Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 29 (13.4.1885)
- Date
- 1885-04-13
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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471 Hausdorff 911 M. übergeben wurden, staunte über den verhältnismäßig großen Betrag der Sanunlnng und dies, um so mehr, weil bei de» Deutschen christlicher Confessio» nur 185 M. cingegangen waren. M a r o c c o. Die endliche Negulirung der Angelegenheit der unterdrückten Denmater Juden ist auf die Intervention der dorthin gesandten Untersnchuugscommission, bestehend ans Cid Bubeka al Khanjawi und drei jüdischen Mitgliedern erfolgt. Wenn auch das Arrangement nicht derart ist, wie es Freunde der Menschlichkeit gewünscht hätten, so ist es doch für ein Land wie Marocco zufriedenstellend. Freilich ist der Gouverneur nicht seines Amtes entsetzt und auch nicht zur Rechenschaft gezogen worden -~ allem Anscheine nach gehört derselbe einer mächtigen Parthei des Landes an nud wagte es der Sultan aus politischen Rücksichten nicht, gegen ihn vorzn- Gerettet. ('i,i< Erzählung von Friedrich Rort. Fünftes Kapitel. Eine Woche war verstrichen. Täglich hatte Herr von Königsteiu seinen Diener geschickt, um sich nach dem Befinden des Kindes erkundigen zu lasten, und als ihm endlich mitgetheilt wurde, daß es bereits das Bett verlassen, da kam er selbst: denn es drängte ihn, sich zu entschuldigen, daß durch sein Gefährt das Kind verwundet worden. Liktor lag auf dem Sopha, hatte die Stirn noch verbunden, sah aber trotzdem recht munter aus. Der Later saß an seiner Seite und erzählte ihm eine Episode aus der biblischen Geschichte, und voll Aufmerksamkeit lauschte der Knabe, als die Thür aufging und von der Mutter geleitet, Herr von Königstein in das Zimmer trat. „Ich bitte sehr um Entschuldigung, wenn ich störe, aber ich mußte es Ihnen gegenüber einmal persönlich aussprechen, wie unendlich leid es mir thut, daß durch die Ungeschicklichkeit meines Kutschers Ihr liebes Kind in Gefahr war. — Wenn ich miv wüßte, wodurch ich das wieder gut machen könnte." Herr Maibaum erwiderte einige verbindliche Worte, während seine Frau dem Fremden einen Sessel reichte; dieser wandte sich jedoch zunächst an das Kind, dem er die Hand bot. „Wie geht cs Dir, mein liebes Kind? — Du bist mir doch nicht böse?" Viktor blickte lächelnd zu ihm auf. „Warum sollte ich Dir böse sein? - - Du hast mir doch nichts gethan." „Aber mein Pferd hat Dich getreten." „Dafür kannst Du doch nichts." „Freilich nicht, aber wenn Du willst, lasse ich das Pferd todtschießen." „Nein! o nein!" rief das Kind. „Das arme Pferd! laste es nicht todtschießen. Es ist ja nur ein dummes Thier nud weiß vielleicht gar nicht, daß es mir wehe gethan hat. Wirst Du es nicht todtschießen lassen?" „Wenn Du es nicht wünschest,' gewiß nicht." „Aber," fuhr der Knabe nach kurzem Sinnen fort, „Du mußt es aubinden fm Stall, damit es keine Kinder wieder trete» kann. Willst Du?" Herr von Königstein blickte lächelnd auf das liebliche Kind, dem das Gefühl der Rache vollständig fremd schien und das schon so gern für seine Mitmenschen sorgen wollte. „Wirst Du es anbinden?" wiederholte Liktor. Herr von Königstein antwortete nicht sogleich. Während er ans das Kind hernkederblickte, war plötzlich eine eigenthümliche Empfindung über ihn gekommen. Er wußte doch mit Bestimmtheit, daß er den Knaben bei seinem Unfälle zum ersten Male gesehen, und dennoch, wenn er in dieses liebliche Antlitz blickte — er hätte darauf schwören mögen, daß er es längst gekannt. Diese hellblonden, leicht geringelten Haare, die in dünnen Löckchen ans die schöngewölbte, albastergleiche Stirn fielen, unter der ein Paar dunkler, glänzender Augen seltsam contrastireud hervorleuchteten, diese feingespaltenen, schwellenden Pnpurlippen, diese Grübchen in Kinn und Wangen, wo hatte er sie gesehen? —- dessen konnte er sich nicht erinnern — doch gesehen hatte er sie, deß war er sicher. Er fuhr sich mit der Hand über die Stirn, als wollte er quälende Gedanken verscheuche» und erhob sich rasch. „Sei unbesorgt, liebes Kind, ich werde das unartige Pferd nicht aus dem Stalle lassen, es wird kein Kind wieder stoßen." Dann wandte er sich an die Eltern, sagte ihnen. einige schmeichelhafte Worte über die Lieblichkeit ihres Kindes und empfahl sich. Herr Maibaum begleitete ihn bis zur Hausthür, durch die soeben Frau Lewiu eintrat.