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Der Israelit · 1885-04-13 · Heft 29 (13.4.1885) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 29 (13.4.1885)
Date
1885-04-13
Page
– (sequence 6)
Language
German
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470 in der Vereins-Kanzlei: Wien, 2. Bcz., Untere Augartenstraße 17 entgegengcuommen. Pefth, 31. Marz. In Deutsch-Liptsch im Liptauer (Somitatc haben am Abend des Palmsonntags grobe Cxcesse gegen die jüdischen Bewohner stattgesunden. Mehrere wurden mißhandelt, ihre Häuser gestürmt und die Fenster zertrümmert. Anlaß zu den Cxcessen boten die seit der Affaire von Tisza-Cszlar immer kurz vor Ostern landesüblich gewordenen Gerüchte von Blutmärchen; so hieß es, diesmal sei cs einem in der benachbarten Ortschaft Körmös zum „Opfer" ausersehenen vierzehnjährigen Mädchen gelungen, zu entrinnen und die Anzeige zu erstatten. Diese Gerüchte verbreiteten sich auch in den umliegenden Ortschaften und führten Sonntag Abends zu den Cxccffeu, zu deren Bewältigung Honvcds und Gendarmen i'cqnirtrt wurden, welche die Ruhe hcrstellten. Die Untersuchung bezüglich dieser Affaire wurde bereits eingeleitet, und das Resultat derselben dürfte bald zur Kcuntniß des Publikums gelangen. Frankrei ch. Paris. Monatsbericht (Januar und Februar) der „All. Jsr. Univ." (Die Israeliten R u m änicn s.) — Bei der letzten Aushebung in Baslni hat man sämmtliche Juden, unter dem Vorwände, daß sie Fremde seien, aus dein Mititärdienste verdrängt. Gin junger Israelit, Isidor Golinger, bewies, daß er in Rumänien geboren, daß sein Bruder an dem russisch-türkischen Kriege Theil genommen und seine Naturalisation erlangt habe, daß sein Later im Jahre 1848 seiner Dienstpflicht Genüge geleistet. Die Aushebungs-Commission wollte diese Argumente nicht gelten lassen und hat den jungen Golinger als Fremden beanstandet. Ein anderer junger Mann Namens Israel Goldenberg, welcher wegen Gesundheitsschwäche ans zwei Jahre znrückgesetzt worden, wurde diemal vom Arzt für dienstfähig erkannt, vom Präfccteu jedoch abgewiesen unter dem Vorwände, er sei ein Fremder. Auch in anderen Distrikten sind die Behörden in dieser Weise verfahren; sie suchen auf alle möglichen Arten zu beweisen, daß die Inden Ausländer, und ihrer 'Naturalisation alle möglichen Schwierigkeiten in den Weg zu legen: Ein Israelit Namens Simon Hecht wurde kürzlich vor die Polizei berufen, wo ihm vorgeworfen wurde, daß er in Beziehungen zu einer bei der Negierung schlecht angeschriebenen Persönlichkeit stehe; ohne Rücksicht auf sein Atter wurde er mit der Knute traktirt, bis er, in Blut gebadet, hinfiel. — Ein anderer Israelit, der es abgelehnt hatte, ein ihm von einem Händler angebotenes Theaterbillet zu kaitfen, wurde vor die Polizei gerufen und mit der Knute geschlagen. — Als kürzlich Herr Bratiano, Minister-Präsident, Dorochoi besuchte, erhielten die Juden den Befehl, die Thüren ihrer Magazine roth anzustreichen znm Beweise, daß sie der rothen oder liberalen Partei angehören. Es gab weder genug Anstreicher noch genug Farbe im Orte, um es allen Inden zu ermöglichen, diesem Befehl nachzukommen. Die Polizei ließ diejenigenkommen, welche dieser Vorschrift nicht Nachkommen konnten, und ließ sie mit der.Knute züchtigen. Frauen und Kinder mußten sich dazu verstehen, Ziegelsteine zu zerstampfen, um die Polizei zu befriedigen und der Knute zu entgeheil. (Schluß folgt.) Rußland. Odessa, 7. April. Der Gründer der Sekte „Ren-Israel", der vielgenannte JosephRabbinowitfch, hat sich, wie die „W. Allg. Z." meldet, nach dem russisch-orthodoxen Ritus taufen lassen. Um mehr Anhänger in den unteren Klaffen der Juden zu gewinnen, lvnrdc ihm gestattet, daß in der Kirche Predigten allch im jüdisch-deutschen Jargon abgehalten werden. T ü r k e i. Lalonichi, 28. März. Zwischen dem hiesigen französischen Generalkonsul Dozon und dem Commandanten der Gendarmerie fand, der „N. Fr. Pr." zufolge, wegen Arretirung eines spanischen Juden, der angeblich französischer Unterthan sei, ein heftiger Auftritt statt, der beinahe in Thätlichkeit ausgeartct wäre. Der neue Bali, Haki Pascha, hat diesbezüglich au den Großvezier berichtet. P a l ä st i n a. Jerusalem. Wiederholt hat der hiesige Paschah ein Circulär ergehen lassen, worin er die Israeliten auf's Strengste ermahnt, binnen kürzester Zeit ihre Pässe vorzulegen, damit ihre Staatsangehörigkeit constatirt werden könne. Alle Diejenigen, welche dies versäumen, werden schonungslos auSgewiesen. Auch unter den Mitgliedern der deutsch-jüdischen Gemeinde wurde für die Bismarkspende gesammelt. Der deutsche Cousul, welchem durch Herrn Selig

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