Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 29 (13.4.1885)
- Date
- 1885-04-13
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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4K6 und unrein gewidmet, in Bezug auf Geräthe, Wohnungen, Krankheiten, dir Neiuiguugsbäder, die zu beobachtende Reinheit im ehelichen Leben und Altes, was daran sonst sich knüpft. — So wurde der gesammte Inhalt der mündlichen Lehre stistematisch geordnet und leicht übersichtlich dargeftetlr. Was vorher eine unübersehbare Menge voll einzelnen Vorschriften gewesen, wurde jetzt in ein großes Ganzes gebracht, in dem jedes Einzelne den entsprechenden Platz fand. Rabbi besaß alle Eigenschaften, die ihn zu diesem großen Werfe befähigten: die größte, peinlichste Sorgfalt in der Ausuahure des Vorhandenen, die kritische Befähigung im Ausscheiden solcher Lehren, die Halachah-Krast mcht erlangt hatten, und die nothlvendige Pietät für die Entscheidungen früherer Autoritäten ipr mm "03. Er verband mit der allumfassenden Liebe für sein Volk und namentlich für die Talmkde Ehachamim, auch die nothlvendige Strenge, die sich die uöthigc Autorität zn schaffen lvnßte. Auch den äußeren Verhältnissen lvnßte er Rechnung zu tragen. 2-rrox tdc 'ti m. Alle diese Eigenschaften, getragen von großem ScharfsilNle, von einem stauueuswertheu Gedächtnisse, einem ullermüdlichen Fleiße, den selbst ein dreizehn Jahre wahrendes körperliches Leiden nicht abschwächen konlite, erhobeli Rabbi zu einer Autorität, die ihn alle Andern hoch überrage» ließ; wie bei Moscheh Rabbenu war bei Rabbi *»r*x mprs rfrvui mm; er war gleichsam der Inbegriff der Gottestehre mib zugleich durch Fürstenwürde, Reichchum lind durch seine gewaltige Persölllichkeii die höchste, nnaufechtbare Autorität, ans die jedoch er selbst vielfach verzichtete, sich den Meinungen Anderer, nach bester gelvordener Einsicht, unterordnend. Und ebenso bewunderungswürdig wie seine erhabene Persönlichkeit, sind auch die Stttenlehren, die uns von ihm am Eillgange des zweiten Abschnittes der Sprüche der Väter tradirt werden. (Fortsetzung folgt.) Zeitnugsuachrichlen urrd Correspondenze». Deutschland. Mainz, n. April. In Folge nuferer Ansprache an die Führer der jüdischen Orthodoxie tu Ungarn in Rr. 2.'» und 2« sind uns von hervorragelldell Rkännern aus dem genannten LaudeKundgebllitgell der Zustimmung rmd des Dankes zugekommen. Jeder besonnene Mann sieht mit Betrübuifl die Brandfackel zerstörender Zwietracht auflenchten und wünscht nichts sehnlicher als die Beilegung des verderblichen Streites. Hoffen lvir, daß unter göttlichem Beistände die bessere Einsicht siegt und der Friede nicht weiter gestört werde. — Dagegen sucht ein in Deutschland erscheinendes jüdisches Blatt mit uns Streit anzufangen. Dasselbe fühlt sich durch den erwähnten Artikel betroffen. Ein alter Frankfurter Rabbiner, Rabbi Hirsch Hnrwitz pflegte am Eingänge seiner Predigten zu sagen: „Rabbaußei, ich meine Keinen; wer aber meint, ich meine ihn — den meine ich." — Wir habeil einfach die Thatsache constatirt, daß die Zeitungen, die bis jetzt der Streitigkeiten erwähnten, daran Gefallen finden, was natürlich dazu führen mllß, den entstehenden Brand zu einen! vernichtenden, verzehrenden Feuer anzufachen. Wer die Berichte gelesen, wie sie mit Behagen die Schmähungen gegen einen der Führer der jüdischen Orthodoxie in Ungarn lvkederholen, wie gerade das in Rede stehende Blatt triumphirend darauf hinlveist, daß es das Seinige dazu beigetragen habe, daß es so gekommen, wird mit uns vollkonnnen übereinftimmen. Es lag uns jedoch fern, der ertvähutcn Zeitschrift eine böse Absicht zu imputiren, und in dieser Beziehung habe» wir uns vielleicht nicht präcis genug ausgedrückt; aber auch nur in dieser Beziehung; den von uns ausgesprochenen harten Tadel müssen wir im Uebrigen voll und ganz aufrecht erhalten. In eine weitere Polemik werden wir uns nicht einlaffen, da wir nicht die Absicht haben, selbst in den Fehler ,;u verfallen, den wir in Bezug auf unsere Gesinnnngsgenossen in Ungarn so lief beklagen. Mainz, 12. April. Durch die Zeitungen geht die Frage, ob die Langlebigkeit erblich sei V Das Beispiel der Familie Mo nt es io re scheint für die Bejahung dieser Frage zu sprechen, da die Eltern und Geschwister des Sir Moses sümmtlich ein hohes Alter erreichten, dessen mittlere Dauer 8 t Jahre beträgt. — Auch im Talmud wird die Langlebigkeit zu den Dingen, die sich - ebenso wie die Schönheit, die Körperkraft und die geistige» Anlagen — zu vererben Pflegen, gezählt. Man vergleiche Tractat Idioth c. 2, 8 9. Stuttgart, 8. April. Die isr. Kkrchenvorsteherwahl ist vorüber und hat mit der Wiederwahl der seitherigen Mitglieder des Eollegiums, des Hrn. med. Dr. Ruf imb des Hrn. Fabrikanten S. Loeb geendet. Hr. Moritz Stern ließ sich auf Drängen seiner Freunde doch noch zu einer Eandidatur herbei und brachte es auf 5r> Stimmen, während die Sieger je ca. lüo Stimnlen auf sich vereinigten. Fragen wir nach de» Gründen, warum der gesetzestreue Hr. Stern so sehr in der Minderheit geblieben ist.