Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 32 (23.4.1885)
- Date
- 1885-04-23
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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518 auf persönliches Wohlbehagen zu verzichte», um nur das zu thttn, was unserem Gotte, unserem 'Schöpfer, unserem Bildner, unserem Erwähler zum Ruhme gereicht; zugleich aber sollen wir zu verhüten suchen, das; unsere edlen und guten Absichten von den Menschen mißdeutet werden. Ist aber in gewissen Fällen diese Mißdeutung unvermeidlich, so soll die die Rücksicht ans Gott allen andern Rücksichten voraugehen. Ta Rabbi sagt D-xn p v mseni, daß wir einen solchen Weg wählen sollen, der uns Ruhm von den Menschen einträgt, so meint er nicht damit, daß Ruhmsucht, Eitelkeit, Streben nach Anerkennung bei den Mitmenschen bestimmend für unser Handeln sein soll; denn nicht das. was wir im Deutschen Rnhm nennen, wird mit dem Worte mseo bezeichnet; es gibt eben für dieses Wort in der deutschen Sprache keinen Ausdruck, der es vollständig wiederzugeben vermöchte. Ein Ansspruch des weisen Königs verbreitet darüber ein Helles Licht. Derselbe (Mischle (5. 19, V. l l) lautet: imNsm isn i’-wn c-n byv yers by „Des Menschen Klugheit veranlaßt ihn, Langmuth zu zeigen; aber Tiphereth — vielleicht können wir dafür sagen: wahrhafter Rnhm ist es, Verbrechen zu verzeihen." Räuden ist von Schimeon schwer beleidigt worden. Umstände können Mnben veranlassen, die Beleidigung nicht sofort zu ahnden; vielleicht besitzt Räuden im Augenblicke die Macht nicht, Vergeltung zu üben und will deßhalb den passenden Zeitpunkt abwarten. Unterdeß bewahrt er die Rache in seinem Herzen, bis die Gelegenheit kömmt, sie zu That werden zu lassen. Das ist Klugheit. Öder Räuben will bciu Beleidiger Zeit lassen, ob er-etwa die böse That erkenne und sie wieder gut zu machen sich bemühe; er wartet deßhalb mit der Vergeltung, bis er die lleberzeugnng erlangt, daß Schimeon die That nicht bereue. Auch das ist Klugheit. Tiphereth aber, wahrhafter Ruhm ist es für Räuden, wenn er das Gefühl der Rache, das Streben nach Vergeltung gar nicht aufkommeu läßt in seinem Herzen, wenn er dem Beleidiger sofort und ganz und völlig verzeiht, wie, wenn die böse That niemals stattgefunden hätte. Das ist Tiphereth. Durch ein solches Benehmen den Mitmenschen gegenüber fördert der Mensch die allgemeine Menschenliebe, die den Zwecken und Zielen des Weltenlenkers gemäß ist und schafft zugleich die höchste Anerkennung dem edlen Streben eines von dem hohen Berufe Jsrals durchdrungenen Sohnes des Gottesvolkes. Rabbi selbst hat durch sein Leben und Wirken die wunderbare Herrlichkeit des von ihm aufgestellten Grundsatzes auf das Glänzendste bewährt; er hat den Weg erwählt, der zur Verwirklichung der göttlichen Zwecke auf Erden führt; er hat zugleich dem hohen Berufe Israels Anerkennung verschafft bei den Mitmenschen und namentlich bei dem gewaltigen Beherrscher des römischen Weltreiches, beim Kaiser Antonin. (Fortsetzung folgt.) Die Zteöerproduclion von Slnbirenden unter den Juden. Von jeher habet! sich die Inden durch ihre Intelligenz vor allen andere» Völkern der Welt ausgezeichnet. Ihrer Intelligenz ist es nur zu danken, daß sie trotz aller Verfolgungen stets ihren Glauben hochhielten, denn nur ein intelligentes Volk kann für seinen Glauben so viel Martyrerthum erleiden, als die Juden erduldet habe»; nur ein solches Volk kann ein so hohes Ideal anstreben, als es unser Glaube erfordert. Die Wissenschaften sind daher bei den Juden stets auf das höchste verehrt worden, ihre Träger waren immer mit einem Glorienschein umgeben, und so finden wir bei uns Juden die seltene Erscheinung, daß selbst die untersten Schichten so sehr nach gelehrter Bildung streben, daß die Reihen der größten Gelehrten sich fortwährend aus den untersten Klaffen der Bevölkerung ergänzen und diese so vor Verweichlichung und Entfremdung ihrer selbst schützen. Die Wissenschaften wurden von diesen Gelehrten nur wegen ihrer selbst betrieben, diese großen Geister dachten gar nicht daran, sich durch sie ihr Brot zu verdienen und betrieben häufig zur Bestrettung ihres Lebensunterhaltes ein ehrsames Handwerk. Glückliche Zeiten, in denen so etwas möglich war. 'l'empvra mutantur et nos mutamur in illis. Die Zeiten ändern sich! Unter den heutigen Verhältnissen sind diese wirklich idyllischen Zustände nicht mehr möglich, die heutige Welt mit ihrer fortgeschrittenen Kultur stellt au de» Einzelnen so viele Anforderungen, daß es für den Mindcrbegüterten nicht mehr möglich ist, wirkliche Wissenschaften zu betreiben, ohne damit den Zweck zu verbinden, sich durch sie einen anständigen Lebensunterhalt zu verschaffen. Die ganze Gestaltung unseres Schulwesens ist auch darauf zugeschnitten. Jeder, der heute feinen Sohn studiren läßt - um den landläufigen Ausdruck zu gebrauchen — will ihn damit für das Leben ausstatten, sein Studium soll ihm die Mittel verschaffen, seine Lebensbedürfnisse zu bestreiten. Und dieser Zweck wird jetzt leider meistens nicht erreicht; das Studium als Brotstudkum ist