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Der Israelit · 1885-04-20 · Heft 31 (20.4.1885) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 31 (20.4.1885)
Date
1885-04-20
Page
– (sequence 10)
Language
German
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-IN» war der Rabbiner, auf dessen Gedenkstein nur drei Hes (Horaw liagoaun liagodaul) verzeichnet waren. In der denkwürdigen Peßachnacht des Jahres 1847 ließ Piu Non<> die Thvre des Ghetto öffnen, nach seiner Rückkehr ans Gaöta, im Jahre is:>o schloß er sie wieder: Tie Leidensnacht, welche durch ein kurzes Aufleuchten erhellt gewesen, hüllte sich wieder in ein tiefes Tnnkel. Im Juli 1870 richteten die Juden Roms eine Bittschrift an Pius IX., ihnen doch mehr Licht und Luft zu gewähren; die Petition, die mit den Worten: „Beatissinio Padre“ beginnt, und von der ich bei meiner lebten Anwesenheit eine Abschrift genommen, fand keine Erwiderung. Ta gab Gott in der Geschichte die Antwort: am 20. September erschien die Proklamation Viktor Emanuels, in der er erklärte: „Alle Italiener ohne Unterschied des Glaubens sind meine Ander", und die Thorc des Ghettos wurden gesprengt. Doch mit der unerwarteten Freiheit losten sich alle Bande. Die ReligionSschulen wurden geschlossen, da die Lehrer keine Bezahlung erhielten. In einer Büchse mußte man täglich einige Groschen sammeln, nm den nothwendigsten Andernnterrichr nicht eingehen lassen zu müssen. Bon einer religiösen Gemeinschaft war keine Rede. Auch fürchtete alle Welt noch das Schreckgespenst des kirchlichen Regiments, die Erinnerung au die blutige und rhränenreiche Vergangenheit ließ das Bewußtsein der Freiheit nicht anfkommen. Als ich im Jahre 1878 daS .Achter der Latachumen besuchen wollte, wo das geraubte Mortarakiud erzogen lvordeu war, suchte mich mein Begleiter und Freund Erescenzo Alatri dringend, davon abznhalten; er selbst hätte um keinen Preis der Welt das Haus betreten. Ich sagte ihm scherzend: „Sollteich nicht zurückkehren,idann eilen Sie nach dem Pallazzo Kaffarclli! Fürst Bismarck wird nrich schon erretten!" Ich sprach ' den Leiter der Anstalt und ich muß gestehen, ich habe niemals einen stupideren und beschränkteren Menschen gesehen. Bei meinem Abschiede aus Rom reichte mir mein verehr!. Freund, der ehemalige ParlamentSdeputirte Samuel Alatri die Hand und sagte mit thränenerstickter Stimme: tuttal perdutto (Alles ist verloren.) Ich suchte ihn zu trösten, indem ich ihn auf die wunderbare Geschichte unseres Volkes hiuwies. Bei meinem zweiten Aufenthalte in Rom im Jahre 1877 waren die Verhältnisse besser geworden, der Schwerkranke trat in den Zustand der Reconvalescenz. Die Schulen waren eröffnet, eine besondere Kleinkinderschnle geschaffen, und andere segensreiche Institutionen ins Leben gerufen. Eine ganz neue Wandlung hatte das soziale Leben der Inden Roms erfahren, als ich vor einigen Wochen zum dritten Male die Hauptstadt des.Königreichs Italien betrat. Freudiges Schaffen regte sich an allen Enden. Das jus gasaka (vom hebräischen iliassakah), das Recht des ewige» Besitzes der Häuser im Ghetto, war von jeher ein Aochbedentsamer Fakkor im Leben der Inden Roms gewesen. Als Mitgift gab der Vater seiner Tochter das ins gasaka, dasselbe vererbte er auf seinen Sohn. Daher finden wir auch in einem Hause Großvater, Vater und Enkel oder zwei Schwiegersöhne zusammenwohnen. Die Besitzer der Häuser wollten ohne E n t s ch ä d i g u n g nicht das Ghetto verlaffen, zu einem fünfjährigen Prozesse kam es mit der Eommune, der vor drei Instanzen, dem Gericht, Tribunal und Obertribnnal geführt und schließlich zu Gunsten der Juden entschieden wurde. Rach Beendigung des Prozesses beschloß nunmehr das Municipium, daß im Laufe dieses Jahres das Ghetto völlig verschwinden solle. Für die jüd. Annen ist hinreichend gesorgt. Tie Eommune hat eine sehr bedeutende Summe ausgesetzt, deren Zinsen für die ersten zehn bis zwölf Jahre unter die Armen vertheilt werden. Im E entrinn der Stadt wird eine prachtvolle Synagoge gebaut, eine zweite, kleine Synagoge wird im .vause der Talmud-Thora errichtet, welch' letztere herrlich blüht und gedeiht. Für die ärmeren Aassen der jüd. Bevölkerung werden auch oft Eoncertc veranstaltet, bei denen die namhaftesten, nichtjüdischen.Künstler Mitwirken, die Banque nationale spendet eine bedeutende Summe bei jedem Jahresabschluß den jüdischen Armen. „Das Gefühl der Zusammengehörigkeit, welches die römischen Juden beseelt, wird mit jedem Tag ein innigeres. Trotz vieler Mischehen finden wir gerade in den ersten und angesehensten jüd. Familien die treueste Pftege des jüd. Gesetzes. Ich kenne einen hohen Beamten von der Banqne nationale, der jeden Sabbat Vormittag in der Synagoge den Wochenabschnitt vorlicst. Als ich ihm meine Bewunderung aussprach, sagte er mir: „Es ist der Stolz unserer Familie, den religiösen Sinn und Geist rein bis auf den heutigen Tag erhalten zu habe».- Zugleich sind die Juden Roms und überhaupt Italiens die besten Patrioten, und auf der marmormen Gedenktafel am Kapitol sind auch die Namen der jüdischen Kämpfer zu lesen, die für die Freiheit ihres Vaterlandes ihr Blut hingegeben haben. Den Juden steht der Zurritt zu allen Staatsämtern offen. Es gab einen jüd. Minister des Aeüßern, die Armee zählt viele jüd. höhere Militärs, im Parlament sitzen nenn jüd. Abgeordnete. Die jüd. Gemeinde Roms, die vovtt Seele» zählt, hat sich bereits orgamsirt. Die Statuten der neuen Gemeinde sind vom Zkönig

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