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Der Israelit · 1885-04-27 · Heft 33 (27.4.1885) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 33 (27.4.1885)
Date
1885-04-27
Page
– (sequence 2)
Language
German
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538 Verderber ihres Volkes, die es dem Abgrunde entgegenführen. Auch die jüdische Geschichte ist reich an derartigen, traurigen Erfahrungen. Wir wollen nicht auf die falschen Propheten zurückgehen, von denen uns im Buche der Könige und im Buche Jirmija erzählt wird, wir wollen nicht auf die Volksverführer und Lectenbildner zu den Zeiten des zweiten Tempels und während des Mittelalters znrückgreifen; wir wollen mir an eine uns näher liegende Periode erinnern. Als vor wenigen Jahrzehnten die Schranken fielen, die uns in politischer, bürgerlicher und socialer Beziehung von unfern Mitmenschen trennten, da wurden durch den Strom des Lebens Biele von der alten Treue für die väterliche Religion hinweggerissen. Der erweiterte geschäftliche Verkehr wurde der Sabbatfeier gefährlich; vielfache Reisen erschwerten die Beobachtung der Speisegesetze; die studirende Jugend lernte auf den ihnen eröffneten Hochschulen und Universitäten uujüdische Anschauungen kennen. Im Anfänge dieser Periode waren sich die Gesetzesübertreter wohlbewußt, daß sie aus Leichtsinn, Bequemlichkeit oder Gewinnsucht sündigten. Dann aber traten die Apostel der sogenannten Reform auf und lehrten, daß die Verletzung der Gottesgebote nichts als fortgeschrittene Erkenntniß sei. In der Schule, auf der Kanzel und namentlich in Zeitschriften wurde der Jugend und dem Volke verkündet, daß die Gesetze unseres Gottes veraltet, die Abschaffung derselben eine Forderung des stets fortschreitenden Menscheugeistes sei. — Es erforderte einen großen Muth, jenen Wortführern, die da die Krankheit eines TheileS unserer Ration als einen gesunden, normalen Zustand zu bezeichnen so niedrig gesinnt waren, entgegenzutreten. Es gehörte nicht allein der volle Muth der Ueberzeugung dazu, sonderu auch das Dnrchdrlmgensein von dem hohen Berufe Israels und seiner heiligen Pflichten, „die da gestützt sind für alte Ewigkeiten, die gegeben wurden durch die unveränderliche Wahrheit und das unumstößliche Recht." Wer es wagte, als Ermahner seine Stimme vernehmen zu lassen, setzte sich großen Gehässigkeiten und Verfolgungen mi§. Da gab es auch wohl manche fromme Leute, da da meinten, daß sie wohl Gott wohlgefällig leben könnten, wenn sie sorgfältig die Gebote beobachteten, während sie gegen die Gesetzesverletzungen ihrer Freunde, Kinder und llntergebcnen die Augen verschließen dürsten. Da wurde manchmal mißverständlich der Ausspruch Rabbis geltend gemacht, daß nur das der rechte Weg sei, der Ruhm bei Gott und den Menschen eiutrage; der unwillkommene Ermahner, der lästige Zurechtweiser wird aber von den Menschen nicht gerühmt. Gerade deßhalb mag Rabbi semeu in die Mischnah aufgenoimnenen Ausspruch iu der Aeraitha später präcisirt haben; denn gerade die Zurechtweisung, die Ermahnung ist es, die Tiphereth, das heißt wahren Ruhm bei Gott und bei Menschen bringt. Znrechtweisen kann nur, wer sich selbst rein erhält von Schuld mib Fehl; ja die Zurechtweisung Anderer führt dazu, daß man fein eigenes Thun einer ernsten und strengen Prüfung unterzieht, und somit ist sicherlich der Lebensweg am meisten zu empfehlen, auf dem mau sich bemüht, sich und Andere steis besser, weiser und vollkommener zu machen. (Fortsetzung folgt.) Der Word des Knaöen Cyöulka vor dem Schwnr-Gericht. (Unbefugter Nachdruck verboten.) Danzig, 22. April 1885. Erster Tag der Verhandlung. ('in grau eich aslcs Verbreche», das;ur Zeit allgemeines Aufsehen erregte, gelangt heule;ur (Cognition des hiesigen Königlichen Land Schwur gerichts. Am Morgen des 22. Januar 1884 ging der Bauerssohn Dabiella über «ine kur; vor dem Dorf Sknrc; bclcgene Wiese, die von einem Abzugsgraben des Slurczer 3eea durchschnitten wird. Beim Passiren der Brücke dieses grabens sah er in letzter»! zwei uackre mcuschtiche Unterschenkel liegen. Erschreckt eilte er dem Dorfe zu; da er jedoch sehr bald einem Manne begegnete, so kehrte er mit diesem zu rück und machte in Gemeinschaft mit demselben weitere Nachforschungen. Cie fanden mm außer den envähnlen Unterschenkeln, unter der Brücke selbst einen nackten, furchtbar zugerichreten menschlichen Rumps. Oobiekla ries eiligst den Amtsvorsteher herbei, der die Leichencheile ans Land schassen und außerdem weitere Nachforschungen vornehmen ließ. Altein weder die fehlenden Oberschenkel, noch die Kleider der Leiche waren zu finden. Auch ergab die örtliche Untersuchung weder irgendwelche Spuren eines Kanipfes noch Blutflecken. Wie sich sehr bald herausstellte, war der Ermordete der 14jährige Onoschrins t^ybulla aus Sturz. Die Leichenöffnung ergab, daß der rod durch Verblutung er folgt war. An der Vorderseite des Halses zeigte der fast vollständig blutleere Leichnam eine weil Nässende glatträndrige Wunde, die bis zum Halswirbel sich erstreckte, so daß die Speiseröhre und die Hamdlutgesäße oberhalb des Kehlkopfes dnrchtrennt waren. Außer noch mehreren anderen erheblichen Verletzungen waren aus der Kopfhaut 7 parallel lausende liefe Einschnitte zu sehen. Die fehlenden Oberschenkel waren aus dem Hüftgelenk mit kräftigem Schnitte vollständig kuustgemäß ansgelöst; in ebenso kuunserttger Weise waren di« Vorgefundene» Unterschenkel abgelrennt. Der (-rm ordere war von dem gasthosbesitzer gappa in Skurcz mit Flaschenspülen beschäftigt worden. Am Abende des 21. Januar 1884. etwa gegen 8'/* Uhr ist er von gappa fortgegangen, um sich, wie er aug«ck. nach Hanse zu begeben: der Mord muß oeßhalb in der Nacht vom 21. zum 22. Januar 1884 geschehen sein. Die Sachverständige» behaupten, daß die künstliche Zerstückelung der Leiche ei« mchrftündige Operation erfordert habe. Da nun in jener bmflra Iairuar-Nachr ein sehr stürnlisches Wetter gerobl «st» andererseits am Fundorte

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