Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 43 (1.6.1885)
- Date
- 1885-06-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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700 Schimeon ben Jochai, und es ist ihnen mißlungen! Daher lehrt auch Nabbon Gamliel: Jedes Thorastudium, mit dem Arbeit nicht verbunden, wird am (ynbc aufhören und führt zur Schuld. Ja, Nabbon Gamliel geht hierin noch weiter als Rabbi Jischmael. Jeder, selbst der Reiche, der um seinen Lebensunterhalt zu erwerben, nicht zu arbeiten braucht, soll auf die Arbeit nicht verzichten. Er braucht zwar nicht Holz zu hacken oder Wasser zu tragen, oder hinter dem Pfluge zu gehen, er soll sich vielmehr mit den Angelegenheiten der Gemeinde beschäftigen und seine Kräfte dem öffentlichen Wohle widmen. So findet auch er neben dem Thorastudium eine passende und nützliche Thätigkeit. Allein, diese Art von Thätigkeit hat ihre Unannehmlichkeiten und Gefahren. Die größte Gefahr dabei ist die Erweckung des Ehrgeizes, die Sucht nach Herrschaft. Daher warnt Nabbon Gamliel und spricht: lind Alle, die sich bemühen um die Gemeinde, sollen sich um sie bemühen um Gottes willen, in reiner Absicht, ohne Ehrgeiz und ohne Herrschsucht. Daß eine Beschäftigung mit den allgemeinen Angelegenheiten viele und große Unannehmlichkeiten mit sich bringt, braucht wohl kaum gesagt zu werden. Niemand kann cs allen recht machen. Durch ein öffentliches Ehrenamt kauft man sich nur zu oft Aerger, Undank, Haß, Feindschaft, ja Flüche und Verwünschungen. Der Ehrgeizige, der Herrschsüchtigc haben für diese Unannehmlichkeiten als Entgelt die Befriedigung ihrer Leidenschaften. Wer aber ohne Ehrgeiz und Herrschsucht ist, wozu soll der all die Unannehmlichkeiten ans sich nehmen, die mit «tz^n öffentlichen Amte verbunden sind? Mancher Mt auch nicht die Kraft in sich, oder besitzt den Muth nicht, für die öffentlichen Angelegenheiten einzutreten und vermeint daher, nichts Ersprießliches leisten zu können. Deßhajb mahnt Rabbon Gamliel und spricht: Und Alle, die sich mühen um die Gemeinde, sollen sich mühen um sie in reiner Absicht, nicht aus Ehrgeiz oder Herrschsucht; glaube aber nicht, daß, wenn diese Sporne zur öffentlichen Thätigkeit fehlen, deine Wirksamkeit keine ersprießliche sein wird; siehe, Gott fördert Deine Arbeit für Dein Volk nm unserer großen Ahnen willen, deren Tugend und Gerechtigkeit Er bis in alle Ewigkeiten zum Heile Seines Volkes gedenkt. — Wenn dem aber so ist, dann, könnte man sagen, werden die Angelegenheiten der Gemeinde auch ohne unser Znthun besorgt und zu gutem Ende geführt werden. Was wir für das Allgemeine thun, schafft uns nur Mühe und Sorge und allerlei Unannehmlichkeiten, während die Erfolge den hohen Verdiensten unserer großen Ahnen zugeschrieben werden! Einem Solchen entgegnet Rabbon Gamliel: Zum guten Erfolge führt Gott die Angelegenheit der Gemeinde um des Verdienstes unserer großen Ahnen willen; nichtsdestoweniger betrachtet Er Dasjenige, wozu ihr nur geholfen, als euer eigenes Werk und rechnet euch großen Lohn an, wie wenn ihr allein es vollbracht hättet. (Fortsetzung folgt.) Miefe üöer die Erziehung der Mädchen im Iudenlhum und zum Indenlhum. Von H. Berger. III. In meinem jüngsten Briefe hörtest Du meine Ansicht über den Besuch der Kindergärten, die nicht von jüdischem Geiste geleitet werden. Lasse also Deine Tochter getrost unter der Aufsicht der Mutter, bis sie das schulpflichtige Alter erreicht hat. Der Nutzen der Kindergärten an sich selbst ist sehr fraglich, und die bedeutendsten Elementarlehrer haben deren Stutzen nicht nur in Frage gestellt, nicht nur verneint, sondern geradezu den Nachtheil, welchen der Besuch des Kindergartens auf den kindlichen Geist ausübt, bewiesen. Deine Tochter wird nichts an der natürlichen Frische ihres Geistes einbüßen unter der Obhut der vernünftigen Mutter, was bei vielen Kindergärten zu befürchten ist. Es gibt freilich Arbeit, viel Arbeit für die Mutter, wenn sie ihrem Kinde gegenüber ihre mütterliche Pflicht nicht vernachlässigen will. Wlit ihrem Kinde muß die Mutter wieder.Kind werden und all die kleinen Leiden, welche die Tochter hat, wenn z. B. die Puppe zerbricht, muß die Mutter mitfühlen. Sie wird reichlich für diese Mühen entschädigt, wenn sie den kindlichen Geist sich allmählich entfalten sieht. Schon beim Spiel kann die Mutter die Kardinaltugenden der Religion einpflanzen, wenn sie sich die Mühe gibt, ihr Kind zu verstehen. Hier muß ich noch der Unsitte gedenken, die in letzter Zeit immer mehr und leider auch, oder besonders in jüdischen Familien um sich greift, der Unsitte: die Kinder unter der Obhut von Dienstmädchen, ev. Kindergärtnerinnen zu lassen. Wahrlich, die Mutter, die ihr Kind ans Bequemlichkeit oder aus Trägheit, fremden Dienstboten überläßt, diese Mutter weiß nicht, was für ein Schatz Kinder sind! Sie beraubt sich selbst der reinsten Freuden, der Liebe ihres Kindes. Sie sieht nicht, wie die Geistesknospe keimend sich entwickelt; das Kind kennt seine Mutter nur, wenn es gescholten werden soll oder wenn mit dem Wunderkinde paradiert werden