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Der Israelit · 1885-04-27 · Heft 33 (27.4.1885) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 33 (27.4.1885)
Date
1885-04-27
Page
– (sequence 3)
Language
German
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539 der Leiche weder Spuren eines Kampscs noch Btutslcckrn vorhanden gewesen, so behaupten die Sachverständigen, daß die Thal im Torfe selbst und zwar in einer Behausung verübt worden sei und daß der Mörder die Leiche erst nach vollbrachter Thal an den Fundort geschasst habe. Ta die Umstände einen Raubober Lustmord vollständig ausschließen, auch nichts dafür spricht, daß Jemand auf den 14jährigen Knaben einen so surchlbarcn Haß gehabt habe, der ihm zu einer solch entschlichen Thal Veranlassung gab, so wurde sehr bald die Beschuldigung laut: die Juden haben den Mord begangen, um an den Tstcrseiertagcn Ehristenblut zu haben. Tiefe Beschuldigung erhielt durch die damals in der Skurczcr legend verbreitete Broschüre über den Tisza-Eszlarer-Prozeß, und ferner durch Bücher wie: „Brauchen die Juden Ehristenblut?" :c. vollauf Nahrung. Außerdem ercrzählte ein Mann, Namens Spröda: Am Abende des 21. Januar 1884 habe er von Gapva einen Knaben herauskommen sehen. An dem Hanse des jüdischen Kaufmanns Boß sei der Knabe auf Aufrufen des Boß in 'dessen Haus gegangen. Ta jedoch der Mörder zweifellos ein im Seciren sehr gewandter Mann sein muß, so lenkte sich der Verdacht aus den jüdischen Schlächter Blumeltheim in Skurcz. Dieser vermochte aber den Nachweis zu führen, daß er in der Mordnacht verreist gewesen sei. 'Nunmehr lenkte sich der Verdacht auf den Kansmann Boß und dessen Vater und in Folge einer Aussage eines Arbeiters, Namens Mankowski, auch auf den in Skurcz wohnenden jüdischen Handelsmann Hermann Joscphsohn. Mankowski bekundete nämlich: Am 22. Januar des Morgens sei er von seiner Hcimath Ekorczewo über Skurcz nach Pr. Stargard gegangen. Kurz vor 6 Uhr habe er am Thiesscn'schen Gasthose einen Menschen getroffen, der einen schweren Sack aus dem .Nücken trug und den Tssicker Weg gegangen sei. Er habe geglaubt, der Mann trage ein Kalb, an der unteren Ecke sei jedoch ein ninder (Gegenstand, der wie rin Menschenkopf aussah. bemerkbar gewesen. In dem Träger dcS Sackes habe er den HrrnlMln Josephsohn erkannt. Anläßlich dessen wurde Josephsohn und einige Zeit darauf auch Boß (Vater und Sohn) in Hast genommen. Tic Untersuchung gegen diese drei Personen ergab jedoch keinerlei Anhaltspunkte. Dagegen erklärte Manlowsti einige Monate später, und zwar nach eindringlichen Ermahnungen des (>riminal (Kommissars Höst aus Berlin: Er habe «licht den Joscvhsohn, sondern den Fleischernieistcr Behrendt aus Skurcz mit voller Bestimmthcil als den Träger des Sackes erlannt. Bon dem Morde habe er erst am 28. Januar durch seine Mutter Nachiichl erhalten. (Einige Tage später habe ihn« seine Mutter mitgetheilt: Fleischrrmeister Behrendt habe ihn sprechen wollen. habe in Folge dessen sofort zn seiner Mutter gesagt: der Träger dcs genanutcu Sackes sei Behrendt gewesen, dieser habe jedenfalls die Leiche im Sacke getragen. Am 27. Januar habe ihm fein Nachbar ZilinSki ebenfalls gesagt: Behrendt wolle ihn sprechen. Behrendt soll dabei geäußert haben: er (Mankowski) solle z»lm AlntSvorsteher konimen und dort bekunden, daß er nicht den Behrendt, sondern den 7>oscpysohn am 22. Januar früh mit dem Sacke auf dem .Nücken getroiien habe. Einige Tage später sei er mit Zilinski nach Sturz gegangen. Am Eingänge des Torfes habe sic 'Behrendt schon erwartet und gesagt: er (Mankowski) solle nur stramm gegen Josephsolnt aussagcn: er werde dafür gm bezahlt erhalten, cs werden Gelder zu diesem Zweck gesammelt werden. Wenn er bekunde, daß der Träger des Sackes Josephsohn gewesen, dann würden alle Juden ans Deutschland gejagt werden. In dieser Weise habe Behrendt unablässig auf sein Zeugniß einzn- «virken gesucht. Tie Mutter des Mautowski bestätigte in vieler Beziehung diese 'Bekundungen ihres Sohnes. Behrendt hat sich außerdem bei der gerichtlichen Obductiou der Leiche und bei