Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 32 (23.4.1885)
- Date
- 1885-04-23
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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I)crnii$AC<irbciifii Lexikon der jüdischen Gemeinden Deutschlands vorlommcndcn Irrlhümcr, so weit dic- Klben Wcstphalen betreffen, aufmerksam zu machen. So heißt es in demselben unter: ^Münster" Gottesdienst : größtcnthcils alt sch Dem ist aber in Wirklichkeit nicht so; denn gerade M. ist eine derjenigen Gemeinden Wcstphalcns, wo die Enltusreform den höchsten Grad erreicht und das sogenannte Rcsormjudcilthnm recht zu Hanse ist. Auch die Jünglinge der dortigen Lehrerbildungsanstalt, welche naher ihren eigenen Gottesdienst abgehalten, sollen, wie ich gehört, diesem nnjndischcn Gottesdienst in der Genicindestmagogc beiwohnen und sogar als Choristen in dem gemischten von Orgelklang begleiteten Mitwirken. Von allem klebrigen, was ich über die Anstalt gehört, will ich schweigen; dieselbe ist ja genugsam als eine im neologen Sinne geleitete bekannt und hat von den Lehrern an derselben Herr Treu sich bei der Verhandlung des genugsam bekannten Prcßproccsses als Reformer gekennzeichnet. — Wie traurig cs hier in W. mit der Handhabung der Hirn:* anssicht und wie leichtfertig manche Rabbiner bei Ertheilmig der npra nirnr Vy rtep ara umgehen, hierüber, schreibe in meinem dcmnächstigen Berichte. M. R o s e n w a ld, einer. Lehrer, Iserlohn. (5* n g l a n d. London, 15. April. Immermehr stellt sich das Bedürfnis; heraus, daß dahier eine Institution ins Leben gerufen werde, vermittelst derer dem elenden Handwerke der Missionäre die Spitze geboten werden kann. Welch große Mühe sich diese Seelenränver geben, kann nur der bezeugen, der am Orte ihrer ruchlosen Thalcii wohnt. (5*s ist bekannt, daß die Missionäre in der ganzen Welt umherstrcifen, um durch Geld Seelen zn gewinnen; aber weniger bekannt ist cs, was sie altes hier in London treiben. Nicht allein, daß sie in allen Thcilen der Stadt, wo die ärmeren K lassen der Inden wohnen, Misiionshallen errichteten, sie stellen sogar ihre Agenten an den Straßenecken und den Landungsplätzen der Schiffe ans, um mittellose und unwissende Glaubensgenossen an sich zu ziehen. Selbst damit nicht zufrieden, habe ich persönlich schon gesehen, daß sie in die Häuser der Verarmten gehen und ihnen Geld anbictcn, wenn sie und ihre Familien sich taufen lassen. In vielen Fällen hat ihr verwerfliches Thun Erfolg. Es ist das kein Wunder; denn was ist verführerischer als das Geld; und welche Aussicht hat dahier ein armer Alaun mit Frau n. Bindern auf Unterstützung seitens seiner Glaubcnsbrüder? (5*5 bestehen nur wenige Untcrstützungsvereine für Arme. TerLoarä ,.k (Janlion unterstützt arme Leute cr?t dann, wenn sic über « Monate hier wohnen, und auch dann nur, wenn ein oder zwei dem Eomite bekannte Personen sich für dieselben verbürgen. Der fremde Einwanderer, der die Sprache nicht kennt und nicht leicht Arbeit findet, ist sich selbst überlasten; kein indisches Herz ist da, das ihm freundlich entgegenkommt. Ganz anders hingegen ist es bei den Seelensängcrn. Sie nehmen sie so freundlich und liebevoll auf, daß der Arme bald vergißt, wo er sich befindet, geben ihm, oder wenn er Familie hat, der ganzen Familie Geld, ohne zu fragen, wie lange er hier oder ob er Bürgen stellen kann, und dies so lange, bis sie ihn oder die ganze Familie getauft haben, dann schicken sic ihn auf das Land und richten ihn, wenn sich ihr elendes Werk gelohnt hat, noch thcilwcisc ein. Dies sagt vielen Hilflosen bester zu als zu hungern und ans die Erbarmnng seines Nächsten zu warten. Das Elend ist hier so groß, daß Hunderte in den Straßen nmherlaufen und nicht 25 Pf. haben, um ein Nachtlager sich verschaffen zu können. Darum habe ich es unternommen, einen Ausruf an alle Glaubensgenosten der weiten Welt zu erlassen zur Gründung eines entsprechenden Hauses, um unseren armen und hilfsbedürftigen Mitmenschen ein Asyl zn verschaffen und hauptsächlich um zu verhindern, daß sie in die Hände der Missionäre fallen. Ans gleichen Gründen habe ich auch vor 2 Jahren ein Bet Hamid rasch mit Hachnosas Orchkm errichtet und ganz allein ohne weitere Hilfe unterhalten. Der Erfolg meines Unternehmens war ein großer, aber da ich allein und nicht vermögend genug bin, um weiter die Sache in ausgedehnterem Maaße zu führen, bin ich nach reiflicher Ueberlegnng und aus vieles Anrathen bewährter Freunde zn dem Entschlüsse gekonnnen, edle Wohlthäter zur Mitwirkung an dieser heiligen Sache anznrusen. Es haben auch bereits schon Einige ihre Zusage mir geschickt, und so hoffe ich auch, daß Sie, geehrter Herr Redactenr, mir Ihre Unterstützung durch Veröffentlichung meines Schreibens nicht versagen werden. I. Eohen, 19 - "»2 (’lum li Law» Witocliapel E. Feuilleton. Kerellet. (Sitte Erzählung von Friedrich Rott. Achtes Kapitel. Herr von Königstein verbrachte jede freie Stunde, die er erübrigen konnte, an der Seite feine? Kinde?» da? er mit Geschenken überhäufte und hiedurch sich! dessen Zuneigung rasch erwarb. Aber auch dre