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Der Israelit · 1885-04-16 · Heft 30 (16.4.1885) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 30 (16.4.1885)
Date
1885-04-16
Page
– (sequence 4)
Language
German
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484 Lang Gnla bei Bojanoivo, 11. April. Am vorigen Äabbat verschied nach längerem Leiden der durch seine Wohlthätigkeit in weiten Kreise» rühinlichst bekannte Rittergutsbesitzer, Herr A b r a h a m Rohr y“j. Das heute Bormittag, io Uhr, stattgehabte Leichenbegängnis; gestaltete sich zu einem sehr imposanten. Es betheiligte sich dabei die ganze Bevölkerung, Inden und Nichtjuden, der hiesigen Gegend, der Landrath, der Bürgermeister von Bojanowo, die in der Gegend stalionirtcn Offiziere und viele Freunde und Bekannte des Dahingeschiedcuen, die zum Theil ans weiter Ferne herbeigeeilt waren. Am Grabe sprachen Herr Rabbiner Dr. Feilchenfcld aus Posen, Herr Rabbiner Tr. Wassertrilling von Bo janowo und der Schwiegersohn des Berclvigten, Herr Professor Dr. Emannel Leser aus Heidelberg. Die drei Redner gaben in gehaltvollen Reden der allgemeinen Trauer den geziemenden Ausdruck. Haigerloch (Hohcnzollern). Am 2. April c. nre n"m 'n ev wurde hier nach langjähriger Panse wieder einmal eine hebräische Prüfung abgchaltcn, deren Resultate in jeder Beziehung als glänzende zu bezeichne» sind. Unser atlverehrter Herr Rabbiner Dr. Spitz, seit einem Jahre in höchst segensreicher Weise hier wirksam, hat cs verstanden, in nuferer Gemeinde, in der sich noch Sinn und Berstündnist für das rechte, unverfälschte Iudcnthnm erhalten hat, durch Wort nnd Beispiel in Synagoge und Schule zur Belebung und 'Erhaltung des lvahren jüdischen Geistes allseitig bcizutragen. Diese glänzenden Erfolge seiner Wirksamkeit, dessen moralischer Einfluß nnd anregende Thätigkeit wurde besonders heute einem sehr zahlreichen Auditorium bei der stattgehabten Prüfung sichtbar, so daß alle Anwesenden mit sichtlichem Erstaunen dem Gange der Prüfung lauschten. Mit der grössten Schlagfertigkeit und Präzision antworicten die durch den Herrn Examinanten sehr gut disciplinirten Schüler in der Religionslehre, im Uebersetzen des Pentateuchs, der täglichen Gebete, der hebr. Grammatik u. s. f. Es war in der Thal eine Freude, theilweisc noch sehr junge Kinder, Knaben wie Mädchen so lebendig und frisch, manchmal sehr schwierige grammatikalische Fragen richtig lösen nnd und ganz pünktlich übersetzen 311 hören. Auch über die Festtage imb deren Bedeutung, wie über die Pflichtenlehre' wußten die Kinder vorzüglich Bescheid zu ertheilen. Hiebei wollen wir nicht unerwähnt lassen, daß zur Freude aller Anwesenden, kurz nach Beginn der Prüfung, was gewiß heutigen Tages ein höchst erfreuliches Zeichen der Toleranz, unser hochgeehrter Herr Oberamtmau» (Landrath) Emele erschien, dieselbe durch 1 '/rstündige Anwesenheit beehrte und weil Kenner der hebr. Sprache mit gespannter Auf- »lcrksamkeit nnd sichtlichenr Interesse manchmal selbst eingreifend, dem raschen Fragennnd Antwortenspiel mit rechter Sympathie folgte. Mit herzlicher Freude gratulirte er vor seinem Weggange dem hochwürdigen Herrn Rabbiner und beglückwünschte die Zuhörer zu den trefflichen L e ist u ng en der israelitischen Kinder bei der hcntigen Prüfung. Möchte nun aber auch die jüdische Gemeinde .Haigerl och kräftig, froh nnd freudig dazu beitragen ihren durchaus gelehrten Herrn Rabb. dauernd zu erhalten nnd ihn durch thätkge Mitwirkung nach Kräften in seinem heiligen Berufe unterstützen, da- Hiit er hier weiter baue am heiligen Bau des mos. Glaubens, wohl bewußt, daß es gerade in der Jetztzeit doppelt Pflicht ist, die Humanitären und gottcsgcfälligen Institutionen aufrecht zu erhalten. Ocsterr.-Ungar. Monarchie. In Wien starb der Privatier Ignaz Schwarz im Alter von 104 Jahren. Pcsth. Tic Pesther isr. Religionsgemeinde hat die Verfügung getroffen, daß für die in den Gefängnissen des Komitatshauscs untergebrachten Häftlinge jüdischer Konfession an Feiertagen fortan ein Gottesdienst abgchaltcn werde. Mit der Veranstaltung desselben wurde der hiesige Rcligionslehrcr Salvmon Kohn betraut. stk u m ä n i c n. Jassy, 2tz. März. Folgendes trug sich vor Kurzem in Plojesti zu: Ein sehr reich er Mann, Namens Elias, der Besitzer einer Spiritnsbrennerci ist, wurde auf die lächerliche Anschuldigung hin, er habe dem Staate 00 Frcs., sage fünfzig Francs, veruntreut, am Hochzeitstage seiner Tochter in's Gefängniß abgeführt. Einige ihm befreundete Bojaren boten der betreffenden Behörde \2 Million Frcs. als Eaution an, wurden jedoch mit ihrem Gesuche abgewiesen. Erst nachdem er einige Tage im Arrest gesessen, erfolgte seine Freisprechung durch den Spruch eines Geschwornen-Gerichtes, das ihn für unschuldig erklärte. Frankreich. Paris. Herr David Bacar, geboren zu Jerusalem, welcher einige Jahre dahier sich anfgehalten

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