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Der Israelit · 1885-06-01 · Heft 43 (1.6.1885) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 43 (1.6.1885)
Date
1885-06-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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702 fühl verletzt wird, ist Dir das einerlei? Und daß dieses geschieht kannst Du glauben. Vertrauen sagst Du? (soll ich zu den Christen haben) Tonen nicht noch heute Schimpfrufe auf die Juden, SpottgesLnge. Euch (die Christen) schwer verklagend, auS der Kinder Mund? Daß Menschenliebe herrscht, kann ich nicht glauben, So lange Menschen säen solche Saat, Daß Kinder Kindern ihren Himmel rauben. (G. Duill.) Für heute genug; lebe wohl. Dein B. Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen. Deutschland. Witten an der Ruhr, 17. Mai. Wie ich Ihnen seiner Zeit berichtete, wurde am 12. März d. I. der Führer der hiesigen Antisemiten, Herr Dr. König, wegen öffentlicher Beleidigung des Kaufmannes Moritz Lindenbaum (Israelit) zu einer Geldstrafe von 200 M. ev. 20 Tage Gefängniß verurteilt. In genannter Sitzung trat der Kaufmann Koch (früher in Diensten bei Lindenbaum) als Zeuge auf und sagte sehr Graviren des über die Geschäftsmanipulationen des Lindenbaum aus (Dr. König hatte nämlich den Beweis der Wahrheit seiner Behauptungen angetreten). Der erwähnte Zeuge behauptet u. A., Lindenbaum habe bei Wechselgeschäften über 30°/g Zinsen genommen, ferner habe derselbe Waaren zur Verfügung gestellt, ehe dieselben angekommen, ja Mehl, das sich noch auf dem Bahnhofe befunden, habe Lindenbaum dem Lieferanten zur Verfügung gestellt, weit es angeblich graubackend anstatt weißbackend, wie bestellt, sei. Die Backprobe sei in solchem Falle von anderem Mehle gemacht worden. Es waren dies alles Behauptungen, die, wenn sie wahr gewesen, ein denkbar schlechtes Licht auf Lindenbaum werfen und denselben in der Geschäftswelt unmöglich machen müßten. Lindenbaum bestritt aber das von Koch Vorgcbrachte und behauptete, derselbe sei wegen Betrugs bereits mehrfach vorbestraft, also unglaubwürdig. Koch gab nur zu, wegen Beleidigung mit 6 Wochen und wegen Betrugs (Fahren im Eisenbahnzuge ohne Billet) mit 15 Mk. bestraft zu sein. Da Lindenbaum bei seiner Behauptung blieb, ermahnte der Vorsitzende . den Zeugen ernstlich, die Wahrheit zu sagen nnd zwar entspann sich folgender Dialog zwischen Vorsitzendem und dem Zeugen: Präs.: Erzählen Sie uns, ob Sie schon wegen Betruges bestraft sind und zwar mit Gefängniß. Sie setzen sich der Gefahr aus, wenn anch nicht wegen wissentlichen, so doch wegen fahrlässigen Meineids unter Anklage gestellt zu werden. Wenn Sie wegen Betruges im Gefängnisse gesessen haben, so müssen Sie es wissen. Zeuge: So viel ich weiß, nicht. Präs, (erregt): Ich frage Sie, ob Sie wegen Betruges im Gefängnisse gesessen haben? Zeuge: So viel ich weiß, nicht. Präs, (engerisch): Ich verlange jetzt eine ganz bestimmte Antwort. Zeuge: Nein, ich habe nicht wegen Betruges im Gefängnisse gesessen. Präs.: Auch nicht in Hannover? Zeuge: Nein. Koch war vor seiner Vernehmung vereidigt worden. Jeder wird doch annchmen, Koch habe sein Inneres während des Verhörs genau erforscht, denn wer ein oder mehrere Male wegen Betruges im Gefängnisse gesessen hat, kann dies doch Zeit seines Lebens nicht vergessen. Doch hören Sie: Koch hat nunmehr selbst dem Staatsanwalt mitgetheilt, er habe „bei Durchsicht seiner Pesonalakten" gefunden, daß er aitfecr den int Termine angegebenen Strafen wegen Betruges bestraft sei und zwar am 9. März 1875 zu Hannover mit zwei Monaten Gefängniß und am 15. März 1881 von der Strafkammer zu Hagen, ebenfalls wegen Betruges, mit 4 Monaten Gefängniß. — Die Thatsachen, welche Koch gegen Lindenbaunt bekundete, sollten Mitte und Ende der 7Oer Jahre geschehen sein und darüber wußte der Zeuge noch genau Bescheid, während er ganz vergessen, daß er 1881 4 Monate wegen Betruges gesessen hatte. Es ist doch schlimm bestellt, wenn man so ein kurzes Gedächtniß hat. Straßburg i. E. Die von dem israel. Consiftorium des Bezirks Unter-Elsaß vorgenommene Ernennung des Rabbiners Dr. Salomon Singer aus Prerau (Oesterreich) zum Rabbiner in Dambach ist Seitens des Ministeriunts genehmigt worden. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Pesth. Die Generalversammlung des Pesther isr. Frauenvereins faub heute unter dem Vorsitze der Präsidentin Frau Johanna Bischitz statt. Dem vom Vercinssckretär Herrn Gabor Fried mann verlesenen Jahresberichte entnehmen wir Folgendes: Im abgelaufcnen Verwaltungsjahre wurden als ambulante Unterstützungen 7464 fl. 70 kr., als monatliche Stipendien 5176 fl., als vierteljährlige Zinsbeträge 4001 fl., als Unterstützungen an Wöchnerinnen 379 fl., als Unterstützungen an Hebammen zu den Rigorosen- Taxen 56 fl. und als Heirathsausstattungs-Beiträge 120 fl., zusammen daher 17,166 fl. 70kr.mBaarem vertheilt. Im Mädchen-Waisenhause wurden 50

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