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Der Israelit · 1885-06-01 · Heft 43 (1.6.1885) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 43 (1.6.1885)
Date
1885-06-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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703 Kinder, im Waisen-Asyle des Vereins 18 Kinder erzogen und betrugen die Ausgaben für beide Anstalten wie für die außer denselben erhaltenen 20 externen Waisen 16,167 fl. 15 kr. Die Verpflegung und Erziehung eines Kindes stellt sich durchschnittlich auf 235 fl. 45 kr. im Waisenhause und auf 150 fl. im Waisen-Asyle. In der Armen-Speiseaustalt speisten vom 1. April 1884 bis 1. April 1885 77,764 Personen ohne Unterschied der Confeffion; davon gänzlich gratis 11,491 Personen. Den Hörern des Landes- Rabbinen-Seminars wie der isr. Lehrer-Präparandie wurden während derselben Zeit 10,996 Portionen Mittagsessen verabreicht. Die Verwaltungskosten betrugen 9728 fl. 1 kr. Die Gcsammtausgaben für sämmtliche Zweige seiner philanthropischen Wirksamkeit betrugen 44,335 fl. 53 kr., welchen nnrEinnahlnen im Betrage von 36,564 fl. 2 kr. gegenübersichen; das Bedarssdcfizit wurde von den einzelnen Fonds abgeschrieben. Das Reinertragmß der zur Deckung der Waisenhaus-Ausbauschuld im vorigen Jahre veranstalteten Lotterie betrug 8912 fl. 48 kr. Zur Vergrößerung des Waisenasyls spendete Herr Baron M. v. Hirsch in Paris 10,000 fl. Die Generalversammlung genehmigte unter dem Ausdrucke des Dankes an den hochherzigen Spender den Antrag, daß ein neues Asylgebäude aufgesnhrt werde, in welchem auch die Speise-Anstalt entsprechend vergrößert untergebracht werden kann. Die in dieser Angelegenheit bisher durchgeführten Verfügungen des leitcuden Ausschusses werden gleichfalls gutgeheißen. Aus Pesth wird gemeldet, daß auch der antisemitische Geistliche Zimandi aus der Autisemitenpartei ausgetreten ist. Raab. Der neue Erz-Abt von Martinsberg, Vaszary, empfing den Raader israelitischen Lehrkörper, der bei ihm seine Aufwartung machte. Wie man uns aus Raab schreibt, beantwortete der Erz-Abt die an ihn gerichtete Ansprache des Hauptschullehrers Bernhard Schön mit folgenden Worten: „Es finden sich unter Ihnen, meine Herren, Einige, die unter meiner Leitung ihre Ausbildung genossen. Diese werden mir das Zeugnitz gebe», daß ich unter meinen Schülern nie einen Unterschied machte. Ich stehe seit 31 Jahren im Dienste der Schule; dem Unterrichtswesen weihe ich auch in Zukunft meine Kräfte, mein Herz, mein Leben. Wir werden College» bleiben. Und wenn wir auch in verschiedenen Gotteshäusern unser« Gott anbeten, so gibt es doch einen Weg, auf dem wir uns stets znsammenfinden können; es ist dies der Weg der Lrcbe. Leben Sie alle recht glücklich und lange!" Rensantee. Am 8. d. M. wurde in Biala ein Jude zu Grabe getragen, der ein Alter von 102 Jahren erreichte. Der Verstorbene, David Spieler, hatte als Kind von vier Jahren das Augenlicht verloren und lebte also 99 Jahre, ohne zu sehen. Trotzdem hatte er die Uhrmacherci erlernt und bis vor einem Jahre praktisch ausgeübt. Spieler war auch Musiklicbhabcr und hatte große Fertigkeit ans der Violine erlangt. Holland. Amsterdam, im Mai. Anfangs dieses Monats fand die Uebcrfiedelnug des Vereins no3n nw in die neu hergerichteten Räumlichkeiten des n*a Bmcn unter Festlichkeiten statt, die wiederum den deutlichen Beweis lieferten, daß dahier echt jüdische Gesinnung und große Liebe zur jüdischen Wissenschaft herrschen. Die zur Renovirung des n*a amen nothwendige Summe von 5300 fl. wurde zum Theil durch zinstragende Loose, theils durch freiwillige Spenden ausgebracht. P a l ä st i n a. Jerusalem. Herrn Rabbiner Dr. H. Adler aus London wurde dahier und in Jaffa seitens des Paschas von Jerusalem ein äußerst freundlicher Empfang bereitet. In Jaffa wurden einige Geusdarmcn als Ehrenwache aufgestellt. In einer längeren Audienz bei dem Pascha drückte dieser seine gute Gesinnung gegen die Juden aus, für die er, wie aus einzelnen Detailfragen ersichtlich, eine besondere Fürsorge hat. Auf Fürsprache des Herrn Dr. Adler in Bezug auf den Ausbau der von den Colonisten auf „Petach Tikvah" begonnenen Häuser, wobei die Colonisten nicht gesetzmäßig verfahren sind, hat der Pascha das Versprechen gegeben, die bereits der Pforte vorliegende Angelegenheit zu Gunsten der Colonisten befürworten zu wollen. Auch sprach er die Ansicht aus, daß für das zu errichtende isr. Hospital ein Terrain außerhalb der Stadt gewonnen werde, ebenso niachte er auf die große Armuth der meisten Israeliten aufmerksam, worauf Dr. Adler erwiderte, daß er seinen Besuch der heiligen Stadt hauptsächlich zur Prüfung der Situation se'n r armen Glaubensgenossen unternommen habe und er die Israeliten Englands und anderer Länder darauf Hinweisen werde, mit welch besonderer Aufmerksamkeit er (der Pascha) auf die Verhältnisse der Israeliten achte.

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