Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 32 (23.4.1885)
- Date
- 1885-04-23
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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510 heute verfehlt, und dieses zu beweisen ist der Zweck imchfolgender Zeilen. Ich will die verschiedenen Facnltäten nacheinander durchgehen und bei jeder einzelnen Nachweisen, wie groß die Neberprodnction ist. Beginnen wir mit der theologischen Facultät, den zukünftigen Rabbinern. Hier ist es ja allgemein bekannt, daß das Angebot bei weitem die Nachfrage übersteigt. Viele Eltern, die ihre Söhne Rabbiner werden lassen, trösten sich aber mit dem Gedanken, daß ihre Söhne als Lehrer an höheren Schulen Verwendung finden; doch diese Hoffnung ist eine citele. Denn diese Facher find so übersetzt, daß es für die Nabbinatscandidaten so gut wie unmöglich ist, hier noch Stellung zu finden. Die Zahlen, welche ich angeben werde, sind einem kürzlich erschienenen Werke: „Eonrad, das llniversitätsstudium in Deutschland, während der letzten 50 Jahre" entnommen. In denselben find die Studenten aller Eonfeffioncn zusammcngefaßt. Bekannt ist jedoch, daß vcrhÄtnißmäßig mehr Juden wie Ehriften studiren. Die Zahlen, welche sich daher thatsächlich für die Juden allein ergeben, muffen noch viel ungünstiger ansfallen als die nachfolgenden und doch entrollen uns schon diese ein Bild, wie cs nicht viel trauriger gedacht werden kann. Es stndirtcn in der philosophischen Fakultät jährlich: in den fahren Cttlbcillttt pro 100000 (iiiup. 1831/32 -36 2305 7,7 1836/37- 11 2703 8,4 1841/42—46 3131 9,1 1846/47—51 3080 8,7 1851/52—56 2819 7,0 1856/57—61 3525 9,4 1861/62—66 4403 11,3 1866/67—71 4631 11,4 1871/72—76 6031 14,0 18,1 1876/77—81 8197 1881/82—82 9288 20,7 1882/83 9455 20,8 Die Zahl dieser Studirenden ist also gegen 1830 im Vergleich zur Bevölkerung gewachsen. um das 3fache Man könnte uuu cinwendc», diese Steigerung der Studirenden ist dnrch die große Zahl derjenigen Leute bedingt, welche sich den philosophischen Siebenfächern, d. h. der Forstwissenschaft, der Hameralwiffenschaft u. s. w. widmen und bei denen Inden kann! Vorkommen. Dieser E-iuwand ist aber hinfällig, denn (Z studirtm jährlich: in den Jahre» 1836 -45 Phitot. li. i«c|ch. Mach. ii. Naturw. .lebeufäcber 1797—58,9 0 ' 10 290= 9,3 °/0 1846—55 064=39,8 ' 1686=56,1 ft 532=17,7 „ 1856-65 788=26,2 2334=58,0 n 511=12,9 „ 1860—75 1119=28,2 3412=64,0 ff 1034=19,4 „ 1876-81 885=16,6 4310—53,1 tt 2540 31,3 „ 1881/82—82 1257 -15,6 4950—53,0 ft 2920- 31,3 „ 1455 — 15,7 reit Jahren," sagt Esnrad, „hat sich die Zahl der Naturwissenschaftler verzehnfacht, die der Philologen und Historiker noch nicht verdreifacht. Hier tritt allerdings die Richtung der Zeit, das überwiegende Interesse für die Natur schlagend zn Tage. Aber wir dürfen nicht vergessen, daß unter jener Zahl ein großer Theil Mitgczählter dieses spezielle Interesse gar nicht theilte, sondern eben nur durch die eigeuthümliche, ganz bestimmte Denkarbeit des Mathematikers gefesselt wurde, für welche der semitische Stamm eine ganz hervorragende Begabung und daher Neigung zeigt." Wenn man die Zahl der jährlich für das höhere Lehramt Geprüften mit dem Bedarf an solchen Leuten (im Staats- und Privatdienst zusammengenommen) vergleicht, so stellt es sich heraus, daß bis zum Jahre 1880 von einem Uebermaß des Angebots noch nicht die Rede sein kann. Dagegen findet man, daß am Ende des-Jahres 1884 reichlich ein Ucberschuß von 500 solcher Eandidatcn nur für Preuße» resp. Norddeutschland vorhanden waren, während die Verhältnisse in Süddeutfchland sich noch ungünstiger darstellen. Hier ist also eine bedeutende Ncberproduction vorhanden, und eine große Zahl von jungen Leuten, die sicher ihr Brot zu verdienen hofften, sicht sich getäuscht und weiß nicht, wie sie sich durchs Leben schlagen soll. Ein recht hoher Procentsatz dieser Stellenlosen sind Juden, und unter ihnen herrscht ein großer Nothstand, der baldiger Abhülfe bedarf. Die Zahl dieser jetzt überflüssigen jüdischen Eandidatcn des höheren Schulamts geht jedenfalls über die Zahl von HK) Leuten bedeutend hinaus, denn wie schon Eonrad bemerkt, wenden sich die Inden Hauptfach» lich dem Studium der Mathematik und Naturwissenschaften zu und hier ist der lleberfluß gerade am größten. Die Studirenden der Philosophie sind gewöhnlich von Hanse aus nicht besonders mit zeitlichen Gütern gesegnet, und die Juden, welche ihre Söhne