Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 29 (13.4.1885)
- Date
- 1885-04-13
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XXVI. Jahrgang. Beilage zu 1U°. 29 -es Israelit. Leitender Zttikel. Literarischer Bericht. „Thier -Schutz und M e n s ch e u - T r u tz." Sämmtliche für und gegen das Schächten geltend gemachten Momente kritisch beleuchtet nebst einer Sammlung aller älteren und neueren Gutachten n. s. w. und einer Abbildung der Zecha'- schen Legmethode, von 1)r. H. Ehrmann, Rabbiner. Frankfurt a. M. I. K a u f f m a n n. r-Z. In diesem Jahrhundert der „Fragen" ist auch das Schächten zu einer Frage gemacht worden, und zwar war es vor dreißig Jahren die Schweiz, die eine Schächtfrage zuerst auf die Tagesordnung brachte. Nach den von Kayserlrng und Engelbert veröffentlichten Schriften, die eine Reihe von Gutachten weltbekannter Eapacitäten, die ihr Urtheil zu Gunsten des Schlichtens abgeben, enthalten, hätte man die Frage auch für den heißblütigsten und von Natur bestbeanlagten Fragesteller für gelöst halten sollen, aber weit gefehlt! Die Gaiinng der Fragesteller, die auch durch eine zehnfache Anzahl Weiser nicht zur Ruhe gebracht werden können, stirbt nicht aus, und als in Deutschland das Mailüftl eines Stöcker-Henrici'schen Völkerfrühlings zu nahen begann, da hatte auch Deutschland seine Schächtfrage in bester Form, als bereu eifrigste Herolde die Herren Sondermann und Bauwerker in die Arena sprangen. Wir haben diese Bewegung gleich voll Anfang an mit größter Aufmerksamkeit in diesen Blättern verfolgt; die plumpe Angriffsweise, deren sich die Schächtfeinde in ihren! Kampfe bedienten, die bodenlose Unwissenheit, die sich in allen den Erörterungen zeigte, machte es uns leicht, die Motive des gleichsam vom Zaune gebrochenen Kampfes offen darzulegen. Darum erscheint es uns außer der allgemeinen noch als besondere und zwar angenehme Pflicht, auf das oben bezeichnete Werk die Auflnerksamkeit des Publikums hinzulenken, als auf ein Werk, das auch den weitgehendsten Ansprüchen auf allseitige und erschöpfende Behandlung des Schächtstreites genügt. Außer den einleitenden Bemerkungen behandelt das Werk folgende Punkte: 1) die Jncompetenz der Thierschutz-Vereine zur Erledigung der Schächtfrage; 2) die Agitation gegen das Schächten; rr) die Schächtfrage ans den jüngsten Thierschutz - Eongreffen in Wien und Dresden; 4) die Vorbereitungen zum Schächten; 5) das Schächten im Vergleich mit den neueren Tödtungsarten (Schlacht- und Schnßmaske); 6) das religiöse Moment. Hieran reihen sich 52 Gutachten anerkannter Autoritäten und Erklärungen der Metzgermeister von Karlsruhe, Eöln, Mühlhausen, und das Urtheil der internationalen Fleischerzeitung. Wir dürfen wohl bei unfern Lesern die Kennt-- niß von der Art und Weise der Angriffe gegen das Schächten voraussetze» und glauben sie auch durch die Behandlung, welche die Schächtfrage in diesen Blättern erfahren hat, hinlänglich von der Nichtigkeit jener Angriffe überzeugt. Wir übergehen deshalb die diesbezüglichen Punkte der vorliegenden Schrift. Hier wollen wir nur hervorhcben, wie der Verf. es verstanden, die „Unzuverlässigkeiten" der Autischächter nachzuweisen, wie er durch Beleuchtung der Referate auf den Thierschutz-Eongressen gezeigt, das; die Waffen, mit denen namentlich Herr Bauwerker kämpft, nicht ganz reinlich und zweifelsohne sind. Wenn z. B. Herr Bauwerker seine Zuhörer auf dem Wiener Thierschutz-Eongreß in ein leichterklärtiches Gruseln versetzt, indem er ihnen von dem Mißlinge», das bei der Schechitah Vorkommen kannerzählt und dieses mit dem für den Laien schrecklich klingenden Wort „Nabeln" bezeichnet, so ist eine solche Kampfesweise unsauber. Denn l1/* Jahre vorher haben wir in diesen Bl. im Hinblick auf Bauwerkers Broschüre nachgewiesen, wie weit das „Nabeln" von Thierqnälerei entfernt sei, wie vielmehr der weitgehendste Schutz gegen Quälerei in den Bestimnlungen liege, daß auch der geringste störende Umstand während des Schlichtens ein „Nabeln," das Thier für den Genuß unbrauchbar mache. HerrBauwerker hat diese Erklärung gelesen, und er bleibt bei seinem Worte und verschweigt. dieDeutnng. Die Gutachten sind zumeist den Schriften Engelberts und Kayserlings entnommen, worauf der Verf. auch hinweist. Daß diese, welche in Deutschland nicht so wie sie es verdienten, bekannt wurden, jetzt voll Neuem dem Publikum geboten werden, halten wir für einen Gewinn. Ueberdies sind aber theils eine Reihe neuer Gutachten hinzugekommen, theils haben Begutachter von früher ihr Votum in einer Zuschrift au den Verf. in dem früher gegebenen Sinne erneuert. Ein hoch interessante Entdeckung hat der Verf. gemacht, die wir hier erwähnen wolle».