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Der Israelit · 1885-05-28 · Heft 41-42 (28.5.1885) · page 27

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 41-42 (28.5.1885)
Date
1885-05-28
Page
– (sequence 27)
Language
German
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697 Schlomo bar Jizchak (Naschi) zu würdigen. Seine großen Werke, sein tugendhafter Lebenswandel, seine-unaussprechliche Bescheidenheit haben ihm ein unvergängliches Denknial gesetzt. Wer Aijon. Eine Skizze aus dem Deutsch-Franzos. Kriege 1870/71. Bon Ion. Lehmann. Es war gegen das Ende des großen Krieges; Frankreich hatte alle seine Kräfte aufgeboten, den siegreichen Feind znrückzudrängen: Vergebens. Der Muth der Verzweiflung hatte sich der tapferen Schaaren bemächtigt, die Garibaldi zu Dijon vereinigt hatte. „Die jungen Söhne der Freiheit", wie sie ihr Führer genannt, kämpften wie Löwen, und die wüthige Erbitterung der Feinde hatte sich auch den deutschen Truppen mitgetheilt; die Kämpfe bei Dijon waren die blutigsten und entsetzensreichsten des ganzen Krieges. Die Bewohner von Dijon, noch viel mehr aber die Bewohner der Städtchen und Dörfer in der Nähe der Feste, befanden sich in der grauenerregendsten Lage; abgeschloffen von außen, quälte sie der Hunger und raffle nieder, was die zerplatzenden Granaten, die einstürzenden Häuser verschonten. Eben tobte der Kampf am heftigsten um eine dieser kleinen Vorstädte, dieselbe war fast genommen und immer mehr wurden ihre tapferen Vertheidiger zurückgedrängt. Lson Blum, ein junger Kaufmann, der erst vor Kurzem dorthin gezogen war, horte nicht auf das wilde Tosen draußen. Bleich, mit eingefallenen Wangen, ging er einher, sein eigenes Elend nicht fühlend bei dem Anblick seiner schwer kranken Gattin. Esperance war vor drei Wochen von einem gesunden Knäblein genesen, doch Aufregung, Hunger und der Kummer, daß cs ihr nicht vergönnt war, ihren erstgeborenen Sohn zur vorgeschriebenen Zeit in den Bund der Väter aufuehmen lassen zu können, hatte die Wöchnerin auf dem Krankenlager festgehalten. Nur drei Juden wohnten in dem Städtchen; unter ihnen war Keiner, der die Beschnekdung hätte vornehinen können. LLon war hinweggegangen, etwas Nahrung für seine Gattin zu suchen; die Kranke lag halb schlummernd, als ein Trupp feindlicher Soldaten in's Zimmer stürzte. „A mangerbrüllte Einer von ihnen; diese Armen entbehrten, bei der heftigsten Anstrengung, seit einem Tage selbst jeder Nahrung; der Proviantzug war ausgebliebcn und die Soldaten durchsuchten das eroberte Städtchen, ob sie etwas zu essen, fänden. „Es ist kein Bissen im Hause," erwiderte die Kranke zitternd. „In einem solchen Hause, wie dieses, kein Bissen," entgegnete ein Anderer, „man sagt überall, daß hier noch Vorräthe seien, gesteht, Ihr habt sie versteckt, daß wir sie nicht finden sollen, wo habt Ihr sie?" „Es ist wirklich Nichts hier," jammerte das kranke Weib. Doch der Soldat glaubte ihr nicht. „Willst Dn gestehen?" rief er, die Spitze seines Bajonettes auf die Frau richtend. Da erblickte er das Kind in der Wiege und nahm es auf seinen Arm. „Wir werden schon einen Tisch gedeckt bekommen, Kameraden!" rief er den Seinen zu, und zu dein Weibe gewendet sagte er rauh: „Willst Du uns jetzt auftragen, oder bei Gott, ich spieße diesen dickköpfigen Wicht auf die Spitze meines Gewehres" und er näherte zum Scheine den Kleinen seinem Bajonette. „Mein Kind, mein Kind," kreischte die Unglückliche ans, „hilf und errrette, Gott, unser Gott! Chamaul und Mazil Adonoi, Adonenu; gebt mir mein Kind zurück!" „Ei'st gib" uns zu essen," sagte der Mann barsch. Die Kranke sprang aus dem Bett und stürzte dem Krieger zu Füßen. „Lieber, guter Mann," flehte sie, „tödtet mein Kind nicht, was hat Euch mein armes, unschuldiges Kind gethan? Allgütiger Gott, sie wollen mein Kind tödtcn, und noch eh' es ausgenommen ist in Deinen heiligen Bund! Mordet mich, aber laßt mein Kind in Ruhe!" und sich zu dem kleinen Schreier wendend, bedeckte sie seine Stirne mit tausend Küssen. „Sollst nicht sterben, armer Sohn,- wenigstens nicht allein sterben; Deine Mutter stirbt mit Dir. Löon, mein Gatte, leb' wohl!" „Treib' es nicht zu weit, Kamerad," sagte Einer der Soldaten gerührt; „laß uns weiter gehen; die arme Frau scheint wirklich nichts zu essen zu haben." Jener schwieg beschämt; auch ihm hatte sich eine kleine Thräne aus den blauen Augen gestohlen bei dem Jammer der unglücklichen Mutter; noch eine Minute, und die Soldaten hatten bis aus Einen, es war der, der zuletzt gesprochen, das Hans verlassen.

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