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Der Israelit · 1885-04-13 · Heft 29 (13.4.1885) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 29 (13.4.1885)
Date
1885-04-13
Page
– (sequence 4)
Language
German
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468 'Hart? ein p CVV cra nbv zbw sw er liebte den Frieden, er strebte nach Frieden »nd machte Friede» zwischen Menschen »nd Menschen. Zur Entfaltung echt priesterlicher Thätigkeit, wie sie der Talmud iu den citirten Worten kennzeichnet, war ihln als langjähriger Vorsteher seiner Gemeinde reichlich Gelegenheit geboten. Wie er jederzeit willig diese Gelegenheit ergriff und benutzte, was er für die Gemeinde Siegburg gewesen, wie es nicht znm Geringsten seinem Einflüsse zu verdanken ist, daß in dieser Gemeinde wie in den: ganzen Umkreise noch heute eine feste Stätte für rray: min sich erhalten, läßt sich im Einzelnen nicht schildern. Gleichwohl kann ich es mir nicht versagen, zwei Handlungen ans dem reichen, vielbewegten Leben dieses Mannes hcrvorzuheben, die zu charakteristisch sind, als daß sie verschwiegen werden dürften. Eine nicht nnbentende Stadt wie Siegburg mit einer jüdischen Gemeinde von ca. 70 Mitgliedern, in welcher kein Rabbiner wirkt und doch nichtein einziges Geschäft annao u. c"' geöffnet ist, dürfte vielleicht im ganzen weite:: deutschen Reich einzig dastehen, und daß dem so ist, ist einzig das Verdienst der Verstorbenen. Als vor einigen Jahren ein Geschäftsmann damit beginnen wollte, am zweiten Tag sein Geschäft zu öffnen, erbot er sich in hochherziger Weise dem Betreffenden den ganzen Verlust, der ihm aus dem Geschlossenhalten des Geschäftes erwachsen könnte, aus eigener Tasche zu ersetzen. Ter zweite Fall betraf einen neu zugezogenen Metzger, der am rav sein Geschäft öffnen wollte. Sofort, nachdem er Kenntniß davon erhalten, begab sich der Verblichene nach Cöln und erwirkte sich von Herrn Rabbiner Tr. P l a t o ein Gutachten des Inhaltes aus, daß ein ernu' für einen solchen Metzger nicht schlachte:: dürfe, um nicht may "ia:y ~p p'mc zu sein. Tiefes Gutachten ließ er sodann in der Synagoge vor der versammelten Gemeinde verkündigen; das Ceffneii des Geschäftes unterblieb und ist auch bis heute kein weiterer öffentlicher nasr vorgckommen. — Run aber ervan mey rbs:, nun ist sie gefallen, die Krone ihres Hauptes. Die Gemeinde hat ihr edelstes Mitglied, die Rothleidenden einen Helfer, die Bedrängten ihren Beschützer verloren; denn, wo es galt.Thränen zu stillen, Hungernde zu speisen, verschämte Armuth aufzurichten, da sah :nan den Verblichenen eine Thäigkeit entfalten, die ihres Gleichen nicht findet. — Aber auch das Gesanuntjudenthum hat diesen Verlust schwer zu beklagen, cev nttny cipen p p-iv mm, denn das Hinscheiden eines Fromme:: läßt eine Lücke zurück. Auch haben wir keinen Ueberflnß von Männern, die mit aufrichtiger Liede und Ueberzeugungstreue dem traditionellen Judeuthumc auhängend, stets zu jeder Zeit zu allem Guten sich bereit finden lassen. So war der Verstorbene auch der Ersten Einer, die sich vor 17 Jahren znsammengeschaart, um durch Gründung eines Lehrerseminars in den Rheinlanden den: Judenthume eine Stätte für rray min zu bereiten, und war bis zu seinem Tode ein thätigcs Mitglied des Seminarcuratorinms. Das war ein Leben und Streben, wofür der leider zu früh Dahingeschiedene, uingeben von einer liebenden Kindernnd Enkelschaar, geliebt, geehrt und geachtet von allen Edel- und Gutgesinnten, die Früchte schon in diesen: Leben genossen, Nir» zbyb nc’p ppm, der eigentliche Lohn aber harret seiner im ewigen Leben. — Auch seine nichtjüdischen Mitbürger haben die Ehrenhaftigkeit seines Charakters, die Lauterkeit seiner Gesinnung erkannt und ihn als Vertreter in das städtische Collegium gesandt. In dieser Stellung hat er sich als beigeordneter Bürgermeister, wie es in einen: von: Bürgermeister des Lrtes Unterzeichneten Nachruf heißt, „seit einer Reihe von Jahren in rastloser Thätigkeit den Interessen der Geineinde gewidmet und sich hervorragende Verdienste um das Eniporblühen seiner Vaterstadt, die ihn: stets ein dankbares Andenken bewahren wird, erworben". — Bei einen: solchen Leben kann es nicht Wunder nehmen, wenn die Trauer um den Tahingeschiedene:: eine allgemeine ist nnd daß deffen Leichenbegängniß sich so imposant gestaltete, wie Siegburg ein zweites wohl nie gesehen. Aus Rah' und Fern waren die Verehrer dieses edlen Menschenfreundes herbeigeströmt, um ihm das letzte Geleite zu geben und zu bekunden, daß er sich bei Allen, die ihn kannten, ein ehrendes, bleibendes Andenken erworben. n"a"v"L"n Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien. Jüngst starb dahier im Alter von 66 Jahren Herr Rachum Kriß, aus Ungarn gebürtig, welcher sich durch seltene und überaus strenge Frömmigkeit auszeichnete. Derselbe wohnte über dreißig Jahre dahier und hat während dieser langen Zeit kein Wiener Fleisch genossen ans Furcht, es könnte nicht allen religiösen Vorschriften entsprechen. Auch Wohlthätigkeit übte der Verstorbene mit förmlicher Selbstverleugnung; er wartete nicht, bis ihn ein Armer um ein Alnwfen ansprach, er suchte die verschämten Armen fast täglich auf, um ihnen Unterstützung zu reichen. ra*an Wien. Ten: Jahres - Bericht des Vereines zur Unterstützung armer kranker Israeliten in Wie» (1884) entnehmen wir:

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