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Der Israelit · 1885-04-20 · Heft 31 (20.4.1885) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 31 (20.4.1885)
Date
1885-04-20
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXVI. Jahrgang. Settilgr )U Nr. 31 des Israelit. Zeituugsuachzichten und Correspondeuzeu. Deutschland. Fürth, im Nissan. Leider schon wieder hat der unerbitterliche Tod eine tiefe Lücke gerissen unter den hervorragenden Männern hiesiger Gemeinde und betrauern wir den Verlust des weit über die Grenzen hiesiger Stadt hinaus berühmten Rabbi Simon B a m b e r g e r Schüler des nymscxn ‘run pran. 9iachdem er die hiesige Jcschiwa verlassen, widmete er sich dem Lehrsache und hatte das Glück an die hier bestehende, damals noch in den ersten Anfängen liegende israelitische Waisenanstalt berufen zu werden, als deren Reorganisator er sich bewährte. Gr war es, der von geringen Anfängen durch Energie, Ausdauer und große Geschicklichkeit dieses heute so imposant und beinahe einzig in seiner Art dastehende Institut zu heben, zu befestigen und zu dessen innerem wie äußerem Ausbau ganz Eminentes beizntragen verstand. Seine Kraft entfaltete er hauptsächlich mit großem Nutzen, für sämmtliche hiesige wohlthätige und öffentliche Institutionen, in den Tagen der ernsten Kämpfe, die hier vor circa 40 Jahren so vernichtend gewüthet haben, als die Neologie Altes zu nivellircn suchte! Ihm ist es zu großem Theile zu danken, wenn die viele« und zahlreichen Institutionen in unserer ehrwürdigen Gemeinde bis auf den heutigen Tag erhalten bleiben konnten. Einen unentwegten Kämpfer für rwcN und min, ein leuchten des Beispiel für kommende Generationen mußten wir verlieren; er ist eingegangen zur ewigen Ruhe, wo der reiche Lohn für seine vielen und edlen Thaten ihm zu Theil werden wird. n"2W'n. - s -n. Berlin, 12. April. „Aus Rom!" So lautete das anziehende Thema, über welches Herr Dr. A. Berliner nach seiner Rückkehr ans dem Lande des Südens am vergangenen Sonnabend Abend im „Israelitischen Fortbildungsvcreiu Montcsiore" sprach. Der Vortrag, in dem der Redner „neue Stimmen aus dem alten Rom" miltheilen wollte, bot so viel des Interessanten, daß ein kurzes Referat über denselben den geschätzten Lesern gewiß willkommen sein wird. Als ich, so etwa begann der Redner, im Jahre 1873 die „ewige Stadt" betrat, jene Stadt, die ewig in ihrem Wechsel und beständig in ihrer Unbeständigkeit ist, gewann ich von der socialen Stellung meiner Glaubensgenossen daselbst einen überaus traurigen Eindruck. Roch waren nicht zwei Jahre verflossen, seitdem der Hcldenmnth Garibaldis das päpstliche Regiment gestürzt hatte und seitdem die Siegesfahne Victor Emannels in der heiligen Stadt lvehte. Die Inden Roms schienen mir denen zu gleichen, welche nach einer lebensgefährlichen Krankheit plötzlich an das Sonnenlicht geführt werden. Die Fesseln waren gebrochen, ein neuer König war erstanden, doch noch wagten sie nicht „aufzusenfzen von der schweren Arbeit", noch fürchtete» sic den blutigen Haß, der Jahrhunderte lang ihre Hütten nmlanert. Das Unglück war auch z n schmerzvoll, die Krankheit eine zu schwere gewesen! Von Paul V. zuerst in die dumpfen und engen Gassen des Ghetto gesperrt, fanden sie nur wenige Erleichterungen bei seinen Nachfolgern. Das Stichblatt des Witzes und Hohnes, die Zielscheibe der Verfolgungssucht des Pöbels mußten sie Alles, Alles hingebeu uud behielten nur ihr Leben uud ihre Lehre. Noch .1845 mußten an jedem Sonnabend Nachmittag dreihundert Juden, Männer, Weiber und Kinder eine christliche Kirche besuchen, um dort die Vekehrungspredigten eines getauften Inden mitanzuhören, war die Zahl nicht voll, so wurde der Rest aus dem Ghetto geholt und unter Peitschenhieben in die Kirche getrieben. Die Armen suchten ihr Onal zu vermindern, indem sie Watte in die Ohren stopften oder — einschliefen; doch bald weckte sie die Peitsche der Aufseher. Den christlichen Aerzten war es streng verboten, einen kranken Juden zn behandeln, während die Prälaten und selbst Päpste sich nicht scheuten, von jüdischen Aerzten ihren Leib heilen zu lassen. Jüdische Frauen mußten die Wäsche für die Klöster waschen. An den Kalenden des Januar hatte die Vertretung der Judenschaft am Kapitol fußfällig um die Gewährung der Erlanbniß zu bitten, ein weiteres Jahr im Ghetto bleiben zu dürfen; war der mitgebrachte Geldbeutel bis au den Rand mit Scudis gefüllt, so wurde dem Vorsteher die Erlaubnis; unter einem Fußtritte ertheilt. Beim Karneval mußten alte Inden in der Arena mit Berbcrhengsten um die Wette laufen; auch hierbei spielte die Peitsche eine bedeutende Rolle. Von dieser Schmach kauften sich später die Juden durch große Geldsummen los. Keinem Israeliten durfte ein Leichenstein gesetzt werden; ausgenommen

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