernowitz entfernt, trotzdem wurde Nachts hindurch eine Helle Flammenröthe am Firmamente bemerkt. Die Entstehungsursache ist noch unbekannt. Die Stadt ist zum größten Theile von Juden bewohnt. Sniatyn, (Galizien), 21. April. Große Aufregung herrscht im Kreise der hiesigen Bewohnerschaft wegen eines Vorfälle«, welcher auf unsere Justiz-Zustände ein grelles Schlaglicht wirft. Der allgemein geachtete Vorsteher unserer jüdischen CulLusgemeinde Chajm Rosenkranz wurde auf Grund falscher Denunciationen Plötzlich verhaftet. Der Manu, seit Jahren schwer krank, asthmaleidend, fast ganz erblindet, wurde in einen feuchten Kerker geworfen. Die Familie des Unglücklichen legte der Staatsanwaltschaft und dem Gerichte ärztliche Atteste über den ernstlich gefährdeten Gesundheitszustand des Verhafteten vor; trotzdem wurde der Mann nicht einmal in ein Spital transferirt. Der Abgeordnete Dr. Bloch wurde mit Depeschen bestürmt, und intervenirte derselbe wiederholt zu Gunsten des Mannes; er überreichte dem Justizmmister eine von mehreren hundert der angesehensten Bewohner Sniatyns, von dem Bürgermeister und den Gemeinderäthen gefertigte Petition um Freilassung des Unglücklichen, er nahm auch beim Generalprocurator Dr. Glaser Audienz, allein die seitens des Ministeriums abverlangten Berichte sind bis heute noch nicht eingetroffen. Am 20. d. M. war Dr. Bloch beim Referenten im Justizministerium Baron Kanne, welcher beim Eintreffen der Acten eine sofortige Erledigung zngesagt. Eine telegraphische Verfügung ohne vorhergegangene Einsichtnahme in die Acten erklärte er für unmöglich. Unterdessen jst der gebrechliche Greis am 21. d. M. seinen Leiden im Kerker erlegen, was die Aerzte vorausgesagt haben. Wie wir hoffen, wird über diese Gerichtsaffaire jedenfalls eine strenge Untersuchung cingcleitet werden. Das Verfahren der k. k. Staatsanwälte in Galizien beginnt die öffentliche Aufmerksamkeit in hohem Grade zn beschäftigen. Nach einander sind bis jetzt unschuldig verhaftet gewesen und nach vielmonatlicher Qual in Freiheit gesetzt worden: I. B. Schapira, S. Engel, T. Kugelmaß in Horodenka; Sal. Klugmann nebst Frau, Jakob Schäfer, M. I. Kugler in Sniatyn; Weingarten, Halpern und Regenstreif in Czernowitz. Die mehrmanatliche Haft hatte die Familien, ihren Credit, ihre Erwerbsthätigkeit vernichtet — dann wurden die Verhafteten in Freiheit gesetzt' Sapienti sat. (Oest. Wochenschr.) Rußland. Petersburg. Unser Glaubensgenosse Herr Poliakoff, bekannt unter dem Namen der »russische Eisenbahnkönig", wurde mit großer Majorität zum Mitglied des Stadtraths erwählt, eine Ehre, die soweit mir bekannt, noch keinem Juden zu Theik geworden. Türkei. Konftantinopcl, 22. April. Am vorigen Samstag veranstalteten die Griechen in Kadikau bei Konstantinopel eine Judcnhctze. Zwei türkische Polizisteu hatten ein Kreuz beschmutzt und an die Thür des Ladens eines Griechen gestellt. Die Griechen hielten die Juden für die Schuldigen und es erfolgte daher ein Angriff gegen das jüdische Stadtviertel: alle Fenster sämmtlicher von Juden bewohnter Häuser wurden zerschlagen und 36 arme jüdische Familien würden obdachlos. Obgleich die Türken die Polizisten verhaftet und den Patriarchen aufgefordert hatten, die Griechen zur Ruhe zu ermahnen, dauerten die Ruhestörungen auch gestern noch fort. Selbst in Peru wurden 20 Personen verhaftet, weil sie Juden angegriffen hatten. P a l ä st i n a. Jerusalem. Ter Rechenschaftsbericht des Vereins „Eßrath Nidachim" über das verflossene Jahr weist eine Ausgabe von 16801 Piaster aus. Unterstützt wurden Sephardim mit 1186 P., Aschkcnasim mit 2068 P. zur Rettung von Personen, die in die Netze der Mission gerathcn waren, wurden 2406 P., für Darleihen 761 P., für Erbauung von Häusern 7197 P., für Schuldentilgung 1509 und für Diversen 1682 P. verausgabt. Tie Einnahmen betrugen 12803 P. Erfreulich ist, wie der Bericht besonders hervorhebt, daß nunmehr auch viele europäische Wohlthäter für diesen so segensreich wirkenden Verein mit größeren Unterstützungen eintrctcn. Möge demselben diese gute Gesinnung auch fernerhin gewahrt bleiben! Amerika. St. Louis. Bekanntlich wird in Amerika die Sonntagsfeier sehr streng gehandhabt; alleBer-