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Der Israelit · 1885-04-13 · Heft 29 (13.4.1885) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 29 (13.4.1885)
Date
1885-04-13
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XXVI, Jahrgang. J\o AA. Der Israelit. Ein Gentrat - Hrgan für das ortfiodo.re Iudentkum. Hcrausgcgcbcn von Dr. Lehman» in Mainz. Montag, den 13. April 5645 (1885). Leitender Artikel. Die Sprüche der Vätern. Mainz, 9. April. Die heilige Schrift erzählt, da» Riwkah, die Mutter von Jakob nnd Efaw, in ihrer Bedräuguiß hinging. Gott zu befragen. Hub Gott sprach:' ■poaa dm:, „zwei Völker sind in Deinem Schooße." Unsre Weisen lehnen, indem sie D'r«: ':v deuten, daran die Prophezeihung, daß einst den beiden zu erwartenden Kindern zwei große erhabene Männer entstammen, die gleichzeitig und gemeinsam der Welt zum Segen gereichen, Rabbi und Antouiu, Rabbi, ein Nachkomme Jakobs und Antonin, der römische Kaiser, ein Abkömmling Esaws. Das innigste Freundschaftsband umschlang die beiden Männer. Durch die Freundschaft des römischen Kaisers erlangte Rabbi Ruhe, Frieden und Wohlstand für sein Volk, während ihn selbst die Gnade des Kaisers mit Reichthümern überschüttete. Rabbi aber dachte nicht daran, diese Reichthümer zu genießen oder auch nur eine» großen Theil derselben für sich zu verwenden. Er lebte nur für sein Volk und für Gottes heilige Lehre. In ihr forschte er Tag und Nacht und lernte und lehrte unablässig. Er sammelte um sich alle Weisen des Volkes nnd pflegte mit ihnen gemeinsam das Studium; von allen Seiten strömten die Schüler nach Syphoris, seinem Wohnorte, uut> Rabbi ernährte sie. In den Jahren der Hungersnoth öffnete er seine Schatzkammer» und Vorrathshäuser und theilte ans an alle Hungerden, an Gelehrte und Ungelehrte. Er sorgte für die Erziehung der Kinder, namentlich für verwahrloste Waisenknaben und ließ sie zu tüchtigen, guten Menschen heranbilden. Sein epochemachendes Werk aber war die Sammlung und Ordnung der Mischnah. Er wurde dadurch ein zweiter Moscheh. Unser großer Lehrer Moscheh hat die Thorah uns überbracht, Rabbi hat sie uns erhalten. Bis zu den Tagen Rabbi's war die mündliche Lehre nicht in eine feststehende Ordnung gebracht und war dadurch im Laufe der Zeiten' in Gefahr gekommen, vergessen zu werden. Schon Rabbi Akiba hatte das Bedürfniß gefühlt, die mündliche Lehre systematisch zu ordnen und den ersten Versuch dazu gemacht '2mm n:r : }«‘py; sein Werk hatte sein Schüler Rabbi Meir fortgesetzt. Den von Rabbi Meir zusammengestellten Mischnah-Text legre Rabbi seiner Arbeit zu Grunde tne 'm cro*. In Verbindung mit seinen Genossen, Söhnen und Schülern ordnete nnd sichtete Rabbi den ganzen ungchenren Stoff, prüfte und verband und schied ans und brachte die ganze mündliche Lehre in sechs systematisch geordnete Theile. Die erste Ordnung enthält all die Gottesgebotc, die sich an den Ackerbau lind dessen Ertragnisse knüpfen, eingeschlosseu die Segenssprüche über Brod und Früchte nnd daran anknüpfcnd die Vorschriften über Gebete und den gemeiusameu Gottesdienst. Die zweite Ordnung enthält die Lehren von den Sabbaten und Festtagen nnd von Allem, was damit in Verbindung steht. Die dritte Ordnung belehrt uns über Ehelchließung, Ehescheidung, Ehecontracte, Schwagerehe und Ehalizah und was sonst damit im Znsammhauge steht wie Gelübde (da der Gatte berechtigt ist, Gelübde der Gattin zu zerstören). Die vierte Ordnung enthalt die gesammte, jüdische Rechtswissenschaft, die Vorschriften über Eivil- und Eriminalprocesse, die Einrichtung der Gerichtshöfe rc. Die fünfte Ordnulig belehrt uns über die Opfer im heiligen Tempel ebenso wie über die Vorschriften in Bezug auf die erlaubten und unerlaubten Speisen nnd Alles, was mit Beidem im Zusammhange steht. Die sechste Ordnung ist den Vorschriften über rein

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