Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 32 (23.4.1885)
- Date
- 1885-04-23
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2449503-2449534--22040-2511696- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
521 Jahre — als Baal T eschubah in Mainz gelebt haben. Derselbe war nämlich, als er zum Katho- Ucismus übertrat, verheirathet und hatte zwei Kinder. Als er auch seine Kinder taufen lassen wollte, entfloh die Frau mit diesen und wurde von Verwandten verborgen gehalten. Ta bereute der Convcrtit, ging nach Mainz, ließ sich vom Rabbiner Buße auflegen und lebte vollständig als ein Büßender. Niemand kam so früh in die Synagoge, Niemand betete mit solcher Andacht, und so gelang cs ihm, die Verwandten seiner Frau zu veranlassen, die Wiedervereinigung der Eheleute hcrbcizuführen. Er begab jtdj nach dem ihm kundgcgebcnen Wohnorte seiner Frau, entführte die beiden Kinder und ließ sic taufen!: — Mchoenlanke, im April, in» wnr Q'tecm '“CPC —!tj?i ebijfc mscs D'3-n rpn .n"a"n ropun Die Weisen werden glänzen, wie der Glanz des Himmels und die, welche Viele zur Gerechtigkeit geführt, wie die Sterne immer und ewig! — Dieses sind die Lehrer der Jugend. Talmud Baba Bathra f. 8. Wenn auf irgend einen Elementarlehrcr diese tiefsinnige Auslegung des Talmuds mit vollem Recht angewandt werden kann, so war es der vor einigen Wochen in Zabrze, im Alter von 56 Jahren verstorbene Lehrer I. Sachs. Von religiösen Eltern in Sorau O.-Schl. geboren, war er ein fleißiger Talmndjüngcr bei den Rabbincn Jaffe inLnbinitz und Karfunkel in Rybnik; er wählte den Beruf eines Lehrers und hat als solcher in streng religiösem Sinne in Beuthen, Wöllstein, hier und in Zabrze gewirkt. Ist dieser Lcbensberns ohnehin schon ein mühevoller, so muß dem Verstorbenen cs nachgcrühmt werden, daß er neben seiner Amtsthätigkeit, welcher er mit Treue und Hingebung Vorstand, noch Zeit und Muße fand, für die Gesammthcit seiner Glaubensgenossen zu wirken. So war er der Begründer des hier noch bestehenden Vereines D*jn raw; nachdem er nach Zabrze berufen war, richtete er dort einen Verein trcny ein; war eifrig bemüht, für die „All. Jsr. Uuiv." und für Palästina Mitglieder anzuwcrben und Gelder zu sammeln und gab von seinem geringen Einkommen noch reichlich rsprs. Bemerken wir noch, daß auf seine Veranlassung und persönliches Bemühen in Zabrze das tägliche Gebet im Gotteshausc errichtet wurde, nnd daß er bis an das Lebensende bemüht gewesen, sein talmudisches Wissen immerfort zu vermehren, so muß man sagen, daß hier ein Leben von "n"3 und rmy m*n geendet! Möge der segensreichen Wirksamkeit des Verewigten im Jenseits ihr voller Lohn werden, nnd möge die trauernde Wittwe mit ihren l2 Kindern, — von denen nur der älteste Sohn versorgt ist, — in ihrer hart bedrängten Lage Trost finden in dem Andenken an den theuercn Todtcn, das auch bei seinen Freunden nnd Bekannten ein dauerndes bleiben wird. Die Gemeinde Mollstein ehrte das Andenken an den Verstorbenen, indem sie bereits M. 150. zur Beschaffung eines Lcichcnstcincs bestimmte. Aus Weftphalcn. Welche Dimenslonen die sogenannte Eultusreform in Wcstphalen, besonders in den industriellen Bezirken des Regierungsbezirks Arnsberg angenommen haben, mag folgendes Fac» tnm darthnn: In W. a. d. Ruhr, derselben Gemeinde, wo am levtverslofsencn dv eine Gesellschaft von Herren und Damen in einem christlichen Gasthose table d'hote gespeist, hat ein gewisser Herr v. Q. schon seit längeren Jahren an den hohen Feiertagen als Borbeter fungirt. Genannter Herr, der auch Pr.p nnd sicher kein gcsetzestrcner 'ttv ist, da er vor einigen Jahren in W. am cm-itr -ins p"ty *o'3x cn-i2N bv ln-oa Tin öffentlich Karten gespielt hat, soll im verflossenen Jahre, kurz vor Beginn der c'jnun ’c' der Gemeinde in einem Schreiben sein Amt als Borbeter quittirt nnd diesen Entschluß damit motivirt haben, daß er, wenn er einen Tingcl langet besuchen wolle — man verzeihe mir diesen vulgären Ausdruck -- er dieses Vergnügen für 50 Pfg. genießen könne nnd hätte die Gemeinde nicht nöthig, dafür 60 Thaler — Herr ü. erhielt soviel für seine Dienstleistung an den n"’ — auszugcbcn. Auch der für die verflossenen Feiertage engagirte Eantor, ein Herr aus R. in der Rhcittprovinz, wird wahrscheinlich für die nächsten Feiertage nicht wieder nach W. kommen, denn auch er soll sich über den allznstarkcn reformistischen Gottesdienst sehr mißbilligend ausgesprochen haben. — In vielen Gemeinden hat mau, wie es bis zu meinen letzten Berichten noch nicht der Fall war, Orgel,'gemischten Ehor, 7jährigcn Eyklus beim Vorlesen der Thora nnd was sonst noch zu bcm reformistischen Firlefanz gehört, cingcführt, das Aufrufen zur Thora gänzlich 'abgeschafft n. dgl. mehr. Trotzdem stehen die Gotteshäuser das ganze Jahr hindurch leer. Selbst in Gemeinden von 50 bis 200 Familien ist am Freitag gar kein, am p"p und an den u"' nur spärlich,vry v« zusammen zn bringen. Ter rar ist leider, ein allgemeiner, ja, ich sage sicher nicht zu viel, wenn ich fest nnd steif behaupte, daß von 100 Geschäftslokalen keine 5 geschloffen sind. Bei dieser Gelegenheit kann ich nicht umhin, auf einige in dem von Herrn Hcidingsfeldcr