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Der Israelit · 1885-04-13 · Heft 29 (13.4.1885) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 29 (13.4.1885)
Date
1885-04-13
Page
– (sequence 10)
Language
German
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474 In seinem Referat hat Herr Banwerker eine Wendung gebraucht, welche darauf schließen ließ, als ob Dubois-Neymond auch zu den Gegnern des Schlichtens zu zählen fei. Der Vers. wandte sich an diesen greisen Vertreter der Wissenschaft um Aufklärung, der dann unter Anderm Folgendes schrieb: „Als Physiologe möchte ich daraus aufmerksam machen, daß die Zuckungen des verblutenden Thieres, welche dem Laien wie verzweifelte Aeußerungeu von Angst und Schmerz erscheinen, vermnthlich gerade dasZeich.endeSgeschwundenen Bewußtseins sind." Diese Worte sind hochwichtig. Bekanntlich wird als Hauptargument gegen die Schechitah hervorgehoben, daß bei dieser Procednr der Tod nicht rasch genug eintrete und das Thier unendlich dadurch zu leiden habe. Die bewährte Autorität eines Dubois- Reymond ist doch wohl geeignet, die Behauptung von diesen Leiden in das Gebiet der Fabel zu verweisen. Wir wollen also dem Herrn Bauwerter ob seiner llngenauigkeit im Eitireu, wie wir es zu nennen belieben, nicht grollen; denn diese Ungenanigkeit hat uns mit dem Gutachten des Herrn Dubois- Reymond in den Besitz eines Documents gebracht, das für unsere Angelegenheit von unschätzbarem Werthe ist. Freilich wird nach dieser Wendung der Berliner Altmeister der Physiologie von dem Herrn Bauwerker zu den übrigen geworfen werden, deren wissenschaftliche Bedeutung er nicht anzuerkenneu vermag. Herr Dnbois wird sich wie die anderen Meister der Wissenschaft darüber zu trösten wissen: auf die Agitation der Herren Bauwerker n. Soudermann wirft aber ihr Vorgehen, das anerkannten und weltbekannten Eapacitätcn die Wissenschaftlichkeit und das richtige Urtheil abspricht, sobald dies nicht ihren (Erwartungen entspricht, ein eigenthümliches Licht oder vielmehr ein aufklärendes Licht. Das lächerliche Abspreche» des richtigen Urtheils einer Eapacität, wie es beispielsweise Gerlach gegenüber geschieht, zeugt von zweierlei: einmal von der Impotenz des Unwissens, das an Stelle der Gründe mit Worten kämpft, zweitens aber auch von einem verbohrten Borurtheil, das jeden Gegenbeweis fürchtet, und darum sich mit Schreien zu helfen sucht. Die Leute wollen nichts bewiesen haben, nicht die Sache der Wahrheit ist es, für welche sie eintreten, es sind unlautere Zwecke, die unter dem Deckmantel humanitärer Phrasen verfolgt werden. Dieses Jeden! klar dargelegt zu haben, ist das Verdienst des vorliegenden, trefflichen und gründlichen Buches. Die weitmöglichfte Verbreitung dieses Buches ist demselben im Interesse der Sache, die es vertritt, wie auch im Interesse des Belehrung suchenden Publikums zu wünschen. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Würzburg, 9. April. Heute Vormittag fand die (Eröffnung des in diesen Blättern schon mehrfach erwähnten neuen israel. Krankenhauses dahier programmmäßig in einem Akte administrativen Charakters statt. Die Rede hiebei, welche der Schriftführer, Herr Schuldirektor Stern, hielt, verbreitete sich über Zweck, geschichtliche Entwicklung und dermaligen Stand der israel. Kranken- und Pfrüudnerhausstiftung. Der anwesendeHr.Kreismedicinalrath Dr. Schmidt, als Vertreter der kgl. Negierung, nahm Veranlassung, seine volle Anerkennung sowohl über die zweckmäßige Einrichtung des Hauses als über die jüd. Wohlthätigkeit, die ein so schönes Werk ermöglichte, auszusprechen und dem Unternehmen ferneres Gedeihen zu wünschen. Abends wurde das nii^-Gebet mit Anfügen entsprechender Psalmen im Betsaale der Anstalt verrichtet. Berlin, 15. April. Wie den Leser» des „Israelit" erinnerlich sein dürfte, stand vor einigen Wochen auf der Tagesordnung der Berliner Repräseutamenversammlung ein Antrag des Prof. L a z a r u s und Genossen, die n o ch g e l t e n d e u Sitten gesetzt des Judenthums in Verbindung mit den Gemeindevorstände» von Wien, Paris, Petersburg und London zu proklamiren. Wir waren s. Z. in der Lage, die vorgeschlagene Deklaration fast ihrem Wortlaute nach mitzutheilen. Der Antrag war vom Vorstande einstimmig verworfen worden, und auch wir hatten uns gegen das unzeitgemäße und überflüssige Projekt mit Entschiedenheit erklärt. Da Prof. Lazarus am Erscheinen verhindert gewesen, so hatte die Versammlung die Berathung vertagt und der. Vorstand verlegte nunmehr dieselbe in die geheime Sitzung des 15. März. In dieser wurde der Antrag nach längerer, theilweise sehr erregter Debatte, in welcher Prof. Lazarus aufs heftigste angegriffen wurde, mit großer Majorität abgelehnt. Und die Versammlung hat Recht gethan; es wäre auch zu lächerlich und widersinnig gewesen, wenn das Collegium dem Anträge des Prof. Lazarus, die Sittengcsetze der Bibel und der Rabbineu vor der civilisirten Welt zu proklamiren, zugestinnnt hätte, dem Anträge desselben Mannes, welcher eine halbe Stunde vorher die religiösen Lehren derselben Rabbinen als Ausfluß „gedankenloser Unwissenheit" und als „offenbaren Unsinn" hingestellt hatte. Der Antrag

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