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Der Israelit · 1885-06-01 · Heft 43 (1.6.1885) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 43 (1.6.1885)
Date
1885-06-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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XXVI. Jahrgang. M 43 Der Israelit. E i n Aentrak - Hrgan für das orthodoxe Zudenlhum. Heransgegeben von Dr. Lehmann in Mainz. Montag, beit 1, %uni 5645 (4885). Leitende Artikel. Aie Sprüche der Däter. XIV. Mainz, 25. Mai. Israel ist das von Gott erwählte Volk, dessen hoher Beruf es ist, sich mit dein Inhalte der Gotteslehre bekannt zu machen, in ihr zu forschen, nach ihren Vorschriften zu leben, und stets hat das lebende Geschlecht die Pflicht, die Thora den Nachkommen zu vererben und die Kinder in sie einzuführen. Von diesem Berufe soll sich kein Israelit frei machen wollen; durch ihn ist das Dasein und Leben unseres Volkes bedingt. Andererseits hat jeder Mensch die Aufgabe, durch seine Arbeit sich die Bedürfnisse seines Lebens zu verschaffen, für Wohnung, Kleidung und Nahrung zu sorgen. Das Letztere heißt p# Tn, wie es ausdrücklich Rabbi Jischmael (Berachoth 35 b) bezeichnet: jnan pH Tn jruo „Beschäftige Dich mit der Gotteslehre und pflüge, säe, ernte und thue Alles, was Du thun mußt, um Deinen Lebensunterhalt zu erwerben." In Bezug auf die verschiedenen Arten der Verbindung dieser beiden Thätigkeiten belehrt uns Nabbon Gamliel in unserer Mischnah. „Schön ist, wenn mit der Weltsitte das Studium der Gotteslehre sich verbindet." Hier ist die weltliche Beschäftigung, die Beschaffung der körperlichen Bedürfnisse, die Hauptsache, und schön ist es, wenn bei dem regen Fleiße, der des Lebens Unterhalt zu erwerben sich besttebt, der hohe Bemf Israels, in der heiligen Lehre zu forschen, nicht vernachlässigt wird. Der Feldarbeiter, der Handwerker, der Kaufmann, der Beamte, sie alle sollen, ehe sie ihr Tagewerk beginnen, und nachdem sie es vollendet haben, sich Zeit und Muße nehmen, um einige Stunden des Tages oder der Nacht mit der Lehre unseres Gottes sich zu beschäftigen. Das ist schön; besser aber ist es, wenn der Mensch in seinen Ansprüchen an das Leben sich bescheidet und weniger Zeit dem Erwerbe widmet, um destomehr für die Ausbildung seines Geistes durch das Studium der Gottcslehre thun zu können, wenn er seine Zeit in gleicher Weise beiden Beschäftigungen zutheilt. Eine solche Vereinigung der praktischen Thätigkeit und der Erwerbung der Thorakenntuiß schützt vor Schuld und Fehl. Durch den angestrengten Fleiß nach beiden Seiten hin werden die Leidenschaften zurückgedrängt, die böse Neigungen bezwungen, und die segensvolle Thätigkeit macht, daß wir die Sünde vergessen, das heißt, weder Zeit Lust haben, zu sündigen. d Noch besser ist, wenn wir unseren Erwerb auf das Nothwendigste beschränken und den größten Theil unserer Zeit dazu verwenden, unsere Thorakenntniß zu erweitern. Da heißt die weltliche Beschäftigung nicht mehr pt* wie alle Welt sie betreibt, sondern nriOo Arbeit, die auf das Nothwendigste beschränkte Arbeit. So weit darf der Mensch seiner Liebe zum Studium der Gotteslehre nachgeben, aber nicht weiter. Er muß arbeiten, um seinen Lebensunterhalt zu gewinnen, und darf sich nicht darauf verlassen, daß Gott ihn in wunderbarer Weise ernähren wird. Wohl lehrt Rabbi Schimeon ben Jochai (Berachoth 35 b), daß der wahrhaft Fromme sich ausschließlich mit der Thora beschäftigen soll und für seinen Lebensunterhalt nicht zu sorgen braucht, im Gegensätze zu der obenangeführten Ansicht des Rabbi Jischmael; aber der Talmud fügt hinzu: „Viele haben gethan, wie Rabbi Jischmael, und haben große Erfolge erzielt; Viele haben gethan wie Rabbi

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