Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 30 (16.4.1885)
- Date
- 1885-04-16
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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M SO, XXVI. Jahrgang. '♦ E i n Aenlrak - Hrgan für das orthodoxe Zudenthmn. Heransgegeben von Dr. Lehmann in Mairrz. Donnerstag, den 16. April 5645 (1885). L e i t e » d e r Artikel. Aie Sprüche der Wüterin. Mainz, 13. April. Der Ausspruch Rabbis an der Spitze des zweiten Abschnittes der Sprüche der Väter erscheint der oberflächlichen Betrachtung sehr schwer verständlich und voller Widersprüche. In der Erklärung desselben gehen die Ansichten der Interpreten vielfach weit auseinander: es gibt da Unterschiede, die schon bei der einfachen Uebersetzung hervortreten. Wir wollen die letztere zunächst nach der Auffassung des Rabbi Obadia Mibartinora geben: NTHtf b2?c»<n r nOT mttr yn inrx Taiwan rbp rrorea tht nrn .irran p t rm:rv« nntnjft msen attno nm ,rmsD bv paitr pe jnr nns "uv p-nenaa Maroni ,n*iD£n rrvay "pisn ma» *uja rose npsn ,*jcd rs^jnat* ns jn :m*äy '-.'v »a nnx *w nnaniptea rpnaa -£Da by pjfenp pw nsn pp- „Rabbi sagte: Welches ist der rechte Weg, den der Mensch sich wählen soll? Jede (That), die Ruhm bringt dem, der sie thut und die ihm Ruhm bringt von den Menschen, lind sei vorsichtig mit einem leichten Gebote lvie mit einem strengen, denn Du kennst nicht die Lohngabe für die Gebote. Und berechne den Schaden einer Mizwah gegen ihren Lohn und den Lohn einer Uebertretung gegen ihren Schaden. Und betrachte drei Dinge, so wirst Dn nicht zur Uebertretung kommen. Wisse, was über dir ist: ein sehendes Auge, ein hörendes Ohr und alle deine Thaten werden in ein Buch eingeschrieben." Ter Verfasser des Midrasch Schmuöl wirft eine ganze Reihe von Fragen auf, die jedem denkenden Leser bei. der Betrachtung des vorstehenden Ausspruches aufstosten muffen. Er fragt: 1) Wie kann Rabbi fragen: welches ist der rechte Weg, den sich der Mensch wählen soll? Liegt es denn in der Hand des Menschen, sich den Weg nach seinem Willen und seinem Wunsche zu wählen? Führt uns nicht die Thora auf den geraden Weg, wie es heißt: Denn gerade sind die Wege des Ewigen; und ferner: Und Du sollst ihnen kund thun den Weg, auf dem sie wandeln und die That, die sie thun sollen! 2) Warum fragt Rabbi, welches ist der rechte Weg, den sich der Mensch erwählen soll? Es ist doch anßer Frage, daß jeder Mensch verpflichtet ist, den rechten Weg zu wühlen; es hätte also heißen sollen: welches ist der Weg, den sich der Mensch erwählen soll — oder welches ist der rechte Weg, ohne weiteren Nachsatz. 3) Es ist auffallelld, daß in der Milte des Ausspruches zur direkten Anrede in der zweiten Persoll übergegangen wird. 4) Da Rabbi selbst leichte und schwere Gebote unterscheidet, so scheint es ein Widerspruch zu sein, daß er hinzlifügt: Denn du kennst liicht die Lohngabe für die Mizwoth; gerade diese scheint doch bestimmend zu sein, ob ein Gebot ein strenges oder ein leichtes sei. 5) Wie kann Rabbi verlangen, daß man den Lohn für eine Mizwah berechne, da er doch vorher selbst gesagt, daß man den Lohn nicht kelme. 6) Der zuletzt erwähnte Theil des in Rede stehenden Ausspruchs scheint im vollen Widerspruche zu stehen mit der Lehre des Antkgonos: Seid nicht wie Knechte, die dein Herrn dienen in der Absicht, Lohn zu empfangen. Antigonos lehrt, daß wir nicht einmal die Absicht haben sollen, Lohn zu empfangen, währelld Rabbi vertallgt, daß wir den Lohn berechnen!