Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 41-42 (28.5.1885)
- Date
- 1885-05-28
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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mit Jod geschrieben. Das Unzulässige und Fehlerhafte in dieser Erklärung von Leiten der Berufung auf die arabische Sprache, hat bereits der kompetenteste Beurtheiler, Fleischer, in den Nachträgen zu Levy's Wörterbuch, B. I. 558, Spalte 1 nachgewiescn. Es wird daselbst die angebliche arabische Bedeutung des Wortes gänzlich in Abrede gestellt. Jedoch auch die Erklärung, die Fleischer daselbst geben will, ist unrichtig; sie ist diesem Forscher und anerkannten Gelehtten um so eher nachznsehcn, als er den talmudischen Sprachgebrauch nicht genügend kennt, da seine große Bedeutung für die orientalische Sprachwissenschaft ans anderen Gebieten liegt. Tie Worte Din 'poy können nicht heißen, „wegen der Thaten des Hinnom;" denn das würde den Sinn geben, als ob Alle, die in das Gehenna kommen nur für die Schuld des Hinnom büßen müßten. In der talmudischen Terminologie ist der Ausdruck -pcy?y schon gänzlich seiner ursprünglichen Bedeutung entkleidet und zur bloßen Präposition erstarrt, bedeutet daher nichts weiter als „wegen" *). Sonach gäbe der Satz keinen Sinn, wenn nicht in dem Worte rnn selbst, die Sünde angcdeutet wäre. Ueberhaupt liegt den Lehrern des Talmud dieser Gedankengang ganz ferne. Bei ihnen hat das Wort mm die feststehende Bedeutung „Unterwelt" angenommen, so daß an eine Anspielung auf den geschichtlichen Ursprung des Wortes nicht zu denken ist, abgesehen davon, daß Raschi, gewiß noch authentischer Tradition, das Wort anders erklärt. Wir glauben daher eine andere Erklärung geben zu dürfen, welche mit der richtigen Ableitung eines andern talmudischen Ausdruckes zusammenhüngt. Ju der Mischna Kethuboth II. 1 heißt es: „Wenn die Braut bei der Trauung mit drrn-n auszieht, so ist dies ein Zeichen, daß sie als Jungfrau und nicht als Wittwe heirathet." Auch dieses Wort hat die mannigfachsten Erklärungen gefunden. Im Jeruschalmi das. II. Anfang heißt es: pii 'ovnö '-sen 'im ne« pm. Die Gelehrten in Babylon erklären das Wort durch neue: „Schlummerdecke" — von dem hebr. m: - die Gelehrten in Palästina durch pharema. R. Ehauanel, angeführt im Aruch s. v. erklärt es biirdj.nüiro piri wahrscheinlich vom gr. errrwmox. Levy meint es wäre ein Eompositum aus lieanou und heima. was wiederum von Fleischer in bcu Nachträgen als unrichtig bezeichnet wird, ohne daß er eine andere Erklärung zu geben hätte. *) Vgl. z. B. yra *pcy S* ,nVos* S.’ »irrs* v-r S* u. o. m. Meines Erachtens kommt das Wort vom gr. liymenaios, der Hochzeitsgesang, den die Begleiter der Braut anstimmten, wenn diese aus dem väterlichen Hause in das des Bräutigams geführt wurde. II 18, 493. In weiterer Fortentwicklung der Sprache bedeutet es auch „Hochzeitskleid," „Brautschleier" und sogar für „Hochzeit" wird dasselbe gebraucht. Es wird auch für Hymen, Gott der Ehe, bei den gr. Schriftstellern angewendet. Durch Transposition ist aus liymenaios NEirn geworden, indem die Nominativcndung „os,“ wie bei den meisten griechischen Worten Im Talmud, abgefallen ist. Die ursprüngliche, noch nicht transponirte Form findet sich noch im palästinensischen Talmud, wo das Griechische mehr heimisch war, Jeruschalmi Kethuboth I. 25 a. &U1EYI2. Aus diesem Ursprung des Wortes erklärt sich dann leicht auch die Verschiedenheit der Erklärung zwischen Babli und Jeruschalmi. Tenn da unser Wort nur die Feierlichkeiten bei der Hochzeit einer Jungfrau bezeichnen will, so kann es nach der Verschiedenheit dieser Feier auch verschieden gedeutet werden, je nachdem örtliche Gebräuche dieselbe modifizirten. Ursprünglich wurden Hymnen und Lieder von der Begleitung gesungen, die die Braut in das Haus des Bräutigams führte, oder wenn derselbe ging die Braut ans ihrem Vaterhause heimzuholen. So lesen wir im i. B. M. der Makkabäer 9, 39 „da kam ein großer lärmender Zug, der Bräutigam und seine Verwandten ihnen entgegen mit Pauken und Saitenspiel" und im Talinud an der angeführten Stelle in Kethuboth werden uns Bruchstücke solcher hyme- «aia erhalten. Politische und sociale Gründe, die Noth der Zeiten führten aber auch in solchen Belustigungen Aenderuugen hervor, wie uns dies, in Bezug auf einige derselben, in Mischna Sota 9, 14 ausdrücklich mitgetheilt wird. In späterer Zeit war es in Palästina Sitte, daß die Braut in einer Sänfte in das Haus ihres zukünftigen Gemahls getragen wurde, deßhalb wurde die Sänfte als NEir'n bezeichnet, während in Babylon, nach der damals herrschenden Sitte, diese Bezeichnung auf die Myrtenlaube übertrage» wurde, in der die Braut an ihrem Ehrentage saß und zuweilen auch einschtummerte, Idick. 171». Mit der so gewonnenen Erklärung, wird es uns auch gelingen, in die Anfangs dieses Artikels angeführte Stelle Licht zu bringen. Es bedarf nur noch der folgenden Erwägung. Es ist zur Genüge bekannt, daß sprachliche Ausdrücke nicht bei ihrer ursprünglichen engen Begrenzung stehen bleiben, sondern immer in die ihnen verwaisten Gebiete übergreifen und ihre Begriffe erweitern, wie wir