Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 32 (23.4.1885)
- Date
- 1885-04-23
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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Die dortige Bevölkerung ist nicht dicht, daher auch die Lebensmittel billig; die Wohnungsmiethe für die schönsten Häuser, die aus Mangel an Bewohnern leer stehen, ist eine sehr massige. Der Mangel an Handwerkern ist sehr fühlbar, so dass jüdische Handwerker, die sich dort ansiedeln würden, es gewiss nicht zu bereuen hätten. Auch Händler könnten hier ihr Auskommen finden, da das Geschäft blüht und die hiesigen Kaufleute im ganzen Lande bekannt sind. Hier wird die Seife fabrizirt, welche allerorts zum Kleiderwaschen dient, in Wolle und Baumwolle werden grosse Geschäfte gemacht, auch giebt es Ziegenmilch genug zur Käsebereitung und im Sommer kommen die Milch- und Käsehändler nach Sichern, um dort ihren jährlichen Bedarf einzukaufen. Würden unsere Brüder sich hier niederlassen, so würde der Handel grossen Aufschwung erfahren und der Umsatz gewiss bedeutend sein. Denn bei dem Geschäftsgeiste und der Umsicht, die unseren Glaubensbrüdern eigen sind, würden sie ohne Zweifel neue Handelsartikel und neue Absatzgebiete ausfindig machen, die ihnen und den übrigen Bewohnern des heiligen Landes zu einer ungeahnten Quelle reichsten Segens werden könnten. Und wenn auch die derzeitigen Bewohner Palästina’s nicht in der Lage sind, ihre Wohnsitze zu wechseln, warum sollen die neuen Ansiedler immer nur nach Zion ihre Schritte lenken, um das dort schon vorhandene Proletariat zu vermehren, während ihnen hier in Sichern eine bessere und menschenwürdigere Existenz in sicherer Aussicht st-ht? In frühem Zeiten, wo nur Einzelne sich in Jerusalem niederliessen, die vom Geräusche der Welt und allem irdischen Streben sich zurückziehen wollten und nur von der Sehnsucht ergriffen waren, in dieser heiligen Stadt zu leben und zu sterben, da liess sich dieses fromme Verlangen leicht begreifen und war es auch vollkommen gerechtfertigt, sich nur da niederzulassen, wo schon eine grosse Anzahl von Glaubensgenossen sich befand. Heutzutage aber, wo kräftige junge Männer, die mit ihren Familien auch noch das irdische Leben durchleben möchten, das heilige Land aufsuchen, warum sollen sie sich nicht ebensogut in Sichern niederlassen, wo alle Vorbedingungen einer besseren Zukunft vorhanden sind? Mögen diese unsere Worte Gehör finden und Diejenigen, welche ihr Augenmerk auf das heilige Land gerichtet, dazu veranlassen, bevor sie sich auf den Weg machen, das Ziel ihrer Reise sich vorher festzusetzen und dieses dann imverrückt im Auge zu behalten. Dann werden sie bald von anderen Seiten Nachahmung finden, die bisher verödeten Plätze werden bevölkert werden und der Spruch des Propheten wird sich erfüllen: „Wieder sollen übertliessen Meine Städte vom Guten!* (Secharjah 1, 17.) Aus dem Briefe eines Colonisteu auf der Colonie "ffrUön ‘IID'V//) „. Sobald mir mein Antheil an dem Terrain zugewiesen sein wird, beabsichtige ich, 1000 Oelbäume zu pflanzen, wofür unser Land sehr geeignet ist. Diese Pflanzung ist im heiligen Lande besonders lucrativ, da schon vom siebenten Jahr nach dem Einsetzen der Bänme Früchte gewonnen werden. Die Ernte wird alsdann mit jedem Jahre reichlicher, so dass nach zwanzig Jahren schon Früchte im Werthe von 8 Rubel gewonnen werden. Dabei ist die Arbeit nicht so anstrengend, wie bei anderen Baumarten. Auch gedenke ich, auf meinem Lande Maulbeerbäume zu pflanzen, welche "bekanntlich zur Ernährung der Seidenraupen wichtige Dienste thun und gleichfalls sehr schönen Ertrag liefern. Die neun Stunden von unserer Colonie entfernten Colonisteu an den Abhängen des Libanon haben sich hierdurch grosse Reichthümer verschafft. Durch Erbauung grosser Seidenfabriken reussiren sie ganz bedeutend, so dass sie keinen Ackerbau zu betreiben brauchen, sondern einzig auf Seidenzncht sich verlegen. Unser Boden ist jedoch für Seidenoultur weit geeigneter, als jener am Libanon, da man dort die zum Düngen des Bodens notbwendigen Bestandtheile aus der Ferne herbeischaffen muss, während auf unserer Colonie der Boden von Natur aus genügende Fettigkeit besitzt. . . . loh habe vier *) Aus “TOÖTU