Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 33 (27.4.1885)
- Date
- 1885-04-27
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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541 waren, und wenn derselbe auch nicht überall die mit Recht erhoffte Beachtung und Berücksichtigung fand, so wurde doch eine nennenswerthc Anzahl neuer Mitglieder und eine dem entsprechende Vermehrung zuverlässiger Einnahmen für die Stiftung gewonnen. Trotzdem mußten, um dringenden Anforderungen genügen zu können, wiederum die Reserven um den Betrag von beinahe M. 2900 in Anspruch genommen werden. Die Berwaltnng bittet Alle, mit reichlichen Spenden die Wirksamkeit des Almosenkastcns stets fördern zu wollen. O e ft c r r. - U n g a r. Monarchie. Wien, lieber den am 13. d. M. hier verstorbenen Baron Max Springer äußert sich der von Herrn Jos. Ritter v. Werthcimer redigirtc Geschäftsbericht folgendermaßen: „Max Freiherr von Springer, Ehcf der Firma Max Springer, ist gestern Nachmittags einem längeren Leiden erlegen. Er wurde wegen seiner hervorragenden industriellen Verdienste in Oesterreich in den Nitterstand und späterhin in den Freihcrrnstaud erhoben, in Frankreich zum Officier der Ehrenlegion ernannt. Epoche machten seine beiden großen Preßhefefabriken bei Wien und Paris()lrü8i»n Älfuvtl) welche gegenwärtig unter der Leitung seines Sohnes Baron Hermann Springer stehen. Ferner acquirirte er die bedeutende früher Haydinger'sche Porcellanfabrik in Ellbogen und erhob dieselbe zu einer exportfähigen; auch hatte er sich an dem Baue der Semmeringbahn bctheiligt. Rühmlich wird von der industriellen Sphäre seiner Thätigkcit berichtet, daß socialiftische Wühlereien in den Springer'schen Fabriken niemals Boden fanden, well die Arbeiter alle Ursache hatten, mit ihrem Lose zufrieden zu sein. Dem Vororte Rudolfsheim, in welchem die gedachten industriellen Etablipements begründet wurden, gereichten dieselben zur größeren Belebung, und wurde er in dankbarer Anerkennung dessen und so vieler Wohlthätigkcitsaetc, durch welche er sich um Rndolfsheim verdient gemacht hat, zu dessen Ehrenbürger ernannt. Seine sinancicllc Laufbahn stand der industriellen keineswegs nach; bei der Gründung der Auglo-Oesterreichischcn Bank war Baron Max Springer in hervorragender Weise bethciligt und sein seit zehn Jahren der Leitung seines ältesten Sohnes Baron Gustav Springer überantwortetes Bankhaus rangirte durch seine höchst solide und umsichtige Gcbahruug zu den bcstrenommirten des Platzes, bis sich dasselbe in den letzteren Jahren größtentheils auf eine centrale Vermögensverwaltung-beschränkte. Von anderer Seite erfährt auch die geistige Begabung des Verewigten und sein feiner Kunstsinn, sowie seine Liebenswürdigkeit im geselligen Umgänge die verdiente Anerkennung, die ihm vielfach bei seinem Hintritte gezollt wird." Das Leichenbegängnis; fand am 15. April 1SS5 uiu 3 Uhr Nachmittags vom Trauerhause, 1. Bezirk, Kärntnerring Nr. i 4, aus statt. Zu der Leichenfeier kam eine Deputation ans Budapest nach Wien. Man hat in der magyarischen Hauptstadt nicht vergessen, daß Baron Mar Springer auch für die Armen und Elenden llngarns viel gethan, daß er speciell der durch die Verhältnisse zur Auswanderung gezwungenen Israeliten sich in großherzigster Weise angenommen hat. Es verdient erwähnt zu werden, daß cs Baron Max Springer war, an welchem die aus dem Dißa-Eßlarer Prozesse bekannte Familie Scharf einen Netter in der Norh gefunden. Mit den Empfehlungen Springer's versehen und mit dem nöthigen Reisegeld ausgerüstet, erhielt die Familie Schars, auch der noch unvergessene Sohn Moriz, in Amsterdam Wohnung und dauernden Unterhalt.— Man bemerkte bei der Leichenfeier den Prinzen Taxis, Minister Dr. Unger, die Grafen Zichy und Kinskn, den Präsidenten der Allianz von Werthcimcr, mehrere Hofräthe und Militärs. Auf dem Friedhöfe widmete der Prediger Dr.Gndemann dem Verblichenen warme Werte und pries den Wohlthätigkcitssiun desselben. Pefth, 16. April. Vor dem Obersten Gerichtshöfe gelangte heute der Proccß gegen die ans Anlaß der Zalaer Jndcn-Exccssc angeklagten 45 Personen zur Verhandlung. Fast sämmtliche Strafen wurde» verschärft. Pesth, 23. April. In der ans Antrag der Anliscmiten erfolgten namentlichen Abstimmung im Reichstage wurde bei demonstrativem Fcrnsein von 162 Abgeordneten die Beseitigung des jüdischen Vertreters aus dem Oberhaus mit 139 gegen 4l angenommen. Der Abg. Ehorin (Israelit) begründete in würdiger Weise das Votum der 7 jüdischen Abgeordneten, mit denen hauptsächlich die gcmäßigtOppositionellen, einige von der äußersten Linken und alle anwesenden Sachsen stimmten. Budapest, 12. April. Ein glänzendes Zeugnis; des allbekannten und des altbewährten jüdischen Wohlthätigkeitssinncs legte die heute stattgcfundcne Generalversammlung unserer Ehewra-Kadischa, des schönsten Humanitätsvereines des Landes, ab. Tie gutbesuchte Generalversammlung erössnete der für das Gedeihen der Ehcwra rastlos thätige Präsident Herr Karl Reutz mit einer trefflichen Ansprache, in welcher besonders betont wurde, daß der heilige Verein stets gewissenhaft seine Pflicht erfüllte und daß —