Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 33 (27.4.1885)
- Date
- 1885-04-27
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXVI. Jahrgang. M 33, Der Israelit.. E i n , Genirak - Hrgan für das orthodoxe Zudenthum. Herausgcgebeu von Dr. Lehmann in Mainz. Montag, den 27. April 3S4S (1883). Leitende Artikel. Die Sprüche der Hüter. Vl. Mainz, 23. April. Im Traktat Tamid (28 a) finden wir einen Ausspruch Rabbis, der mit dem im Traktat Aboth nicht ganz übereinstimmt Dort heißt es: ,mxn fr yyy nr rn sn n'x -wx »an xan nn nn: chya ronatne? p; aai? n*.naipn nx anx* je n,*^na*a n;m etyfr pxa rnanai na*a ,nr?*y^ nxa aia nana xan crfrp ay:» arraufri ncxjtr ahyn px »äxö »ry n:x;ty nnn' njiaxa pan’ aneix zn .'ui ncy naefr Rabbi sagte: Welches ist der rechte Weg, den sich der Mensch erwählen sollet (fr möge lieben die Zurechtweisung (Ermahnung); denn zu jeder Zeit, da Zurechtweisung in der Welt ist, kömmt Gutes, kömmt Segen in die Welt, und das Bose geht hinweg, wie es heißt: Und den Ermahuern wird Annehmlichkeit erblühen und über sie wird kommen der Segen des Guten. (Mischle E.24, 25). Andere aber sagen: er möge sich einer überaus strengen Redlichkeit befleißigen, wie es beißt: Meine Augen sind auf die Redlichen im Lande gerichtet, auf daß sie bei mir wohnen. (Psalm lüi, V. 6.) Hier gibt Rabbi eine andere Antwort auf seine Frage. Raschi versucht diesen Widerspruch zu lösen, indem er erklärt: naxp an x’\x nnaa air-fr fr 7ns anan nann .aixn ib na'L' anirn a’amc anx *;m nrx „Viele Dinge soll der Mensch sich wählen, und Rabbi gibt hier nur eine« von den Wegen an, die der Mensch sich wählen soll." — Demnach wird im Traktat Aboth ein allgemeiner Grundsatz ausgestellt, während Im Traktat Tamid nur ein Einzelnes ans dem Allgemeinen herausgegriffen wird. Mit Recht bemerkt hiergegen Meharscha, daß es nach dieser Erklärung nicht einzusehen sei, warum Andere anderer Meinung sind als Rabbi, da ja auch Rabbi zngesteht, daß es neben dem von ihm bezeichneten rechten Wege noch viele gibt. Der genannte Gelehrte gibt daher eine andere Erklärung. Er meint, daß der Ausspruch in Aboth sich mit dem im Tamid vollständig decke. — Werfen wir zunächst einen Blick auf den von Rabbi angeführten Bibelvers und den, der diesem vorhergehet: „Wer sagt zum Frevler: Du bist gerecht, den werden Völker verfluchen, Stationen verwünschen; den Zurechtweisern aber wird Annehmlichkeit erblühen, und über sie wird kommen der Segen des Guten." — Wenn die Menschen sich auf falschem Wege befinden, so kann ihnen nichts Schlimmeres sich ereignen, als daß sie von Schmeichlern und Heuchlern in ihrem schlechten Wandel bestärkt werden. Die Geschichte erzählt uns hiervon zahllose Beispiele. Könige und Fürsten, die mit den besten Vorsätzen den Thron bestiegen, aber ihre Leidenschaften nicht zu beherrschen wußten und sich dadurch zu üblen Thaten fortreißen ließen, fanden stets Schmeichler, welche die schlimmen Thaten beschönigten und sie als gut und edel darzustellen verstanden. In Folge dessen wurden sie nur zu oft schändliche und grausame Tyrannen, die den Fluch der Völker, die Verwünschungen der Rationen auf sich luden. Findet aber ein Mächtiger gute und weise Rathgeber, die den Math haben, jedes Ding bei dem rechten Namen zu nennen und die schlechten Thaten der Gewaltigen nicht gut zu heißen, so erwirbt sich ein solcher Zurechtweiser unsterbliche Verdienste um sein Volk, und der Segen aller Guten wird ihm zu Theil. — Auch ganze Völker können auf Abwege gerathen; auch sie finden ihre Schmeichler, die den Leidenschaften der Menge fröyneu, die herrschenden Laster beschönige» und Alles gut heißen, was gerade Mode ist. Das sind die