Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 32 (23.4.1885)
- Date
- 1885-04-23
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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520 diesen Fächern zuwendcn, recrutiren sich in den meisten Fällen ans Elementar!ehrern, Predigern, kleinen Kaufleuten u. s. w., die nur mühsam ihr Brot verdienen, und die cs meistens nur mit den größten Cpfmi fertig bringen, ihre Söhne der Universität zuzuführen. Sehr viele müssen dabei fremde Hülse in Anspruch nehmen, ihre Söhne darben während ihres Studiums und nur durch Ertheileu von Privatunterricht ist es ihnen möglich, sich kümmerlich durchzubringen. Nur die Aussicht in rascher Zeit in den sicheren Hafen einer guten Stelle zu gelangen, läßt sie alle diese Mühe und Trübsal ertragen. * Diese wirklich strebsamen und nid)t genug zu schätzenden jungen Leute finden sich jetzt getäuscht, alles was sie Schönes und Sicheres in der Ferne erblickten, erweist sich als eine tückische Fata morgana. die höhnisch zerfließt, wenn man sie erreicht zu haben glaubt. Wie viel Elend und Noth finden wir hier, wie viel Existenzen, die zuerst im rosigsten Licht erschienen, gehen hier ahne Verschulden jämmerlich zu Grunde! Ein Mann, der in diesen Dingen eingeweiht ist, schrieb mir letzthin: „In meiner Stellung als .... habe ich täglich Gelegenheit traurige Erfahrungen über das wirklich gräßliche Proletariat, über die wirklich entsetzliche Noch derjenigen jüdischen jungen Männer zu machen, welche sich dem Studium der Philosophie, der Theologie, der Sprachen und der Rechte widmen. Thatsächlkch liegt hier eine Ucberproduction vor. Es wäre wirklich ein Werk jüdischer Barmherzigkeit, wenn Sie im Vereine mit Herrn Dr. S. in warm und ernst gehaltenen Leitartikeln diese Nothlage besprächen und namentlich die ärmliche Jugend und auch ärmere gebildete Familien ermahnten, lieber Fächer der Industrie, der Technik und des Handwerks zu wählen. Es wäre daraus aufmerksam zu machen, wie nicht gerade während der jüngeren Jahre, also während des Studiums, die Noth am härtesten drücke, sondern erst nach vollendetem Studium. Denn der Jüngling kann darben, kann selbst bittend durch die Thure treten, ohne seine Würde dadurch zu beschädigen. Aber den fertigen Mann, der auf gesellschaftlichen nnd Standes-Anstand halten soll, der unglücklicherweise vielleicht schon eine Familie zu ernähren hat, den erwartet die Sorge und die Noth in gräßlichster Gestalt." Die wahre Bildungsstätte der Juden der weniger bemittelten Stände, ist die höhere Bürgerschule oder die lateinlose Realschule, selbst auch das Realgymnasium, wenn keine andere höhere Schule am Platze ist. Nach diesen Schulen müßten die jungen Leute noch Fachschulen besuchen, die aber leider dis jetzt noch so vereinzelt bestehen, daß es den meisten Juden dieser Stände schwer fallen wird, ihre Söhne auf denselben nnterzubringcn. Es wäre dieses ein Werk jüdischer Barmherzigkeit, wenn man solche Fachschulen einrichtete; die Stifter dieser Schulen würden sich ein edles Verdienst um ihre Glaubensgenossen in der ganzen Welt erwerben, und ich hoffe, daß es nur des rechten Anstoßes bedarf, um hier etwas praktisch Gutes zn Stande zu bringen. In einer Reihe weiterer Artkel werde ich die Lage der Juristen nnd Mediziner besprechen, die nicht viel rosiger ist. Romrod, 28. März 1885. Tr. S. Goldschmidt. Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen. Dentschla n d. Main.;, 22. April, katholische Blätter berichten: „Gegenwärtig geht man mit dem Prozesse der Heiligsprechung des Gründers der „Kongregation des h. G. nnd des Herzens Mariä" Jakob Liebermann um. Derselbe war geboren zu Zabern im Elsaß am 12. April 18(>4 als Sohn von Lazarus Licbcrmann, der daselbst Rabbiner war. In seinem zweiundzwanzigsten Lebensjahr bekehrte er sich zu Paris und trat in das große Seminar von St. Sulpice ein. Alsobald machte er es sich zur heiligen Aufgabe, feine Familie zu bekehren, und cs gelang ihm, einige Mitglieder derselben zu überzeugen (!) und zum Eintritt kn die katholische Kirche zu bewegen. Zuerst trat er ein bei den Eudisten in ReuneS, verließ sie aber wieder, um eine Reife nach Rom zu machen, wo der Papst Gregor XVI. ihn in Audienz empfing. Später machte er seine theologischen Studien im großen Seminar von Straßburg^ erhielt dasebst die minderen Weihen, dann das Subdiatonat und das Diakonat und kehrte nach Paris zurück, wo er seine Kongregation zur Bekehrung Afrikas zu gründen begann. Einer seiner ersten Freunde und anch seine beste Stütze in diesem Nnternchmeu war Peter Schwindenhammer, der jetzt noch an der Spitze eines Hauses in der Normandie sich befindet. Pater Liebermann starb den 2. Februar 1852 im Rufe der Heiligkeit." „ Wie uns von ällern hiesigen Glaubeusgenoffen erzählt wurde, soll I. L. längere Zeit — etwa 2