Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 30 (16.4.1885)
- Date
- 1885-04-16
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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482 7) Am Schlüsse des Ausspruches heißt es: ■jee nc jn erkenne, was droben über Dir ist. Das Wort ~gs scheint überflüssig zu sein; es würde genügen, wenn Rabbi nur gesagt hätte rbvzh hg jn. 8) (5s bedarf der Erklärung, warum Rabbi gerade diese drei Dinge: „ein sehendes Auge, ein hörendes Ohr und daß alle Thateu in ein Buch eingeschrieben werden," hervorhebt. Zu diesen acht Fragen des Rabbi Samuel de Cjcba können wir noch andere hinzufügcn. Zunächst wollen wir darauf aufmerksam machen, daß der Ansdruck r\'xryb sehr sonderbar erscheint. Wenn wir wörtlich übersehen, so ergibt er gar keinen Sinn. Hören wir nur: Welches ist der rechte Weg, den sich der Mensch erwählen soll? Jeder, der Ruhm bringt dem, der ihn thut. 'Weder im Deutschen noch im Hebräischen paßt der Ausdruck rrr.j£, der ihn thut, zu rn, Weg; es bedarf ferner der Ausdruck mir der Präcifirnng; wir übersetzen ihn mit gerade (vergleiche Hiob E.88. P. 27) recht (vergleiche Richter (5. 17. V. «) rechtschaffen, redlich (vergleiche Psalm l l, V. 7). Es muß also sestgestellt werden, welches hier die zutreffende Bedeutung ist. Ebenso bedarf der Ausdruck mNsn der nähern Erörterung. Wir haben das Wort mit „Ruhm" übersetzt. Es steht im Zusammenhange mit -ins und heißt auch Schmuck, Zierde, Glanz. Es gibt in der hebräischen Sprache noch viele Worte, die eine ähnliche Bedeutung haben, und es muß festgcftcllt werden, warum Rabbi gerade dieses Wort gewählt hat. Ehe wir zur Beantwortung der Fragen und zur näheren Betrachtung der verschiedenen Erörterungen übergehen, wollen wir den ersten Theil des Ausspruches in der Weise erklären wie die Uebersetzung, die wir an der Spitze unsrer heutigen Abhandlung gegeben haben, es mit sich bringt. „Welches ist der rechte Weg, den der Mensch sich wählen soll? Jede (That), die Ruhm bringt dem, der sie thut und die ihm Ruhm bringt von dem Menschen." Raschi, MaimonidcS, Bartinora und viele Andere erläutern diesen Ansspruch dahin, daß der Mensch in Bezug auf die Eigenschaften, die er sich aneigne, stets die richtige Mitte wahren soll. Wenn Jemand z. B. den Armen gegenüber geizig ist, so bewahrt er sich sein Vermögen: aber die Mitmenschen tadeln ihn darob. So aber Jemand mit vollen Handelt spendet und zwar mehr als seine Mitte! ihm erlauben, so erwirbt er sich großen Ruhm bei den Mitmenschen, während er sich selbst der (Gefahr anssetzt, in Roth und Elend zu geratheu. Daher soll der Mensch die richtige Mitte eiuhalteu, nicht geizig und nicht verschwenderisch sein; dann werden die Wohlthaten, die er übt, ihm^ selbst zu Gute komuien, indem sie seinen Bermögensstand nicht schädigen, und gleichzeitig werden sie ihm Ruhm bringen bei den Menschen. Der hier ausgesprochene Grundsatz ist wohl richtig: doch scheint uns in den Worten Rabbis viel Größeres und Bedeutenderes zu liegen, was wir, nach dem Vorgänge anderer Interpreten, zu erfassen uns bemühen wollen. (Fortsetzung folgt.) Zeituugsttachrichtctt und Korrespondenzen. Deutschland. Jn Karlsruhe hat die Bismark-Feier einen häßlichen Nachklang gehabt. Die Festrede hatte der nationalliberale Professor Goldschmidt gehalten. Run kommt die konservative „Badische Landeszeitung" mit folgender Kritik: „Daß Redner die christlichgermanische Seite ganz übersah, ist, da Proveffor G. Jude ist, zu begreifen; aber zu tadeln ist, daß man überhaupt einen Juden zum Panegyriker eines echt deutschen, echt christlichen Mannes ansersah." Damit nicht genug, läßt sich auch das Leibblatt des Kanzlers, die „Nord. Allg. Z.", aus der badischen Residenz schreiben: „Es hat vielfach sehr befremdet, daß das nationalliberale Festkvmits als Festredner für das Bismark-Banket einen jüdischen Mitbürger, der nicht einmal als Redner besonders dafür qualisizirt war, gewählt hat, da auch solche christliche Kreise, die nicht zu den „Antisemiten" gehören, das Gefühl haben, daß gerade für diese Feier die Wahl eines christlichen Mannes am Platze gewesen wäre." Mit Recht bemerkt hierzu die Vossiche Zeitung: Au der Bismarkspende haben sich große Bankhäuser in hervorragendster Weise betheiligt, wir haben aber nicht gehört, daß von irgend einer Seite, welche es auch sein mag, ein Unterschied zwischen jüdischem und chriftlichenr Gelde gemacht ist. Frankfurt a. Nt. Jn dieser Woche wird Herr Dr. D. Bar naß unsere Stadt, in der er seit sechs Jahren lhätig war, verlassen, um seinen neuen Wirkungskreis als Direktor des Erziehungs- JnstitnreS in Pfungstadt anzutreten. Pflichtgetreues und hingebungsvolles Wirken im Dienste des echten liub reinen Judemhums findet stets dnrch den „Israelit" die gerechte Würdigung, und deshalb darf ich auch wohl hier in Kurzem die hiesige Wirksamkeit des Herrn Dr. Barnaß charakterisiren. Als Lehrer an der Religionsschule, an der er seit Grün-