noch mehreren anderen (Gelegenheiten durch Redensarten :c. sehr Derdächtig gemacht. Bei der gerichtlichen Leichen-Obdnktion sagte der Besitzer Hossinann zu Behrendt: die tvisseuschaitlichen Fortschritte sind jept derartig, daß mail durch das Photographiren des Auges des Ermordeten die Person deS Mörders erkennen kann. Behrendt soll in Folge dieser Erzählung leichenblaß geworden sein, habe gezittert und laut gestöhnt. Ta Behrendt außerdem über seinen-Aufenthalt am Abende des 21. Januar widersprechende Angaben machte, er ferner der erste war, der die Beschuldigung erhob, daß nur Juden den Mord begangen haben können und als dieselbe Beschuldigung gegen ihn laut wurde, er sehr niedergeschlagen «var und auch nicht, wie er mehrfach gedroht, diese Beschuldiger wegen Vcrlänmdung verklagte, so wurde er am 10. Mai 1884 wegen Verdacht des Mordes verhaftet, Josephsohn und die beiden Boß dagegen in Freiheit gesetzt. Behrendt soll nun mit der Familie Eabulla verfeindet gewesen sein. Aus diesem Umstaitde folgert die Anklagebehörde, daß der zu Gewaltthätigkeiten stark hinneigende Behrendt sein Müthche» an dem 14jährigen Onophrius Eybnlla habe kühlen wollen und nachdem er denselben erschlagen, er die Zerstückelung des Leichnams in der angedcuteten Weise vorgenommen habe, um die Schuld ans die Juden zu wälzen und dadurch seinem großen Judenhasjc Ausdruck zu verleihen. Behrendt hat sich deshalb heute vor den Schranken Eingangs bezcichncten Gerichtshofes wegen Mordes zu verantworten. Behrendt heißt mit Vornamen: Joseph; er ist am 16. Februar 1851 zu Moroschin geboren, katholischer Konfession und bisher unbestraft. Schon lange vor Beginn der Sibnng drängte eine ungeheure Menschenmenge nach dem Schwurgerichtsgebäudc. Allein verhältnißmäßig nur sehr wenigen Leuten war der Zutritt zu der Verhandlung gestattet, denn das Auditorium ist nur sehr klein. Ten zahlreich erschienenen Zeitungs-Berichterstatten sind sehr ungenügende Plätze cingeräumt. Gegen 10 Uhr Vormittags erschien der Gerichtshof, bestehend aus dem Land GcrichtS- Rath Arndt (Präsident) und den Land-Gerichts-Räthen Quehl und Wcdckind (Beisißende). Tie Königliche Staatsanwaltschaft vertritt (Berichts-Assessor Tr, P reu fr, die Verthcidigung führt und zwar als Wahlvcrkheidiger: Ncchtsanlvalt Thurau (Pr. Stargardt.) Das Protokoll der Verhandlung führt Land-GerichtS- Secretär Krolzig. als Dolmetscher fungirt Land Gcrichts-Secrctär Zlotowski. Nach Ausruf der Geschworenen wird der Angeklagte, ein niittelgroßer. starker Mann mir schivarzcm Vollbart in den Saal geführt. Derselbe macht einen sehr guten Eindruck. Nach Feststellung seiner Personalien wird die Geschworenenbank gebildet aus: Gutsbesitzer Klingcnberg (Kronenhof), Kansmann Pape (Danzig), Hofbesitzer Groddeck '(Wonneberg-, Rentier Noebcl (Danzig), Gemcindr Vorsteher u»«d Guls-Bcsiher Mcp(Gemlitz), Gutsbesitzer Stolzenberg (Stendsilz), Postamtsvorsteher Tahms (Slutlhos), Kansmann Schacht (Danzig), Kansmann Wien (Danzigs, Director Schnmermann (Svbbowiv), Rentier Eichhol; l'Dliva), Hofbesitzer Bochlke (Wohlass) und als Ersahgeschworene Bliihlenbesiizer Diegncr (Hcrrcngrcbin) «nid Hofbesiver Krause (Käsemark.) 'Nachdem die Geschworenen vereidigt, die Zeugen venvarnt sind und der Anllagcbeschluß verlesen ist, bemerkt der Präsident: Angeklagter, wollen Sie sich aus die gegen Sie erhobene Beschuldigung auslassen? - Angeklagter: Ich bestreite das mir zur Last gelegte Verbreche». Präsident: Erzählen Sie einmal Ihren Lebenslauf? AngeNagter: Ich besuchte bis zum vierzehnten Lebensjahre die katholische Schute in meinem Heimathsoorse Moroschin, Kreis Preuß. Stargardt, alsdann habe ich meinem Vater, der ein Bauernhof besaß, in der Landwirthschast geholfen. Im Jahre 1868 lernte ich die Fleischerei und 1874 heiralhkte ich. Zwei Jahre nach meiner Verheirathung ging ich nach Amerika, um mir dort eine«« besseren Erwerbszweig z»l gründen und wenn «nir dies gelungen, meine Frau Nachkommen zn lassen. ES! glückte mir jedoch in Amerika nicht, deshalb kamich nach etwa

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