Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 32 (23.4.1885)
- Date
- 1885-04-23
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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XXVI. Jahrgang. M 32 (Sin Gentrak - Hrgan für das orthodoxe Iudentfium. Heransgegeben von DZ'. Lehmauu in Viaiuz. Donnerstag, den LS. April 5645 (1885). Leitende Artikel. 3>tf Sprüche der Wüter. V. Mainz, 21. April. Hartwig Wessely (Rabbi Herz Wesel) gibt in seinem Kommentare zu den Sprüchen der Väter r, eine wohldurchdachte Abhandlung über die Bedeutung des Wortes mscn. Nach ihm bezeichnet dasselbe einerseits die wlinderbare Weltenlenkung Gottes, andererseits das Leben und Wirken Israels, insofern es für die göttliche Weltenlenkung als Werkzeug dient; daher heißt auch die Thora, die diese beiden Seiten vermittelt, mscn, nach dem Ausspruche des Rabbi' Akiba (Berachoth 58 a) min ino i; msenm. Wegen dieses wunderbaren Berhältnisses wird Israel ein Reich von Priestern und ein heiliges Volk genannt, den der Begriff der Heiligkeit ist eben das Wunderbare, das Licht der Prophetie, des heiligen Geistes und die übernatürliche Veränderung der Naturgesetze, wie es heißt (Psalm 77, V. 14—15 und 16): „Gott, im Heiligen ist Dein Weg, .... Tu bist der mächtige Wundervollbringer .... Du hast mit Macht Dein Volk erlöst." — Und wie Gott sich Israels in -wunderbarer Weise bedient, um die Menschheit Seinen weisen Plänen entsprechend zu lenken und zu leiten, so ist der Endzweck Israels, diese wunderbare Weltenlenkung zum Ansdrucke zu bringen. Am deutlichsten hat das der Prophet Jesaias (15. 60, V. 21) ausgesprochen: .1LP2 ,'yi:d -an px in” ,L'p'i2 ch *pyi .*ixrnr6 „Und Dein Volk, sie alte sind Gerechte, für die Ewigkeit werden sie erben das Land, Sprößling Meiner Pflanzungen, Werk Meiner Hände, Mir zum Ruhme." Wann die erhabene Zeit eintrete» wird, wann Israel seinen hohen Beruf erfüllen wird, dann wird alle Welt erkennen, daß dieses Volk von Gott ist eingepflanzt, von Gottes Händen ist bereitet worden, -ixcnn>, mit zu Gottes Ruhm die Menschheit in wunderbarer Weise ihren hohen Zielen entgegen zu führen. Nach dieser Auseinandersetzung werden wir die Schönheit und die Tiefe des Ausspruches nnseres großen Lehrers zu würdigen im Stande, sein. „Welches ist der rechte Weg, den sich der Mensch erwählen soll? Jeder, der dahin führt, daß er den Zwecken der göttlichen Weltlenkung entspricht und zugleich den hohen Beruf Israels, ein Werkzeug der göttlichen Weltlenkung zu sein, bei den -Menschen zur Anerkennung bringt." Wir sollen also bei jeder Gelegenheit, wo immer die Wahl zum Handeln uns sreisteht, tms fragen, ob wir auch auf dein rechten Wege sind. Aber der Wege gibt es sehr viele im menschlichen Leben und die Beurtheilung derselben ist häufig eine sehr verschiedene, und oftmals treten Anforderungen au uns heran, die alle den Schein des Rechtes für sich haben und sich dennoch gegenseitig ansschließen. Da gilt es dann, sich über jede Einseitigkeit und Beschränkheit zu erheben und sein Leben auf großen, umfassenden Grmidsätzen aufzubauen. Unser heißester und innigster Wunsch muß es sein, unseru Jsraelitenberuf dadurch zu erfüllen, daß unsere Handlungen den Zwecken und Zielen der göttlichen Weltlenkung entsprechen. Nicht umsonst hat Gott uns erwählt ans allen Völkern der Erde, nicht umsonst hat Er uns geheiligt durch Seine Gebote. Wir sollen Ihm sein ein Reich von Priester» und ein heiliges Volk. Selbst in solchen Dingen, die nicht strenge geboten und verboten sind, sollen wir uns des hohen Berufes stets und immer bewußt sein, dem entsprechend unsere Wege wählen. Da gilt es häufig, Neigmtgen und Wünsche zu unterdrücken,