Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 30 (16.4.1885)
- Date
- 1885-04-16
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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486 Rußland. In Warschau wurden wahrend des Peßachfcstcs antisemitische Unruhen befürchtet. Der Polizciniciftcr hatte daher wahrend der Feiertage die Synagogen durch Polizisten bewachen taffe»; glücklicherweise ist Alles gut verlaufen. Egypten. In Alexandrien hatte es der Mob beim Herannahen des Osterfestes wiedernm darauf abgesehen, das alte Blutmährchen gegen die Inden auf-?,»tischen. Die lobeuSwerthe Energie des Gouverneurs legte den Schwindel sofort zu Tage. Aehnliches war in Demanhonr Ln der Nähe Alexandriens am Purimfeste inscem'rt und durch das Einschreiten der Polizei vereitelt worden. A m e r i k a. Washington. Der amerikanische Eonsul Felix A. Mathews in Tanger (Maroeco) hat sich, wie bekannt, bei mehreren Gelegenheiten sehr warm der unterdrückten Juden in diesen! Laude angenommen. Der „Board of Delegat es" der amer. Israeliten hatte sich deßhalb an den neuen Präsidenten der Bereinigten Staaten. Herrn Elevelaud, mit der Bitte gewandt, genannten Eonsul im Jntereffc der maroccanischcn Israeliten auf seinem Posten zu belaßen, welchem Gesuch der Präsident in einem Schreiben an diese Corporation in zuvorkommender Weise willfahrt hat. Feuilleton. Herettet. <>iiic Vrzahlnug .'vn Friedrich Rott. Sechstes Kapitel. Es war am Nachmittag des folgenden Tages, Herr Maibaum war eben vorn Schachten gekommen und wollte nun sein Schlachtrncsser wetzen, bevor er es fortlegte, als cs an der Thür pochte und auf Maibaums einladendes „Herein!" Herr von Köuigstcin in das Zimmer trat. Ter Hausherr lüftete sein schwarzes Sammtkäppchen und ging dem Bcsncher mit achtungsvoller Höflichkeit entgegen. „Hast Du das Pferd schon angebunden?" rief Viktor. „Gleich gestern Nachmittag, als ich nach Hause gekommen bin," versicherte Herr von Königstein, indem er dem Kleinen die Hand reichte und die zartgerötheten Wangen ihm streichelte. „Das ist recht," erwiderte dieser, „aber thut das auch dem armen Pferde nicht wehe, daß es angebunden ist?" „Durchaus nicht, liebes Kind. Wenn Dn wieder ansgehen darfst, mußt Dn mich einmal besuchen; dann kannst Dn auch das Pferd ansehen, daß ihm nichts Böses geschieht. Willst Du?" „Wenn Vater und Mutter cs erlauben —" „Nun freilich, sonst konntest Tn es nicht. Aber ich hoffe, Deine lieben Eltern werden nichts dagegen haben. Dürfte ich Sic wohl um eine kurze Unterredung ersuchen, Herr Maibaum?" wandte er sich an diesen „dieselbe würde Familienangelegenheiten betreffen und wäre daher die Gegenwart des Kleinen vielleicht nicht angemessen." „Dann möchte ich ersuchen, mit mir hinüber zn kommen, in das andere Zimmer. Doch ich muß einen Augenblick um Entschuldigung bitten, cs meiner Frau mitzntheilen, damit sie inzwischen hier bei dem Kinde bleibt. Tic Wunde dürfte zwar in wenigen Tagen mit Gottes Hilfe geheilt sein, doch hat der Sanitätsrath uns gewarnt, das Kind nicht unbeaufsichtigt zu lassen, da die Heilung noch unbedingte Ruhe heischt." Er hatte bei diesen Worten das Zimmer verlassen, und nachdem er gleich darauf mit seiner Frau wieder znrnckgekommen, begaben sich die Herren in das gegenüber liegende Zimmer. Maibaum bot seinen! Gaste einen Sepel und ließ sich ihm gegenüber ans einen andern nieder. Herr von Königstekll begann: „Ich muß iin Bornhknck» um Entschuldigung bitten, wenn ich mir erlaube, einige Fragen an Sie zu richten, die Ihnen vielleicht indiscret erscheinen könnten. Doch das warme Interesse, das Ihr liebliches Kind mir einflößt, dürfte mir als Entschuldigung dienen." Maibamn erwiderte nichts, allem er preßte seine Lippen in höchst cigeuthümlicher Weise fest aufeinander. .Herr von Königstein beachtete cs nicht. „Ich möchte Sie nämlich ersuche», mir zu sagen, ob Sie oder Ihre Frau vielleicht mit der Familie Lessner in D. verwandt sind." Maibaum athmetc wie erleichtert ans. „Die erwähnte Familie ist mir nicht einmal dem Namen nach bekannt, was doch wohl der Fall sein würde, wenn wir ihr verwandt wären. Ich muß daher Ihre Frage verneinen."