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Der Israelit · 1885-04-13 · Heft 29 (13.4.1885) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 29 (13.4.1885)
Date
1885-04-13
Page
– (sequence 11)
Language
German
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475 mußte, abgesehen von seiner sonstige» Abgeschmacktheit, nach allen Gesetzen vernünftiger Logik fallen; nach einer Hetzrede ans das radbinische Judenthum ein solcher Antrag — das ist ja eine cantraclietio ja adjecto, das, Herr Professor, ist ja „logischer Unsinn!" — Das „Bert. Tgbl." bringt in seiner heutigen Nummer eine kleine Plauderei über die H. Prof. Stcinthal und Lazarus, in der es von Letzterem heißt: „Der» Profcsior f). sagt man nicht mit Unrecht nach, daß er eine ausgesprochene Neigung habe, bei akademischen und nichtakademischen Anlässen öffentlich zu reden nnd — von sich reden zu machen, und er darf sich schmeicheln, cs mit dem besten Erfolge zu thnn." Nun, des Märzes Ideen scheinen dem Herr» Professor und seiner lauttöncnden Beredsamkeit kein besonderes Glück gebracht zu haben. O e st e r r. - U n g a r. Monarch! e. Krakan, 3t». März. Der Abgeordnete Bloch hat jüngst erst wieder im .Neichsrathe jenen Vorfall zur Discusfion gebracht, der seinerzeit in Krakau viel Aufsehen erregte und seither der Ocffentlichkeit entzogen wurde. Vor drei Jahren war das kaum l4 Jahre alte Judenmädchen Rachel Stieglitz aus ihrem elterlichen Hause entführt worden. Man erzählte, daß sic von einem Kloster ins andere gebracht wurde, einzig zu dem Zwecke, um die über das plötzliche Verschwinden ihres Kindes schmcrzgcbcugten Eltern in ihren Nachforschungen irrezuführen. Leider ist dieser Fall in Galizien nicht vereinzelt. Der Fall der Rachel Stieglitz ist ein eclatanter nnd beschäftigt gegenwärtig wieder in hohem Grade das öffentliche Gewissen. Drei Jahre laug schmachten die Eltern der Rachel Stieglitz in Sehnsucht nach dem Wiedersehen ihrer ihnen entzogenen Tochter. Vergebens hat sich die Mutter um Hilfe an alle Behörden gewendet; vergebens bat sie sowohl diese als den Jcsniten-Pater Eberhard, der die Taufe der Rachel Stieglitz vorgenommen, daß man ihr ihre Tochter zurückgebc; vergebens versicherte sie, daß sie ihr Kind, wenn es auch Ehristin geworden, innig zu lieben nicht aufgehört habe, nnd daß sic dasselbe auch ferner ebenso innig als früher lieben werde. Auf die herzbrechenden Klagen der unglückliche» Mutter erwiderte Pater Eberhard, daß ihr nur unter zwei Bedingungen die Tochter znrückcrstattct werden könne, und Mar, wenn sic, die Mutter, sich taufen laffe, nnd dann, wcmr der Vater eine schriftliche Erklärung ausstclle, daß er allen seine» Vatcrrechtcn an sein Kind Rache! Stieglitz entsage. Nnd solche Bedingungen werden gestellt in nnscrm Jahrhundert, in einem coustitutionellcn Rechtsftaatc! Die Thatsache können nur Jene begreifen, welche mit den Zuständen in Galizien vertraut sind. Eines Tages erhielten die Eltern von Rachel Stieglitz einen mit jüdischen Lettern geschriebenen Brief, worin die Tochter ihre Lage im Kloster schilderte nnd ihrem heißen Sehnen nach Wiedervereinigung mit den geliebten Eltern Ausdruck gab. Durch dieses auf geheimem Wege ihnen zugekommene Schreiben wurden die Eltern in Verzweiflung versetzt. Sie faßten nun den Entschluß, sich direkt nach Rom au den Papst zu wenden, ihm die Sachlage darznftellen nnd ihn »m die Zurückgabe ihres Kindes zu bitten. Sic erhielten zwar aus Rom keinen Bescheid, jedoch wurde, wahrscheinlich in Folge dieses Gesuches, bald daraus der Mutter eine Zusammenkunft mit ihrer Tochter in Gegenwart einiger Nonnen gestattet, wobei selbstverständlich Rachel Stieglitz ihrer Mutter keine näheren Mittheilungen über ihr Schicksale machen konnte. Einige Zeit darauf erhielten die Eltern von ihrer Tochter einen Brief ans Paris, worin diese mittheilt, daß sie als Katholikin sich ganz glücklich fühle. Alan vermuthet aber, daß dieser Brief nach Paris geschickt und von dort an die Ettern derselben nach Krakau gesendet wurde. Man wollte offenbar die Familie über den Aufenthalt ihrer Tochter irreführen. Seit zwei Jahren wissen die Eltern nicht, wo ihre Tochter sich befindet. In Krakau hatte man die traurige Geschichte fast schon vergessen. Doch der Schmerz der unglücklichen Eltern über de» Verlust ihres Kindes bewog dieselben, kein Mittel unversucht zu lassen. Hilflos, von keiner Seite Unterstützung findend, wendeten sie sich an den Abgeordneten Bloch, der den Vorfall im Neichsrathe wieder vor das Forum der Oeffentlichkcit brachte. Die Krakauer Elericalen sahen sich dadurch veranlaßt, die Wahrheit dieser Affairc zu entstellen. Der Ezas brachte sofort nach der Interpellation im Neichsrathe eine Notiz, in welcher nntgcthcilt wurde, die Eltern der Rachel Stieglitz hätten diese mißhandelt, weil sic erfuhren, daß Letztere den katholischen Katechismus lerne; Rachel habe in Folge der erhaltenen Schläge das elterliche Hans verlassen. Ferner behauptet der Ezas, die Oberin der Klöster, in denen sich Rachel befand, hätten den Eltern derselben nie eine Zusammenkunft mit der Tochter verweigert, und der in jüdischen Lettern geschriebene Brief der Rachel an ihre Eltern sei ein Falsum. Der Vater, Ehiel Stieglitz, begab sich in Folge dieser Notitz in die Redaktion des EzaS und forderte daselbst im Sinne des 8. I'l des Prcßgesetzcs die Aufnahme einer Berichtigung, worin er die erwähnten Mittheilungen als unwahr bczeichnete und

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